Kennst du das Gefühl ständig einsam zu sein, auch wenn du in bester Gesellschaft bist? Bist du oft traurig ohne erkennbaren Grund? Fühlst du dich stets schuldig? Möglicherweise gehörst auch du zu den Menschen, die im Mutterleib einen Zwilling verloren haben. Denn annähernd 40 Prozent aller Zwillingsschwangerschaften enden für eines der Kinder noch vor der Geburt im Mutterleib: Sie sind alleingeborene Zwillinge.

Lies dazu auch den 1. Teil der Artikelserie (Grundlagen) und den 3. Teil (Heilung) 

Für den überlebenden Zwilling ist dies ein traumatisierendes Ereignis dessen Symptome sich durch sein ganzes Leben ziehen können. Der frühe Verlust eines Zwillings geschieht oft für die Mutter unbemerkt. Doch die starke Verbindung zwischen den Zwillingen bleibt bestehen und ist beim überlebenden Kind auf der Zellebene gespeichert.

Es hatte sich bereits physisch und psychisch an den Zwilling, seine erste nahe Bezugsperson neben der Mutter, gewöhnt. Diese Verbundenheit ist daher ganz tief im Inneren gespeichert und zeigt sich bei den Betroffenen in vielschichtigen Symptomen.

Typen von alleingeborenen Zwillingen: Schmelzzwillinge und Fluchtzwillinge

Schmelzzwillinge

sind sehr besitzergreifend und klammern sich oft extrem an Freunde (Partner), die den verlorenen Zwilling ersetzen sollen. Diese wenden sich daraufhin oft ab, weil sie sich eingeengt fühlen. Freund- und Partnerschaften mit anderen Schmelzzwillingen werden oft als am ehesten erfüllend beschrieben, da diese den Betroffenen annähernd die innige Liebe und Nähe geben können, die sie so dringend benötigen.

Fluchtzwillinge

hingegen sind der Meinung, sich nie mehr auf einen Partner einlassen zu können. Sie können und wollen ihr Herz nicht mehr weit öffnen und keine zu tiefen Gefühle entstehen lassen. Dies geschieht aus der Angst, schon wieder einen geliebten, nahestehenden Menschen verlieren zu können. Diese Menschen ziehen sich in sich zurück und leiden stark unter ihrer Einsamkeit.

Mögliche psychische Auswirkungen von alleingeborenen Zwillingen

  • Manchmal berichten die hinterbliebenen Zwillinge von Depressionen, sowie tiefen, unerklärlichen Sehnsüchten und Schuldgefühlen. Schuldgefühle vermutlich daher, weil der überlebende Zwilling dem anderen nicht helfen konnte. Auch, weil er dessen Platz eingenommen hat, bzw. mehr Glück hatte als der andere.
  • Unerklärliche Freude oder Traurigkeit, Einsamkeit und daraus resultierende Kraftlosigkeit bestimmen oft das Leben der Alleingeborenen.
  • Häufig fühlen sie sich allein, nicht verstanden, ausgeschlossen und nicht dazugehörig. Sie sind immer auf der Suche nach dem „richtigen“ Partner, Freund, etc., werden ihn aber niemals finden, da sie unbewusst immer den verlorenen Zwilling suchen. Kein Partner wird jedoch jemals diese innige Liebe geben können, die der überlebende Zwilling sucht.
  • Alleingeborene neigen etwa auch zu Eifersucht, aus Angst, den Partner oder Freunde genau wie den Zwilling zu verlieren.
  • Oft fehlt es auch an Durchsetzungsfähigkeit und es gibt Probleme „Nein“ zu sagen, etwas zu fordern oder um Hilfe zu bitten.
  • Der Drang, ständig andere Menschen retten zu wollen kann genauso eine Auswirkung dieses frühzeitig durchgemachten Schicksalsschlages sein.
  • Vor allem Ängste spiegeln sich häufig bei den Betroffenen wider. Beispielsweise Angst, verfolgt zu werden. Trennungsangst und auch die Angst, eine Beziehung einzugehen kommen vor.
  • Die Angst vor Berührungen kommt vermutlich daher, dass das lebende Kind versucht hat den toten Zwilling im Mutterleib nicht zu berühren.
  • Ebenso kann es aber sein, dass der Alleingeborene einen unstillbaren Hunger nach Berührungen und Nähe hat („Hauthunger“).
  • Auch Hochsensibilität ist ein häufiges Symptom dieser Menschen.

