Hochsensibilität ist nach meiner Definition eine besonders ausgeprägte Begabung zu feiner, intensiver und empfindlicher Wahrnehmung mit allen fünf körperlichen Sinnen

Elaine Aron hat in einem Buch dazu Zahlen publiziert (15-20%), die seit dem ungeprüft von einem Autor nach dem anderen immer weiter verbreitet werden. Diese Zahlen decken sich jedoch nicht mit meiner Erfahrung. Hochsensibilität wäre somit ja ein Massenphänomen und das ist sicher nicht der Fall.

Belegbare Zahlen existieren aber leider nicht. Ich schätze, – rein nach Erfahrungswerten – dass maximal 5-10% aller Menschen hochsensibel und hochsensitiv sind. Es sind also wirklich außergewöhnliche Menschen.

Hochsensible Menschen leiden oft unter Reizüberflutung durch die vielfältigen Eindrücke, denen sie mit ihren zarten Sinnen ausgesetzt sind.

Menschen mit hoher Wahrnehmungsfähigkeit haben aufgrund einer physiologischen Disposition ihres Nervensystems eine erhöhte Empfänglichkeit für Reize – und zwar sowohl für äußere Reize wie Geräusche oder Gerüche (was ich als Hochsensibilität begreife) als auch für innere wie z.B. Stimmungen, Gefühle anderer, Erinnerungen und Ahnungen (worunter ich Hochsensitivität verstehe).

Die möglichen Erscheinungsformen von Hochsensibilität sind weit gefächert

Jeder Sinneseindruck kann stärker und damit detaillierter wahrgenommen werden. Diese intensive Wahrnehmung führt dazu, dass hochsensible Menschen mehr Informationen aufnehmen können als ihre nicht hochsensiblen Mitmenschen, so dass sie Dinge registrieren können, die anderen entgehen.

So dünnhäutige Menschen verfügen zwar oft über ein reiches inneres Potenzial, können dieses aber nicht voll in ihr Leben integrieren, weil sie ständig damit beschäftigt sind, sich vor Reizen zu schützen und sich anzupassen. Das führt dann oft dazu, dass der hochsensible Mensch sich zurück zieht, emotional instabil wird, sich überfordert fühlt oder unter starken Stressymptomen leidet. Manche Hochsensible haben eine große Affinität zur Spiritualität.

Viele – aber nicht alle – hochbegabten Menschen, sind gleichzeitig auch hochsensibel. Zu ihrer intellektuellen Begabung kommt die hohe Sensibilität hinzu. Hochsensibilität ist für mich eine besondere Form der Hochbegabung, eine Form der multiplen Intelligenz.

Hochsensibilität ist keine Krankheit. Sie ist eine Gabe, wenn es gelingt, diese besondere Wahrnehmungsfähigkeit gesund und förderlich ins eigene Leben zu integrieren und die Umwelt daran teilhaben zu lassen.

Was tun?

  • Zunächst einmal geht es um Akzeptanz: „Ich bin ok, wie ich bin!“
  • Dann endet der Anpassungsdruck: „Ich will nicht sein wie ihr“. „
  • Andere verlieren ihren Einfluss: „Ich muss mich nicht vergleichen“.
  • Gesunden Umgang mit Gefühlen lernen: „Was fühle ich wirklich?“
  • Sich lieben lernen: „Es ist eine Gabe empfindsam zu sein“.
  • Es ist gut sich zu schützen: „Ich lasse nicht alles an mich ran.“

Die meisten Menschen, selbst „Experten“, unterscheiden nicht zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität.

Das mag daher kommen, dass Elaine Aron, die in den 90er-Jahren in Amerika den Begriff Hochsensibilität erstmals beschrieben hat, die Bezeichnung „Highly Sensitive Person“ verwendet hat. Die deutschen Übersetzungen ihrer Bücher verwenden meist den Begriff Hochsensibilität ohne eine weitere Differenzierung. Andere Experten verwenden den Begriff Hochsensitivität und meinen damit ebenfalls Hochsensibilität. Also auch hier gibt es keine einheitliche Definition, genau wie bei Hochbegabung. Ich sehe das anders. Siehe auch Hochsensitivität.

Mehr dazu findest du hier.

TEST: Bist du hochsensibel?

