Für viele Menschen kann es eine große Hilfe darstellen, wenn eine Hochbegabung endlich entdeckt wird, jedoch können bis zur Entdeckung der besonderen Begabung jedoch einige Jahrzehnte vergehen.

Rund 10 % der Bevölkerung wird zur Gruppe der höher begabten Menschen gezählt (ab einem IQ-Wert von 120). Von diesen wissen etliche jedoch über mehrere Jahrzehnte hinweg nichts von ihrem IQ. Nicht zuletzt liegt dies in der Tatsache begründet, dass es mehrere Formen der Hochbegabung gibt. Das heißt, dass sich hohe Intelligenz nicht immer durch das Lösen komplexer Logik- und Rechenaufgaben bemerkbar macht. Es wurden bisher jedoch schon so viele unterschiedliche Intelligenzformen identifiziert, dass nicht einmal über diesen Begriff Einigkeit besteht.

Während in der westlichen Kultur vor allem die sprachliche und mathematische Intelligenz hoch geschätzt werden, legt die Bevölkerung fernöstlicher Staaten auch auf Begabungen in anderen Bereichen viel Wert. In Bali und Japan sind beispielsweise vor allem Personen mit hoher künstlerischer und sozialer Intelligenz hoch angesehen. Letzteres erweist sich nämlich in erster Linie bei geschäftlichen Verhandlungen, wo für alle Beteiligten eine friedliche und befriedigende Lösung gefunden werden soll, als Vorteil.

Leider ist ein hoher Intelligenzquotient nicht immer mit Erfolg im Berufs- und Privatleben gleichzusetzen.

Dies gilt insbesondere dann, wenn eine bestimmte Begabung im Kindesalter nicht entdeckt und entsprechend gefördert wird. Viele Schüler machen sich dann durch Verhaltensauffälligkeiten oder sogar nachlassende Leistung bemerkbar. Da etliche Pädagogen noch immer dem Klischee glauben, dass Hochbegabte zu den Besten in der Klasse gehören, werden für schlechte Noten zumeist andere Ursachen verantwortlich gemacht. Hinzu kommt, dass im regulären Schulsystem nur wenig Zeit für die individuelle Förderung von Schülern bleibt. Aus diesem Grund bleiben Hochbegabte, deren Talent sich durch untypische Symptome äußert, oftmals auf der Strecke. Im schlimmsten Fall sind zudem sowohl Lehrer als auch Eltern mit dem Kind überfordert, so dass dieses in seiner Entwicklung sich selbst überlassen bleibt. Heutzutage sind sogar einige Fälle von Hochbegabten, die auf einer Sonderschule unterrichtet wurden, bekannt.

Wie macht sich Hochbegabung im Erwachsenenalter bemerkbar?

In vielen Fällen wird ein erhöhter IQ bei volljährigen Personen lediglich durch Zufall erkannt. Dies liegt darin begründet, dass sich Hochbegabung eher durch uneindeutige Anzeichen äußert. Hier findest du eine Merkmalliste zur Hochbegabung. Oftmals geht diese auch mit Hochsensibilität einher. Nicht selten ertragen Leute mit besonderer Begabung laute Musik, intensive Gerüche oder starke Beleuchtung nur für begrenzte Zeit.

Aus diesem Grund werden diese Personen von ihrer Umwelt des Öfteren als schwierig wahrgenommen – hierzu tragen ebenso ungewöhnliche Gedankengänge, die nicht jeder nachvollziehen kann, bei. Schuld an diesen Eigenschaften ist ein feines Nervensystem, mit dem Hochsensible ihre Umwelt intensiver wahrnehmen und deshalb so manches Mal auf Unverständnis stoßen.

Um eine soziale Ausgrenzung zu vermeiden, neigen einige Hochbegabte daher zu übermäßiger Anpassung. Im ungünstigsten Falle führt die Angst vor Ablehnung sogar zu sozialer Isolation. Letzteres konnte insbesondere bei Frauen beobachtet werden. Diese neigen bereits im Kindesalter zu erhöhter Anpassung und versuchen, mit ihrer Begabung nicht aufzufallen. Weibliche Personen schummeln in Schule und Universität zusätzlich beabsichtigte Fehler in ihre Tests hinein, um sich nicht allzu sehr von ihren Kollegen abzuheben.

Diagnose „Hochbegabung“ als Erleichterung

Auf Grund der beschriebenen Aspekte stellt die Diagnose „Hochbegabung“ vor allem im Erwachsenenalter für viele Menschen eine Erleichterung dar. Zahlreiche Betroffene können dann negative Erlebnisse der frühen Jahrzehnte in den richtigen Kontext setzen. Durch diese Erkenntnis wird aber nicht nur die Sicht auf die Vergangenheit beeinflusst. Etliche Menschen finden mit dem Wissen um ihren hohen IQ einen neuen Sinn im Leben und können so auch in fortgeschrittenem Alter ihre Berufung finden.

Hochbegabte Erwachsene: Wie lassen sie sich fördern?

Selbst wenn gewisse Menschen ihr besonderes Potenzial in jüngeren Jahren nicht genutzt haben, können diese nach einer entsprechenden Diagnose ihre Begabung fördern. Idealerweise wird dafür gesorgt, dass die betreffende Person ausgelastet ist und Tätigkeiten nachgeht, welche ihren Interessen entspricht. Als Beispiel ist hierbei das Beginnen eines Studiums erwähnt – dies kann im Übrigen auch problemlos im fortgeschrittenen Alter erfolgen. Für einige Personen ist auch ein Berufswechsel ratsam.

Das gilt vor allem dann, wenn du deinen jetzigen Job als langweilig oder unbefriedigend erlebst. In diesem Kontext kann eine Berufsberatung, welche deine spezielle Begabung berücksichtigt, eine große Hilfe darstellen. Idealerweise begibst du dich dabei zu einem Institut, das sich auf Beratung von Hochbegabten spezialisiert hat. Jene Tatsache erweist sich unter anderem für hochsensible Personen als Vorteil. Diese können nämlich an ein Berufsfeld vermittelt werden, wo der Arbeitgeber auf deine Bedürfnisse Rücksicht nehmen kann.

An wen können sich hochbegabte Erwachsene wenden?

Nicht jeder, der sich als Außenseiter fühlt, braucht sofort den Gang zum Psychologen, um dort seine Intelligenz messen zu lassen. Wenn du selbst im Verdacht hast, dass du zur Gruppe der Hochbegabten gehören könntest, hast du die Möglichkeit, dich im Internet mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Der virtuelle Weg hat den Vorteil, dass du dich in angenehmer Atmosphäre, anonym und unverbindlich in die Thematik einlesen kannst.

Sig

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