Mögliche körperliche Auswirkungen von alleingeborenen Zwillingen

  • Probleme, die der frühe Verlust des Zwillings mit sich bringt, sind häufig auch körperlicher Art.
  • Betroffene haben oftmals eine geschwächte Abwehr und leiden unter Allergien oder Haarausfall.
  • Krankheitsanzeichen zeigen häufig auch die Augen (Kurzsichtigkeit), die Ohren (Hörprobleme), der Darm (Verdauungsprobleme, Reizdarm, Koliken, Krämpfe), die Muskeln (Verspannungen) und die Haut (Trockenheit, Neurodermitis, Nesselsucht).
  • Veränderungen an der Wirbelsäule, insbesondere eine Skoliose, werden öfter beobachtet. Dies kommt vermutlich zustande, wenn sich der Überlebende ständig von dem toten Zwilling wegdrehen will.
  • Betroffene Menschen bleiben sehr oft kinderlos oder erleiden häufig Fehlgeburten. Sie können ihre Kinder, wie ihren Zwilling, nicht bei sich behalten.
  • Reduzierte körperliche Funktionen, sowie Glieder-, Bauch-, und Nackenschmerzen konnten außerdem beobachtet werden.
  • Weitere immer wieder vorkommende Symptome sind Gallensteine, Zumore oder Sehnenscheidenentzündung.
  • Manchmal wächst der verstorbene Zwilling in den überlebenden ein. Diese Einlagerungen können sich nach vielen Jahren entzünden und sind als Geschwüre oder Zysten erkennbar. Dort können auch Spuren von Haaren, Zähnen oder Fingernägeln gefunden werden (Teratome). Auch in Eierstöcken oder Hoden können solche Gewebespuren nachgewiesen werden (Dermoide).

Mögliche Verhaltensauffälligkeiten von alleingeborenen Zwillingen

  • Der Ekel vor Menschen in ihrer Nähe oder bestimmten Körperteilen kann auf den im Mutterleib verstorbenen Zwilling zurückzuführen sein, mit dem der Überlebende auf engem Raum zusammen „eingesperrt“ war.
  • Daher kann auch die Angst vor engen Räumen, Tunneln oder Aufzügen kommen.
  • Alleingeborene Zwillinge neigen oft zu Niederlagen im Beruf und heftigen Fehlschlägen. Sie befürchten, es allein nicht zu schaffen und fühlen sich vom Pech verfolgt.
  • Ein verlorener Zwilling kann auch der Grund für ein Schreibaby sein, welches dieses traumatische Erlebnis und die tiefe Sehnsucht zu verarbeiten versucht.
  • Betroffene sind ständig auf der Suche, wissen aber nicht wonach oder wen sie eigentlich suchen. Sie warten, ohne zu wissen worauf. Sie fühlen sich nie angekommen und sind innerlich unruhig.
  • Viele Betroffene haben Suizidgedanken oder Todessehnsucht, weil sie ihrem vermissten Zwilling nah sein wollen. Oft führen sie aus diesen Gründen auch ein risikoreiches Leben.
  • Perfektionismus und Selbstkritik zeigen sich bei den Alleingelassenen sehr oft. Sie sind nie mit dem zufrieden was sie erreichen.
  • Beziehungsprobleme aufgrund der Nähe-, bzw. Distanzprobleme sind keine Seltenheit.
  • Alleingeborene wollen oft nichts fühlen, viele haben keinen Kinderwunsch und es gibt häufige Partnerwechsel.
  • Ständig kommt das Gefühl auf „Ich bin falsch“ oder aber „niemand ist richtig“.
  • Als Ersatz für den Zwilling ist oft auch ein Kuscheltier von großer Bedeutung.
  • Auch Tiere ersetzen oftmals den verlorenen Zwilling.
  • Einige Betroffene neigen zu Doppelungen. Sie kochen beispielsweise doppelt so viel oder Arbeiten für Zwei.
  • Ist das eigene Kind krank, so kommen nicht selten Erinnerungen an den Zwilling hoch, dem man als Embryo nicht helfen konnte.
  • Manche Alleingeborene neigen dazu, viel zu reisen, um den Zwilling in der Welt zu suchen.

Menschen mit einem verlorenen Zwilling weisen auch jede Menge positive Eigenschaften auf, die durch die frühe Prägung auf den Zwilling zurückzuführen sind. So sind diese Menschen ganz besonders aufmerksam, liebevoll und leidenschaftlich. Sie sind außergewöhnlich (hoch-) sensibel und sehr empathisch. Zudem sind sie auffallend kreativ. Durch ihren hohen Anspruch an sich selbst, können sie beruflich beachtliche Leistungen erbringen.

Das Trauma des verlorenen Zwillings heilen

Erkennst du dich in den genannten Symptomen wieder?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese besonders frühen, schmerzlichen Erfahrungen zu verarbeiten. Möglich sind beispielsweise Hypnoseverfahren oder Heilungsarbeit im körperwarmen Wasser, welche die Gebärmutter nachstellt.

Wichtig dabei ist zunächst die Erkenntnis, dass du überhaupt einen verlorenen Zwilling hast. Damit du dich wieder vollständig fühlen kannst, muss eine Verbindung zu deinem Zwilling hergestellt werden.

Nun erfährst du, wie du Zugang zu deinem inneren Kind bekommst und dieses mit deinem „Erwachsenen-Ich“ in Verbindung bringst.

Anschließend lernst du mit Reizüberflutungen umzugehen und wie du dich wieder ganz natürlich abgrenzen kannst.

Im letzten Schritt werden entspanntere Beziehungen zu allen wichtigen Personen deines Lebens entwickelt. Du wirst sie neu kennenlernen und sie aus der Rolle des Ersatzzwillings entbinden.

LOVE,
Anne