Um konkrete Anhaltspunkte für Hochsensibilität zu erhalten, haben wir eine Merkmalliste zum Selbsttest für Hochsensibilität zusammengestellt. Beantworte die Fragen möglichst spontan.  Antworte mit “ja”, wenn die Aussage zumindest teilweise auf dich zutrifft, und mit “nein”, wenn die Aussage kaum oder gar nicht auf dich zutrifft. Bei Unsicherheit frage jemanden, der dich sehr gut kennt, am besten aus der Familie oder einen Partner.

  1. Ich fühle mich leicht überwältigt durch starke Sinneseindrücke
  2. Ich reagiere eher empfindlich auf körperlichen Schmerz
  3. Ich habe an geschäftigen Tagen das Bedürfnis, mich zurückzuziehen
  4. Auf Koffein, Teein und Medikamente reagiere ich heftiger als andere Menschen
  5. Meine Augen reagieren sehr empfindlich auf grelles Licht oder Helligkeitsunterschiede
  6. Raue, kratzige und „künstliche“ Textilien auf meiner Haut versuche ich zu meiden
  7. Ich leide stark unter engen Kleidungsstücken und körperlicher Einengung
  8. Ich bin geruchs- und geschmacksempfindlich – diese Sinne korrespondieren
  9. Heiß-Kalt Unterschiede bei Speisen und Getränken schmerzen leicht im Mund und an den Zähnen
  10. Süße, Schärfe, Bitterkeit oder Säure bei Speisen können mir schnell zu viel sein
  11. Manche Speisen kann ich wegen ihrer Konsistenz im Mund nicht ertragen
  12. Künstliche Nahrungsmittelzusatzstoffe oder chemische Substanzen tun mir nicht gut
  13. Laute und plötzliche Geräusche bereiten mir körperliches Unbehagen
  14. Kunstvolle Musik bewegt mich tief
  15. Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen meide ich
  16. Ich fühle mich unangenehm erregt, wenn sich um mich herum viel abspielt
  17. Hungergefühle stören meine Konzentration und beeinträchtigen meine Stimmung
  18. Ich bemerke und genieße feine Düfte, Geschmäcker, Klänge oder Kunstwerke
  19. Laute Geräusche, chaotische Szenen und ähnliche starke Reize stören mich
  20. Ich fühle, wenn Nahrungsmittel oder andere Substanzen mir schaden
  21. Ich neige zu allergischen Reaktionen
  22. Ich wurde schon öfters für einen Hypochonder gehalten
  23. Ich erlebe oft Unverständnis bei Ärzten, die meine Beschweren nicht erklären können
  24. Die Bewegungen und Funktionen meines Körpers nehme ich ständig wahr
  25. Ich brauche viel Zeit für mich allein, um mich von Sinneseindrücken zu erholen
  26. Wenn ein Mensch oder Tier leidet, kann ich das körperlich kaum ertragen

(© Anne Heintze, OpenMind Akademie, www.open-mind-akademie.de )

Wenn du bei 13 Aussagen oder mehr „JA“ sagen konntest, ist es sehr wahrscheinlich, dass du hochsensibel bist. Wenn du weniger Fragen mit „ja“ beantworten konntest, dies aber als ein sehr lautes JA erklingt, also ganz besonders zutreffend sind, dann bist du auch sehr wahrscheinlich hochsensibel. Wenn du aber akut in einer außerordentlichen Belastungssituation bist, kannst du unter Umständen auch wie ein Hochsensibler reagieren, bei Entspannung der Situation aber wieder normal sensibel sein. frage dich dann, wie es es früher meistens gewesen und gehe die Aussagen  erneut durch. Wenn du unsicher bist, frage Menschen, die dich gut kennen nach ihrer Einschätzung.

Es ist vollkommen egal, ob du eine Schublade findest, in die du dich stecken lassen möchtest. Es ist vollkommen egal, ob du eine Testung, einen Wert, einen Begriff, eine Zahl hast, die dir irgendwann einmal mitgeteilt wurde. Das einzige was wichtig ist, ist das du das Gefühl von Zugehörigkeit hast. Dass du dich verstanden fühlst, angenommen fühlst, „wahr“-genommen fühlst, das Empfinden hast, „Ja, das passt zu mir“. Dann bist du ein buntes Zebra.

Mehr zu dieser Thematik in meinem Buch „Außergewöhnlich normal – Hochbegabt, hochsensitiv, hochsensibel: Wie Sie Ihr Potential erkennen und entfalten“.

Viele Menschen tauschen sich in unser Gruppe bei Facebook und Xing über dieses Thema aus.
OpenMind People bei Facebook und auch Sensibel-begabt bei Xing.

Sig

 

 

 

 

 

Hochsensibel Seiten 2