Einen Beruf auszuüben, der auch gleichzeitig als Berufung empfunden wird, gilt vielen als Ideal. Doch nicht jeder Mensch kann Arzt, Künstler, Geistlicher oder Geschäftsmann werden. Es gibt jedoch eine Reihe anderer Aufgaben, für die wir uns berufen fühlen und in denen wir Erfüllung finden können.

Wie erkennen wir unsere besondere Berufung?

Manche sagen, sie offenbart sich uns als innere Stimme wie ein nachdrücklicher Ruf. So empfinden es meist religiöse und/oder spirituell orientierte Menschen. Nicht jedem ist die Sensibilität gegeben, die eigene Berufung ohne Unterstützung aufzuspüren, anzunehmen und umzusetzen. Da sind manchmal Irrungen und Wirrungen auf dem Lebensweg und auf der beruflichen Laufbahn programmiert. Aber es gibt viele Beispiele dafür, dass sich wahre Berufung über fast alle Hindernisse hinwegsetzt, beispielsweise über soziale oder intellektuelle Hürden. Auch Lebensalter und Gesundheit können spät Berufene unter Umständen hindern, aber selten wirklich aufhalten. Wer eine Berufung spürt, folgt diesem Signal, etwas Bestimmtes anzupacken, Ziele zu erreichen, da zu sein für andere.

Menschen mit einer Berufung haben sich einer Sache verschrieben – der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Gesundheit oder der aktiven Lebenshilfe und Pflege. Oder sie empfinden ihren gegenwärtigen Job als ihre Berufung, mit der sie ihre Erfüllung finden.

Es gibt viele Berufene in unserer Gesellschaft

Von diesem Geist und einer solchen Haltung können die unterschiedlichsten Menschen gesteuert werden: Krankenschwestern ebenso wie Sterneköche, Marktfrauen mit Bio-Produkten wie Manager in karitativen Organisationen, Lehrer, Modeschöpfer, Streetworker, Musiker oder Kinder- und Altenpfleger, um nur einige Beispiele zu kennen. Hinzu kommen die Millionen ehrenamtlicher Helfer, die viele Organisationen am Laufen halten – etwa bei der Betreuung von Verbrechensopfern, der Beratung in sozialen Fragen und beim Beantragen von Unterstützung, bei der Seelsorge im Gespräch oder im Bereich des Sports.

So merkst du, ob du mit deiner Berufung eine harmonische Einheit bildest

Am Anfang steht der Tag, an dem du die Berufung erkennst, die dir in die Wiege gelegt wurde. Auslöser für diese Erkenntnis können gravierende Ereignisse wie Krankheit, Verlust des Partners oder einer Arbeitsstelle und vieles mehr sein. Oft ist es aber so, dass eine professionelle Begleitung auf der Suche nach der eigenen Berufung sehr nützlich ist.

Häufig beginnt die Suche nach der Berufung bei einer lang anhaltenden Unzufriedenheit im Leben, die so nicht länger ertragen werden will. Eine ganz plötzliche Erkenntnis, was die eigene innere Berufung ist, geschieht ebenso, wie die aktive Suche danach, oft erst in der Lebensmitte oder später.

Hast du deine wahre Mission oder Aufgabe erkannt, gibt es zahlreiche Anzeigen dafür, dass dir Steine aus dem Weg geräumt werden. Du bekommst auf einmal das Gefühl, als fügten sich die Dinge wie von selbst, als würdest du sicher geführt, die richtigen Schritte zur rechten Zeit zu machen.

Es kann auch sein, dass du zeitweise vom Kurs abweichst, dich auf Nebenschauplätzen aufhältst oder durch eine kleine Pechsträhne entmutigt wirst. Handelt es sich bei deiner Motivation, deinem Leben eine neue Richtung zu geben, um Berufung? Letzte Zweifel werden verfliegen, wenn du spürst, wie du auf eine magische Weise auf den Weg zurückgeführt wirst, auf dem du eins bist mit deiner Berufung. Glaube nicht, dass es unbedingt mit großer Anstrengung verbunden sein muss, wenn du das tust und vorantreibst, wofür du dich berufen fühlst. Im Gegenteil: Je leichter dir die Dinge von der Hand gehen, desto deutlicher zeigt sich, dass du ein Mensch bist, der sich mit seiner Berufung im Einklang befindet.

Leichtigkeit auch bei schweren Aufgaben

Alles was wir gern tun, wofür wir uns begeistern oder wofür wir starke Empathie empfinden, wird uns selten zu viel. Du wirst staunen, was du wegschaffst, wenn du deiner Berufung entsprechend handelst. Langeweile, Frustration und Lustlosigkeit wirst du nicht mehr kennen. Und das wirkt sich positiv auf deine Gesundheit und deine gesamte Konstitution aus. Du gewinnst an Spannkraft und physischer und mentaler Leistungsfähigkeit. Damit hast du ein Indiz dafür, dass du deine Berufung gefunden hast.

