Schon lange ist bekannt, dass es viele verschiedene Intelligenzformen gibt

Die Multiplen Intelligenzen wurden schon von Howard Gardner in den 80ern beschrieben. Aber es gibt noch weitere spannende Intelligenzformen, bei denen sich eine genauere Betrachtung durchaus lohnt.

Fluide und kristalline Intelligenz

Aufgrund der so genannten Zweikomponententheorie von Raymond Cattell wird die menschliche Intelligenz in die Bereiche kristalline und fluide Intelligenz unterteilt. Das erlernte Wissen als Teil unserer Intelligenz wird der kristallinen Intelligenz zugeschrieben. Vererbungsfaktoren wirken auf die fluide Intelligenz. Ein enges Band verbindet diese beiden Intelligenzarten, da die Entwicklung der kristallinen Intelligenz in Abhängigkeit zu den qualitativen Merkmalen der fluiden Intelligenz steht.

Die kristalline Intelligenz

Die kristalline oder kristallisierte Intelligenz ergibt sich aus Lernprozessen im Laufe eines Lebens. Die Allgemeinbildung des Menschen und das Schulwissen sind Faktoren, die erhebliche Bestandteile der kristallinen Intelligenz bilden. Auch Erfahrungen, Erinnerungen und ein großer Wortschatz formen diesen Bereich der Intelligenz.

Erfolge im sozialen und finanziellen Bereich sind wesentlich von der kristallinen Intelligenz beeinflusst und steigern sich, wenn diese zunimmt. Sie ist somit von der Umgebung und den persönlichen Vorlieben eines Menschen zur Wissensaneignung und Bestreiten von Lernprozessen abhängig.

Bis zum 65. Lebensjahr ist eine kontinuierliche Steigung der kristallinen Intelligenz zu verzeichnen. Nach diesem Alter verringert sie sich wieder, wobei durch gezielte Trainingsmaßnahmen ein Verzögern der Abnahme erreicht werden kann. Die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken, wird geringer, wenn die kristalline Intelligenz stetig wächst und trainiert wird.

Die fluide Intelligenz

Diese Form der Intelligenz wird auch flüssige oder geistige Intelligenz genannt. Die Flexibilität und die Kreativität sind zwei wichtige Elemente, die ihr zugeschrieben werden. Die Schnelligkeit, mit der eine Person Situationen verstehen und sich ihr anpassen kann, Problemlösefähigkeiten und das logische Denken fallen in den Bereich dieser geistigen Flexibilität. Aber auch die Intuition und das Entwickeln neuer Ideen sind Fähigkeiten, die in die fluide Intelligenz mit einfließen.

Beeinflusst wird die fluide Intelligenz von den Genen und biologischen Merkmalen. Insbesondere junge Menschen weisen eine höhere fluide Intelligenz auf, da sich das Gehirn in diesem jungen Zustand plastischer darstellt. Wenn der Mensch älter wird, nimmt die Plastizität des Gehirns ab und somit auch die fluide Intelligenz. Insbesondere der präfrontale Cortex und der mediale Temporalcortex befinden sich hierbei im Einsatz, so dass aufgrund der relativ raschen Abbaufähigkeit dieser Hirnbereiche auf eine frühe und stetige Abnahme der fluiden Intelligenz geschlossen werden kann. Schon ab dem 20. Lebensjahr kann sich die fluide Intelligenz verringern.

Eine Studie der Universität von Michigan zeigte kürzlich, dass die fluide Intelligenz offensichtlich auch vom Zustand des Arbeitsgedächtnisses beeinflusst wird. Ein Training des Arbeitsgedächtnisses kann somit durchaus Auswirkungen auf die fluide Intelligenz haben. Aus diesen Gründen ist es möglich, sein ganzes Leben lang an Verbesserungen der fluiden Intelligenz zu arbeiten und so Situation besser zu überschauen und klarer handeln zu können.

Die Abhängigkeit und Kombination beider Bereiche

Die kristalline Intelligenz ist von der fluiden Intelligenz abhängig. Die Beherrschung eines guten Ausdrucksvermögens und reichhaltige verbale Möglichkeiten lassen allein nicht zu, sich in Situationen entsprechend angebracht auszudrücken. Hierbei ist die fluide Intelligenz unerlässlich. Bei einer Verringerung der fluiden Intelligenz, kann die kristalline Intelligenz als hervorragender Ausgleich wirken. Ein erheblicher Erfahrungszuwachs kann mögliche Defizite der fluiden Intelligenz auffangen.

Das Gesamtpotential der Intelligenz eines Menschen entfaltet sich erst dann, wenn beide Intelligenzbereiche miteinander kombiniert werden können. Im Hinblick auf die Intelligenz von Wissenschaftlern wurde herausgefunden, dass der beste Zeitpunkt dieser Kombination in den Vierzigern liegt. In Gebieten, die eine große Beweglichkeit und analytisches Denken erfordern, wie zum Beispiel die Mathematik, kann dieser Zeitpunkt sogar schon früher eintreten.

In den geisteswissenschaftlichen Bereichen wird eher ein späteres Eintreten der perfekten Kombination erwartet, da hier die Erfahrung einen größeren Stellenwert einnimmt. Die Studie der Universität von Michigan weist Möglichkeiten auf, das Arbeitsgedächtnis zu trainieren und somit die fluide Intelligenz zu verbessern. Die Wissenschaftler dieser Studie machten deutlich, dass ein gutes Ergebnis bei der fluiden Intelligenz von der Dauer und Intensität des Trainings abhängt.

Je nachdem als, wie stark du deine Intelligenzformen aktiv benutzt und so wie einen Muskel trainierst, so wird auch die eine oder andere Intelligenzform stärker ausgeprägt sein. Es gibt aber noch viel mehr, wu wirst dich wundern.

Lies dazu den Artikel, den ich darüber geschrieben habe: Intelligenkonfetti!

Sig

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