Viele Hochbegabte und Vielbegabte halten sich für Blender und befürchten stets, dass man ihnen auf die Schliche kommt…

Das ist ja auch ganz klar. Wenn du viele Jahre lang Unverständnis für dein Anderssein erlebt hast, entstehen natürlich starke Selbstzweifel oder eine latente Unzufriedenheit mit sich selbst.

Diese bewirken, dass ein häufig irrationales Gefühl – besonders bei hochbegabten Frauen – das Leben prägen: Es handelt sich um das Impostor-Syndrom. Für viele hochbegabte Menschen und Scanner-Persönlichkeiten gibt es kein wirkliches Leistungsgefühl, wenig Erfolgserlebnisse und selten Zufriedenheit mit sich selbst. Wenn sie nicht in ihrer Besonderheit (an-) erkannt und gefördert werden, glauben sie oft, es sei Zufall, ja Betrug oder Hochstapelei, wenn ihnen so schnell etwas gelinge, worauf andere soviel mehr Anstrengung verwenden.

Fast alle hochbegabten Menschen kennen das Impostor-Phänomen: Das Gefühl, dass sie sich ja durch die Schule, das Abitur und das Studium und ihre Karriere irgendwie durchgemogelt haben oder einfach nur Glück gehabt haben. Viele erfolgreiche Menschen glauben, sie hätten ihren Erfolg gar nicht verdient – und die Angst, als Hochstapler entlarvt zu werden, treibt sie immer wieder in hektische Aktivitäten.

Stell dir folgendes bildlich vor

Nach einer wichtigen Präsentation wirst du überschwänglich gelobt. Du hörst. „Wie immer haben Sie grandiose Arbeit abgeliefert, der Kunde ist begeistert! Wie schaffen Sie es nur immer wieder, so selbstsicher zu referieren und einfach Jeden um den Finger zu wickeln? Einfach unglaublich, sie sind wirklich hochbegabt.“

Du aber denkst: „Hochbegabt? Ich? Sprechen Sie von der Person, die etwa 3 Nächte kein Auge zugetan hat vor dieser Präsentation? Meinen Sie den Mensch, der zwar erfolgreich scheint, aber doch in Wirklichkeit einfach nur Glück hat, der mit Erfolg verwechselt wird? Sprechen Sie von mir, dem Blender, die das schon hauptberuflich betreiben könnte?“

Und du antwortest auf das Lob „Das war eigentlich noch verbesserungswürdig“ und „Vielleicht hätte ich besser…“.

Dieses Phänomen kennen viele Menschen, besonders hochbegabte Frauen, die meist richtig etwas auf dem Kasten haben. Man nennt es das Impostor-Phänomen. In Thomas Mann´s Werk „Der Hochstapler Felix Krull“ (ein Blender und Prototyp für das Impostor-Phänomen), klingt dies nobel und gewitzt und versetzt den Protagonisten in Hochstimmung beim Lösen seiner Aufgaben – die Realität sieht leider anders aus.

Trotz guter Leistung, die auch von Außen bestätigt wird, fühlt ein hochbegabter Mensch sich oft klein und unbedeutend und kann seine Leistung selten mit dem resultierenden „Erfolg“ verknüpfen und in Zusammenhang bringen. Gerade in unserer Gesellschaft, in der „der Erfolg“ eindeutig mit Männlichkeit im Einklang steht ist es für außergewöhnliche Frauen schwer, dieses Gefühl zu vermeiden.

Jeder Mensch darf seine Begabungen nutzen und das Impostor-Phänomen bekämpfen

Höre dir das Lob und die Bestätigung anderer an und höre nicht weg. Verschließe dich nicht davor aus Schamgefühl. Du hast keinen Grund rot zu werden und zu stottern – straffe deine Schultern, blicke dem Qualitäts-Detektiv in die Augen und sage dir: „Ich bin kein Blender. Ich kann es wirklich und ich weiß es. Und das denke nicht nur ich. Sieh dich doch mal um!“

Selbstwert ist nicht etwas, das man geschenkt bekommt, womöglich noch fein verpackt in Seidenpapier. Nein, du musst ihn zulassen, dann ist er nämlich schon bei dir, bringt dir den Spaß und lehrt dich die Freude an Bestätigung.

Lies hier einen weiteren Text über das Impostor- oder Hochstapler-Phänomen.

Herzlichst
Anne