Es gibt noch mehr Merkmale, die dir bestätigen, dass du auf dem richtigen Weg bist

So ist es gut möglich, dass sich deine Finanzlage verbessert, beispielsweise dadurch, dass du deine Lebensaufgabe klar definiert und andere davon überzeugt hast. Sei außerdem gewiss, dass die Seelenruhe, mit der du jetzt Krisen meisterst, auch damit zu tun hat, dass deine Berufung dich zuverlässig leitet. Praktische Hilfe wird dir auf einmal angeboten oder zuteil, materielle und ideelle Unterstützung. Menschen, die ihre Berufung gefunden haben, treten überzeugend auf und setzen sich hundertprozentig für ihr Anliegen ein.

Stell dir Folgendes vor und prüfe deine innere Überzeugung:

Montagmorgen, 6 Uhr. Der Wecker klingelt. du wirfst die Decke zur Seite, stehst auf und gehst mit einem Lächeln ins Bad. Du freust dich auf das, was kommt – auf deine Arbeit. Geht es dir genauso? Findest du dich hier wieder? Du meinst, es ist Utopie? Nein, ist es nicht!

Immer mehr Menschen haben Freude an ihrer Arbeit, finden einen Sinn darin. Sie haben glänzende Augen und ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie davon erzählen und strahlen rundum Zufriedenheit aus.

Dein Beruf als deine Berufung

Für viele erscheint dieser Wunsch, Spaß und tiefe Freude an ihrer Arbeit zu haben, ganz weit weg. Sie sind festgefahren in ihrem Beruf, manchmal sogar in ihrem Leben. Doch statt zu resignieren und sich damit abzufinden, dass es „nur noch 20 Jahre“ bis zur Rente sind, sollte jeder in sich hineinhören, um herauszufinden, was er wirklich will. Wie geschieht das am besten?

Bilanz – wo steh ich und bin ich wirklich zufrieden?

Nimm dir einen Moment Zeit und spüre einfach in dich hinein. Stell dir die Frage: Bin ich zufrieden mit meinem Beruf? Möchte ich genau diese Arbeit nächste Woche, nächsten Monat oder nächstes Jahr noch machen? Erfüllt mich mein Beruf? Werde ich wertgeschätzt? Wird meine Arbeit wertgeschätzt? Kann ich meine Einstellung ändern? Gibt es andere Dinge, die geändert werden könnten? Und falls du merkst, dass du eigentlich schon seit Jahren etwas anderes machen möchtest, dann überleg dir, was das ist.

Bilanz – was will ich und was muss ich dann ändern?

Als nächstes überleg dir bitte, was du machen möchtest. Wenn du bereits zufrieden mit deinem Job bist, dann ist alles in Ordnung. Mach ab und zu mal eine Zwischenbilanz, ob noch alles in Ordnung ist und genieß die Zeit in deinem Beruf, schließlich verbringst du täglich viele Stunden damit.

Wenn nicht, dann kommt der nächste Schritt

Übst du deinen Beruf doch schon gern aus, aber nicht in dieser Firma und auch nicht mit diesen Kollegen? Dann weißt du wenigstens schon, dass du dir den richtigen Job ausgesucht hast. Reicht es, deine Einstellung zu ändern? Mit einem Lächeln ins Büro zu kommen? Sich in der Pause mit den Kollegen zusammenzusetzen und mal über andere Dinge zu reden als nur von der Arbeit? Den Tagesablauf einfach mal anders zu strukturieren? Es ist manchmal erstaunlich, welche Wirkung solche Kleinigkeiten haben, auf einen selber und auch auf das Umfeld.

Möchtest du schon seit Jahren etwas ganz anderes machen?

Hör auf dein Herz, das weiß ganz genau, was es will. Und spiel es nicht sofort wieder runter, weil es scheinbar unwichtig ist. Nicht jeder kann hauptberuflich in einer Hilfsorganisation arbeiten, und auch nicht jeder käme mit dieser Art der Arbeit klar. Was möchtest du machen? Nähen, kellnern, im Büro arbeiten, Medizin studieren, Holz verarbeiten? Es gibt so vieles! Und es gibt so viele, die auf ihr Herz gehört haben und ihrer Sinnerfüllung nachgehen. Einige setzen sich sogar noch nach der Arbeit für Jahre auf die Schulbank, weil sie etwas suchen, was ihnen ihr alter Job nicht geben konnte: Tiefe innere Zufriedenheit.

Und dabei ist es völlig uninteressant, wie alt du bist, aus welcher Branche du kommst, oder welches Geschlecht du hast. Sobald du deine Berufung gefunden, wirst du es wissen. Wenn du ihr nachgehst, werden wunderbare Dinge passieren, es geht einfach nicht anders.

