Ganz gleich ob hochsensibel oder nicht, wenn sich deine Schulzeit dem Ende entgegen neigt und du die Phase des rein schulischen Lernens nicht noch durch ein Studium um ein paar Jahre verlängern möchtest, wird es an der Zeit, dich mit dem Thema Ausbildung zu befassen.

Das ist vor allem deshalb ein kniffliges Thema, weil für viele Hochbegabte das ganze Berufsleben eine besonders große Herausforderung darstellt. Und nicht wenige absolvieren deshalb viele Stationen, bis sie einen Job gefunden haben, der wirklich zu ihren besonderen Stärken und Schwächen passt.

Auch der folgende Ratgeber wird leider nicht zwingend vermeiden können, dass du nicht ebenfalls mehrere Dinge ausprobieren musst. Aber er kann dir dabei helfen, die richtige Ausbildungsrichtung zu finden und zeigt dir daher vier Jobs, in denen deine Stärken besonders gut zum Tragen kommen können.

Setze deine Stärken voll ein in der Ausbildung

Wir „alten Hasen“, die wir schon seit Jahrzehnten mit unserem hochsensiblen Ich leben, wissen, wo unsere Stärken liegen – einmal jene ausgeklammert, die beispielsweise erst im Erwachsenenalter als hochbegabt diagnostiziert werden. Für dich als junger Mensch im Teenageralter und somit der Pubertät ist es hingegen gleich zweifach schwierig:

  • Du befindest dich so oder so in einer Lebensphase, die von gewaltigen körperlichen und vor allem seelisch-charakterlichen Umbrüchen gekennzeichnet ist. Das geht jedem jungen Menschen so.
  • Du hast vielleicht selbst erst vor wenigen Jahren von deiner Begabung erfahren und bist längst noch kein Routinier darin, sie richtig zu nutzen.

Fassen wir deshalb erst mal kurz zusammen, was dich für einen Beruf generell auszeichnet (all diese Faktoren sind natürlich bei jeder HSP stärker oder schwächer ausgeprägt):

  1. Du verfügst über eine Intuition, die weit über der von „Normalverbrauchern“ liegt.
  2. Du hast einen starken Wissensdurst und hohe Leistungsbereitschaft.
  3. Deine Fähigkeit, sowohl das große Ganze wie kleinste Details gleichsam zu sehen, verstehen und zu beachten, ist hoch.
  4. Du bist empathisch, kannst dich gut in andere Menschen hineinversetzen.
  5. Deine hohe Kreativität verbindet sich mit viel Begeisterungsfähigkeit.

Dabei kommt es dir zupass, dass vor allem Entscheider immer häufiger erkennen, dass ein Hochsensibler für ihr Unternehmen keine Bürde ist, sondern, richtig eingesetzt, das genaue Gegenteil.

Doch bei welchen Ausbildungen könntest du mit deinen Fähigkeiten hineinschnuppern?

  1. Grafikdesigner

Generell wirst du als Hochsensibler in vielen Berufen Freude empfinden, in denen deine Kreativität sich voll entfalten kann. Und sicherlich gehört Grafikdesign zu denjenigen Kreativberufen, die es dir am besten ermöglichen, Freiheit mit geregeltem Einkommen zu verbinden – was beispielsweise bei reiner Kunst nur sehr schwer zu erreichen ist.

Doch was genau macht ein Grafikdesigner? Nun, er entwirft und gestaltet grafische Medienprodukte. Grafikdesigner finden sich etwa in Zeitschriftenverlagen, wo sie aus den von Textern und Fotografen angelieferten Materialien am Computer ein großes, attraktives Ganzes machen.

Ebenso werden ihre Fähigkeiten auch in der Werbebranche benötigt, in Modelagenturen und natürlich auch in zahllosen Firmen der Internetwelt, etwa für das optisch ansprechende Gestalten von Websites.

Allerdings handelt es sich beim Grafikdesign nicht um eine klassische zweigliedrige Ausbildung mit Berufsschule und Praxis. Viel mehr findet sie innerhalb von drei Jahren komplett an Berufsfachschulen statt – wobei du nach dem Abschluss vollwertiger Grafikdesigner bist.

Worauf du achten solltest: Die allermeisten Grafikdesigner haben selbst in Firmen mit steilen Hierarchien weitaus mehr Freiheiten als ihre Kollegen. Allerdings muss dir bewusst sein, dass in dem Beruf recht strenge Deadlines (besonders im Zeitschriftenbereich) unvermeidlich sind.

  1. Augenoptiker

Viele Hochsensible hegen den Wunsch, dass ihr Beruf „bedeutungsvoll“ sein soll. Dass sie damit etwas tun, das einen wirklichen Nutzen hat und beispielsweise nicht bloß die Welt um etwas bereichert, das niemand wirklich braucht.

Wenn auch du so denkst und gleichsam noch den echten Wunsch verspürst, Menschen zu helfen, könnte der Beruf des Augenoptikers etwas für dich sein. Eigentlich ist dabei „der“ Beruf, also Singular, noch nicht mal treffend. Denn tatsächlich handelt es sich um drei Karrierefelder in einem.

  1. Augenoptiker müssen sowohl Stilberater sein, die sich mit Trends auseinandersetzen und ehrlich andere Menschen beraten müssen – perfekt für deine hohe Empathie.
  2. Ebenso müssen Optiker aber auch Handwerker sein, denn jede Brille ist ein einzigartiges Stück, das auf den Kunden und seine Bedürfnisse zurechtgeschnitten werden muss.
  3. Last but not least erfordert der Beruf auch, dass du dich umfassend in den medizinisch-optischen Bereich sowie das Kaufmännische einarbeitest. Und da kommen dir Wissensdurst und Leistungsbereitschaft zupass.

