Hier möchte ich dir eine schöne Möglichkeit vorstellen, wie du mit früheren Verletzungen und Traumatisierungen umgehen kannst. Um ein fehlendes Urvertrauen in ein neues Erfahrungsvertrauen zu verwandeln und Traumata gut zu überwinden, bedarf es einiger effektiver Strategien. Eine Methode, um Traumata zu überwinden ist das expressive Schreiben.

Was genau ist „expressives Schreiben“?

Dabei handelt es sich um eine Schreibtherapie, die ich dir detailliert beschreibe, die Anleitung kommt am Ende des Kapitels. Das Besondere an dieser Methode: Du kannst diese ohne Anwesenheit eines Therapeuten anwenden. Schließlich arbeitest du damit in Eigenregie und bist nicht auf Unterstützung angewiesen.

Es gibt viele Möglichkeiten, worüber du schreiben kannst. Zum Beispiel, was dich nachts wach hält oder über bestimmte Anlässe, die aktuell von Relevanz sind. Du kannst aber auch schreiben, um einfach nur zu erfahren, welchen Weg du einschlagen sollst.

Sei ehrlich zu dir selbst!

Worüber du auch immer schreiben willst, wichtig ist, dass du deine Gefühle dabei offen fließen lässt. Auf diese Weise hast du die Möglichkeit deinen inneren Ozean zu erkunden. Schreibe deshalb nur für dich selbst und verschwende keinen Gedanken daran, es jemandem vorzulesen. Denn der Fokus auf die Außenwirkung wird deinen freien Schreibfluss hemmen.

Wenn du nur für dich selbst schreibst, kannst du das Maximum an Ehrlichkeit und Offenheit herausholen. Das expressive Schreiben entfaltet eine Heilkraft, die dafür sorgen kann, dass Belastungen besser verarbeitet werden. Dies geschieht während des Schreibens, wenn der Prozess in eine sinnvolle, abgeschlossene und kohärente Geschichte umgewandelt wird.

Belastende Lebensereignisse und Traumata sollte man nicht mit sich selbst ausmachen und stattdessen darüber reden. Das ist aber nicht immer möglich. Also schreib dir selbst und sprich auf diese Art aus, was dich bewegt. Studien zeigen auf, dass Menschen seltener zum Arzt gehen, wenn diese das expressive Schreiben anwenden.

Die positive Auswirkung auf die Psyche

Wirft man einen Blick auf die psychologischen Effekte, so sind diese etwas komplexer. Hier wird die Wirkung zwischen kurz- und langfristig unterschieden. Kurzfristig bedeutet, dass sich manche Menschen kurz nach dem Schreiben schlechter fühlen und sogar traurig bis weinerlich werden können. Für gewöhnlich hält dieser Zustand jedoch nur etwa 1-2 Stunden an.

Dies lässt sich mit einem traurigen Kinofilm vergleichen: Du hast den Film bis zum Schluss gesehen und fühlst dich nun trauriger, aber gleichzeitig weiser. Wenn du das expressive Schreiben ausprobieren möchtest, solltest du also darauf achten, dass du im Anschluss genug Zeit für dich hast. Es macht somit keinen Sinn, mal schnell in der Mittagspause etwas aufzuschreiben. Denn das Verarbeiten geht nach dem Schreiben weiter und würde vermutlich eher deinen Arbeitsfluss stören.

Langfristig zeigt das expressive Schreiben dann deutlich positive Effekte. Die Probanden diverser Untersuchungen fühlten nach dem Schreiben weniger negativ und viel fröhlicher. Generelle Ängste, vermehrtes Grübeln und depressive Symptome verschwanden in den Wochen nach dem Schreiben, das Wohlbefinden stieg an und die kognitiven Fähigkeiten wurden verbessert. Und auch im Verhalten ließen sich positive Effekte erkennen.

So erreichten beispielsweise Studenten bessere Abschlussnoten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich das Arbeitsgedächtnis durch das expressive Schreiben verbessert. Viele Menschen schafften es nach dem Schreiben besser mit bestimmten sozialen Situationen umzugehen. Paare haben mit dem expressiven Schreiben die Möglichkeit, ihren Ärger zu reduzieren. Und selbst bei Arbeitslosen konnten positive Effekte verzeichnet werden: Viele Betroffene finden schneller wieder Arbeit. Das hat den einfachen Hintergrund, dass sich ihre Ausstrahlung verbessert hat und somit ein optimaler Eindruck beim Bewerbungsgespräch hinterlassen werden konnte.

Expressives Schreiben? So effektiv wie reden?

Es macht keinen Unterschied, ob man seine Traumata auf Band spricht oder diese niederschreibt, auch das ist gut untersucht. Anders verhält es sich, wenn man mit einer anwesenden Person spricht. Dann wird es etwas komplexer. Hier musst du darauf achten, dass dich die Person vollkommen annimmt. Ganz gleich, was du sagst. Sofern du vor dieser Person völlig offen und frei sprechen kannst, ist das Reden effektiver als das Schreiben.

Doch genau hier liegt auch der Knackpunkt. Denn wenn die Person negativ auf das ihr Anvertraute reagiert, dann nützt das Reden gar nichts und es wäre deutlich besser gewesen, wenn du deine Gedanken für dich selbst aufgeschrieben hättest. Deshalb ist es ratsam, dass du das Aufgeschriebene auch für dich behältst und niemandem zeigst. Denn wenn dein Leser oder dein Zuhörer unangemessen reagiert, dann wirst du dich hinterher mit noch mehr schlechten Gefühlen auseinandersetzen müssen.

Für wen eignet sich das expressive Schreiben?

Je mehr du in Gegenwart von Freunden, Familienmitgliedern oder Bekannten du selbst sein kannst, umso leichter wird es dir fallen, belastende Ereignisse zu verarbeiten.

Allerdings kann es auch dem offensten Menschen passieren, dass dieser nicht mehr so mitteilungsfreudig ist und große Schwierigkeiten damit hat, über ein belastendes Thema zu sprechen. Oder manchmal findet sich einfach keine vertrauenswürdige Person, mit der man über das Trauma sprechen kann. In solchen Fällen kann sich das expressive Schreiben als sehr effektiv erweisen.

Lies den 2. Teil mit den Schreibanweisungen für das expressive Schreiben.

Alles Liebe
‚Anne