Gefühle bestimmen unser aller Leben und trotzdem schenken wir ihnen wenig Aufmerksamkeit. Unangenehme Gefühle, wie Ärger, Wut, Trauer oder Angst, nehmen wir eher wahr, aber positive Gefühle und gute Laune nehmen die meisten Menschen viel weniger wahr und betrachten sie eher als selbstverständlich. Wut oder Ärger bleiben ihnen dagegen länger in Erinnerung und werden auch sofort bemerkt und beobachtet. Aber wie entstehen diese intensiven Gefühle oder wie wirken sie sich aus?

Ich denke, also fühle ich

Jeder Mensch fühlt, der eine weniger, der andere wäre froh nicht so viel zu fühlen, doch wie entstehen Gefühle?

Eines ist sicher, Gefühle sind immer Reaktionen auf etwas, sie existieren nicht an sich. Spüren wir Liebe, dann ist da ein Mensch, der sie auslöst, empfinden wir Freude, gibt es ein Ereignis, das diese hervorgerufen hat. Eine Bedrohung ruft Angst als Emotion hervor, beobachten wir Ungerechtigkeit steigt Wut in uns auf oder aber auch Traurigkeit oder Verzweiflung, …

Es braucht stets einen Auslöser, um ein Gefühl entstehen zu lassen.

Als Auslöser bietet sich alles an, was wir über unsere Quellen wahrnehmen können. Jeder kleinste Anlass kann ein Gefühl bewirken: Ein Vogel, der vorüberfliegt, ein Satz, den wir im Radio hören, der Duft einer Rose, Wasser, das unsere Haut berührt, der Geschmack von Lakritze oder ein gebrochener Zeh.

Auf jeden einzelnen Auslöser können wir wiederum mit vielen unterschiedlichen Gefühlen reagieren: Der Vogel kann uns traurig machen oder uns erheitern, ein Satz aus dem Radio kann uns in die Verzweiflung stürzen oder Freude bewirken, Rosenduft kann uns zum Schmelzen bringen aber auch Ekel hervorrufen, Wasser an der Haut lässt uns vielleicht geborgen fühlen, könnte uns aber auch erschrecken, Lakritze lässt uns jubilieren aber vielleicht fühlen wir uns auch traurig, wenn wir sie essen, weil sie uns an einen geliebten verstorbenen Menschen erinnert .

Brüllender Tiger, weinender Mensch

Oft scheint es uns, als wären Gefühle da ohne vorhergegangener Gedanken. Das kommt daher, das Denken meist unbewusst abläuft und nur die Gefühle ins Bewusstsein gelangen. Doch ohne Denken entsteht kein Fühlen.

Die meiste Denkarbeit, die Gefühlen vorausgeht, ist allerdings schon in der Vergangenheit geschehen.

Wir haben zum Beispiel schon in der Kindheit entschlossen, „dass wir nicht gerne in einer Menschenmenge sind, da es dort so laut ist und wir aufgrund unserer Körpergröße kaum etwas sehen können und so die Gefahr besteht, dass wir unsere Eltern verlieren, so wie es letztes Mal war und wir uns deshalb ängstlich fühlen.“

Der Denkprozess, der dem Gefühl von Angst vor einer Menschenmenge vorausgeht, lief bereits in der Kindheit ab und wird jetzt nicht mehr neu gedacht. Nein, wenn wir jetzt in eine Menschenmenge sollen, dann nehmen wir nur mehr das Ergebnis der kindlichen Denkarbeit wahr – das Gefühl von Angst.

Was wäre wenn?

Würden wir tatsächlich gar nichts denken, kämen keine Gefühle auf und wir befänden uns „in einem Zustand der Neutralität“, egal ob uns ein brüllender Tiger gegenüber steht oder ein weinender Mensch.

Namasté
Ananda