Ausgebildet wird dieser duale Beruf innerhalb von Jahren in Betrieben und Berufsschulen.

Worauf du achten solltest: Es ist auf jeden Fall erforderlich, dass du auch mit „weniger umgänglichen“ Kunden interagieren kannst. Zudem bedeutet dieser Beruf in vielen Fällen Einzelhandels-Arbeitszeiten, das heißt, mitunter auch am Samstag.

  1. Kfz-Mechatroniker spezialisiert auf Elektrik/Elektronik

Schau dir auf der Straße mal ein beliebiges modernes Auto an. Hättest du gedacht, dass darin im Schnitt weit über ein Kilometer Kabel und teils hunderte Steuergeräte stecken? Und wenn es etwas gibt, das an unseren automobilen Wunderwerken besonders häufig kaputt geht, dann ist es just diese Elektronik.

Doch hier gibt es ein Problem (das für dich aber sehr lohnenswert sein kann): Bis 2003 existierte in Deutschland noch eine getrennte Ausbildung zwischen Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker. Danach wurde beides zusammengelegt – in den Augen mancher nicht gerade zum Vorteil beider Berufsbilder, weil nun das, was früher getrennt war, in praktisch halber Zeit vermittelt werden muss.

Und gerade, weil es heute immer weniger „echte“ Kfz-Elektriker gibt, aber die Menge an Elektronik immer weiter zunimmt, kann es für dich von großem Vorteil sein, dich zum Kfz-Mechatroniker ausbilden zu lassen. Allerdings:

  1. In einem Betrieb, der sich vornehmlich auf Elektronik spezialisiert oder eine Fachabteilung dafür hat, etwa einem Bosch-Dienst oder einem sehr großen Autohaus.
  2. Mit dem Ausbildungsschwerpunkt „System- und Hochvolttechnik“. Der macht dich nämlich besonders fit für Elektronik und Elektrofahrzeuge.

Denn das Finden von Elektronikfehlern ist oft eine oft enorm langwierige Suchaufgabe. Da werden dir deine Intuition und vor allem die Fähigkeit, dich richtiggehend in Probleme „hinein zu wuseln“ von unschätzbarer Hilfe sein – gleichzeitig herrscht hier viel geringerer Termindruck als in anderen Kfz-Sparten, da diese zeitlich besser planbar sind.

Worauf du achten solltest: Vermeide kleine Autohäuser sowie kleine freie Werkstätten. Dort muss meist jeder Angestellte alles beherrschen und dein Talent wird so wahrscheinlich nicht richtig genutzt/geschult. Als richtig eingesetzter Spezialist wirst du zudem auch meist besser bezahlt.

  1. Forstwirt

Es gibt viele Hypersensible, die leiden vor allem deshalb unter der „normalen“ Berufswelt, weil sie ihnen viel zu hektisch und zu laut ist. Hier Termindruck, da die Kollegen und über allem ein geradezu ohrenbetäubendes Hintergrundrauschen in Form von Tastaturgeklapper und Telefonklingeln.

Geht es dir auch so? Stört dich vielleicht schon der Sound des normalen Schulunterrichts über alle Maße? Dann wäre es wahrscheinlich falsch, wenn du dich in der großen Riege von Indoor-Berufen umschaust, ganz gleich, wie viel Freiheiten du dort auch hättest.

Das führt uns nach draußen – und zwar richtig weit raus, in die Wälder unseres Landes. Dort arbeiten die Forstwirte. Und auch sie haben einen sehr vielgliedrigen Job, der sich um drei konkrete Ziele dreht:

  1. Nutzung des Waldes und besonders seines Holzes als wertvolles wirtschaftliches Gut.
  2. Bewahrung und Reparatur von Flora und Fauna.
  3. Erhaltung des „Erholungsraumes Wald“ unter menschlich-touristischen Gesichtspunkten.

Zugegeben, der moderne Forstwirt hat nichts mehr mit dem romantisierten Bild des Försters zu tun, das du vielleicht aus alten Heimatfilmen kennst. Er spaziert nicht mehr mit Lodenmantel, Flinte, Fernglas und Dackel durch den Wald, um Rehe zu bejagen, die Bäume anknabbern. Der heutige Forstwirt trägt wetterfeste Signalkleidung und verbringt auch manche Stunde am PC mit kaufmännischer Arbeit.

Aber eine zentrale Tatsache stimmt nach wie vor: Forstwirte sind überwiegend bei Wind und Wetter draußen. Sie sorgen dafür, dass der Wald einerseits wirtschaftlich genutzt wird, andererseits aber für die Natur und den Menschen erhalten bleibt.

Und das ist nicht nur ein enorm vielfältiger Job, bei dem du mit der Kettensäge ebenso umgehen musst wie mit dem Fernglas zur Vogelzählung. Es ist auch einer, der wirklich bedeutungsvoll ist – bei dem du aber bei vielen Aufgaben, spätestens nach der Ausbildung, nur mit dir und den Tieren des Waldes alleine bist.

Dabei dauert die Ausbildung drei Jahre und findet ebenfalls dual statt. Als Arbeitgeber kommen sowohl freiwirtschaftliche Forstbetriebe infrage wie die staatlichen Forstbetriebe von Bund, Ländern und Kommunen. Wenn Du einen kleinen Einblick bekommen willst, schau dich mal auf dem YouTube-Channel der Bayerischen Staatsforsten um. Was dort an Ratgeber-Videos gezeigt wird, kommt direkt aus dem Leben der Forstwirte.

Worauf du achten solltest: Forstwirt ist ein körperlich ziemlich anspruchsvoller Beruf. Du solltest eine gewisse Grund-Fitness mitbringen. Allerdings ist es keine Einstellungsvoraussetzung, dass du bereits eine Sportskanone bist.