… dennoch streben wir danach, nur einen Pol – das Gute – erleben zu wollen. Wir erwarten und hoffen, dass der andere Pol – das Ungute – an uns vorbeigeht. Also mal ehrlich: Kann das sein? Wissen wir nicht alle, dass zum Licht auch der Schatten gehört, ebenso wie zur Ebbe die Flut und zur Nacht der Tag? Im Sinne des Polaritätsgesetzes ist es also völlig falsch, immer nur das Gute nach dem Motto zu forcieren: „Lebe Licht und Liebe“ und es führt zu vielen Blockaden, die wir nur dann aufheben können, wenn wir den Mut haben, seinen Inhalt und damit beide Pole zu begreifen.

Erster Schritt: Polarität verstehen

Du kennst Nord- und Südpol und weißt, dass zwischen einem Plus- und Minuspol elektrische Spannung entsteht. Um das Polaritätsgesetz zu verstehen, musst du aber zunächst begreifen, dass die Welt eine Einheit ist, die aus Gegensätzen besteht. Ohne sie wäre nichts existent oder für uns vorstellbar.

Du wüsstest nicht, was hell wäre, wenn es kein dunkel gäbe, ohne Trauer könntest du keine Freude empfinden, ohne Liebe keinen Hass. Dass die Welt aus Gegensätzen besteht, ist uraltes Menschenwissen, denn es findet sich schon in uralten Symbolen in allen Kulturen wieder.

Das Kreuz sei hier genannt, das in der Linie nach oben das Aktive, in der Linie zur Seite das Passive symbolisiert. Im Hinduismus symbolisieren Radha und Krishna den Gegensatz aus weiß und schwarz. Yin und Yang symbolisieren das männliche und weibliche Prinzip als polare Kräfte, die sich als Einheit ewig auseinander speisen. All diese Zeichen stellen nicht nur die Existenz zweier Pole, sondern immer auch ihre Vereinigung zu einem Ganzen dar.

Zweiter Schritt: Polarität deuten

Um den Inhalt des Polaritätsgesetzes zu begreifen, musst du die Bedeutung dieses Satzes aufnehmen: Das Eine kann ohne das Andere nicht sein. Das klingt sehr einfach, kann deine Gefühlswelt bei ungenauem Verständnis aber sehr ins Wanken bringen. Angenommen, du nimmst diesen Satz nicht bewusst an, dann sind Streitereien im harmonischen Familienleben stets eine Überraschung für dich. Angenommen, du verdrängst die Bedeutung dieses Satzes, dann leidest du unter Streitereien.

Hast du hingegen Verständnis für die Existenz der Polarität, dann streitest du gelassener. Akzeptierst du die Polarität, dann schließt du Frieden und lebst im Einklang, weil du Harmonie und Streit als notwendige Gegensätze einer größeren Einheit annehmen kannst.

Die umfassende Akzeptanz des Polaritätsgesetzes ist eine Erweiterung deines Bewusstseins, die du aktiv erarbeiten kannst, denn die menschliche Wahrnehmung funktioniert ausschließlich in Polaritäten. Sie kann entweder Licht oder Schatten erkennen, so wie du die Worte dieses Textes einzeln erfassen müsstest, obwohl sie doch als Einheit vor dir stehen.

Dritter Schritt: Polarität leben

Gegensätze zuzulassen und schließlich gutzuheißen, ist eine große Lebensaufgabe. Akzeptierst du sie, dann kannst du aber die Existenz von Gegensätzen viel leichter annehmen und du erlebst Zeit, Entwicklung und Liebe ganz anders, – neuer, freier. Es ist ein Lernprozess. Denn weil unser gepoltes Bewusstsein nur einen Teil nach dem anderen wahrnehmen kann, brauchst du Zeit, um sowohl Glück, als auch Unglück zu erleben und als Teil eines Ganzen zu akzeptieren.

Du müsstest für Unglück keine Gründe im Außen mehr finden, sondern könntest es im Innen, als Teil deines Lebens ,erkennen und so echte Entwicklung durchleben. Nicht zuletzt wirst du allumfassende Liebe empfinden können, denn sie ist die höchste und schönste Vereinigung von Gegensätzen und prüft dein Verständnis der großen Ganzen beinahe täglich.

Sig