Die größten Feinde bei Veränderungen sind man selbst und sein Umfeld

Solange man das weiß und sich dessen bewusst wird, ist alles halb so schlimm. Wenn du etwas gefunden hast, was du gerne machen möchtest, kommen nach der Euphorie die Selbstzweifel. Das ist ganz normal und auch gut. Du hast die Gelegenheit, noch einmal über alles nachzudenken und alles zu durchleuchtet. Aber wie bereits erwähnt, solltest du auf dein Herz hören und auf deine Intuition.

Beide wissen genau, was gut für dich ist. Außerdem gibt es heute unzählige Firmen, denen es egal ist, ob man schon Jahre in dem Beruf gearbeitet hat oder nicht. Sie möchten Leidenschaft, das jemand brennt für das, was er macht. Der von Selbstzweifeln genährte Satz „Ich schaff das sicher nicht“ kann also ganz aus deinem Wortschatz gestrichen werden. Folge deinem Herzen und es wird klappen.

Es wird Leute in deinem Umfeld geben, die dir von der Veränderung abraten:

  • „Du bist zu alt“
  • „Du hast doch einen sicheren Job“
  • „Werf doch nicht gleich alles hin“
  • „Woanders ist es auch nicht besser“
  • „Du hast doch keine Ahnung davon“,

Das sind nur einige Beispiele von Reaktionen, die du ernten könntest, wenn du dich tiefgreifend verändern und beruflich umorientieren willst. Aber auch hier gilt: Du weißt am besten, was gut für dich ist. Es geht um deine Zufriedenheit und um dein Leben.

Sag den Zweiflern, die es sicher gut mit dir meinen, dass du ihnen für ihre Fürsorge dankst, aber selbst entscheiden wirst, was du mit deinem Leben anstellst. Einigen wirst du begegnen, die dir davon abraten, weil sie eigentlich eifersüchtig auf dich sind, weil sie selber so sehr in ihren Zweifeln gefangen sind, um den nächsten Schritt zu gehen. Denen kannst du Mut machen, es selbst zu versuchen. Niemand ist gezwungen, für den Rest seines Lebens unglücklich zu sein, nur weil er den falschen Beruf ausübt.

Es ist NIE zu spät, wirklich nie!

Es gibt sogar Extremsportler, die mit 36 Jahren ihren guten Job hinwerfen, um mit dem Profisport zu beginnen. Ein Alter, in dem andere bereits aufhören. Es gibt Leute, die mit Ende 50 eine Heilpraktikerausbildung beginnen und wissen, wenn sie fertig sind, müssen sie nur noch 2 Jahre arbeiten bis zur Rente. Es ist ihnen egal. Sie möchten einfach wissen, wie es ist, in einem Beruf zu arbeiten, den sie sich jahrzehntelang erträumt haben – auch wenn es nur für 2 Jahre ist!

Sinnerfüllung im Beruf

In einer Zeit, in der mehr Wert auf Zufriedenheit gelegt wird, in der die Freizeit einen viel höheren Stellenwert erlangt hat als früher, scheint es, dass noch viele Menschen in ihrem Alltagstrott gefangen sind. Die Werte im Privaten haben sich geändert, im Beruflichen werden sie oftmals jedoch nicht hinterfragt. Man geht zur Arbeit, man sagt nicht, was einen stört und natürlich kündigt man nicht einfach so. In vielen Leuten ist dieses kleine Flämmchen, das endlich mal raus möchte, aber es wird ignoriert.

Es fehlt der Mut, dabei ist es ganz einfach

Niemand kann dir Entscheidungen abnehmen, eine Veränderung kannst nur du allein herbeiführen. Lächle, fang an, deine Arbeit wertzuschätzen, sie ist wichtig, egal, was du machst. Dann werden auch andere in deinem Umfeld lächeln und deine Arbeit wertschätzen.

Aber bitte; nicht vergessen: Achte auf dein Privatleben. Kümmere dich auch da gut um dich. Denn beides – berufliches und privates – ist eng miteinander verknüpft. Beginne dich wertzuschätzen, im Privaten und auch im Beruflichen. Du wirst sehen, wie sich auch ein ganz „alter“ Job noch verändert, und du wirst dich daran erfreuen. Wenn du in deinem Privatleben glücklich und zufrieden bist, wirst du vielleicht auch erkennen, dass dein gegenwärtiger Job gar nicht so schlecht. Manchmal buddelt man an der falschen Baustelle und nicht der scheinbar falsche Job bringt Unzufriedenheit.

Egal, ob Wechsel oder nicht, Sinnerfüllung ist das, was jeder in seinem Beruf erreichen kann und darf. Denn nicht umsonst heißt es „Beruf sollte Berufung sein“.

Anne Heintze

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