Die Floskel: „Es liegt etwas in der Luft“ wird meist einfach daher gesagt. Hochsensitive Menschen spüren aber oft lange im Voraus, wenn eine bestimmte Stimmung herrscht. Egal, ob im Büro oder zu Hause: Sie wittern geradezu, wenn etwas im Argen liegt. Und auch, wenn etwas Schönes bevorsteht. Das bedeutet hingegen nicht, dass Empathen etwa hellseherische Fähigkeiten hätten. Aber sie ahnen, wenn sich auf emotionaler Ebene Dinge abspielen, die von anderen Personen nicht einmal im Entferntesten erkannt werden.

Diese Gabe mag zwar auf der einen Seite von Vorteil sein. Andererseits sind hochsensitive Menschen nur allzu häufig die perfekten Mobbingopfer: Weil sie auf viele Dinge besonders empfindlich reagieren, sich gestört oder in ihrem Dasein eingeschränkt fühlen, bieten sie anderen Zeitgenossen eine besonders große Angriffsfläche.

Empathen nehmen mit hoher Intensität wahr

Andererseits können sie aber auch Ängste und Unsicherheiten besonders gut und mit hoher Intensität wahrnehmen. Ein Aspekt, der sich im Berufsleben als ausgesprochen vorteilhaft herausstellt. Besondere „Antennen“ für gewisse Dinge, Menschen oder Situationen zu haben, wissen Vorgesetzte, – aber auch Kunden –, erfahrungsgemäß sehr zu schätzen.

Man weiß heute, dass es viele hochsensible Menschen gibt, denen es an einer ausgeprägten Empathie mangelt. Sie nehmen über die fünf körperlichen Sinne intensive Reize wahr, sind jedoch nur bedingt in der Lage, sich wirklich in die Gefühlswelt anderer hineinzuversetzen. Gerade dieser Aspekt zeichnet hingegen den hochsensitiven Empathen aus.

Hochsensitive sind sich ihrer intensiven Liebesfähigkeit oft auch vollends bewusst. Meist haben Empathen schon von Kindesbeinen an ein weitaus größeres Liebesempfinden als andere. Bei hochsensiblen Menschen wiederum ist es so, dass all die Eindrücke, denen sie sich Tag für Tag ausgesetzt sehen, ihre eigenen Empfindungen überdecken können.

Was allerdings nicht bedeutet, dass sie nicht vorhanden wären. Im Gegenteil! Sie sind in den Momenten nur derart intensiv mit sich selbst und ihrer wahrgenommenen Welt beschäftigt, dass ihnen buchstäblich – und sei es auch nur zeitweise – der Sinn für andere Menschen abhandenkommt.

Bei negativen Empfindungen, wie beispielsweise bei Wut oder Trauer, fällt es ihnen allerdings nicht schwer, diese auch in vollem Umfang wahrzunehmen. Sie fühlen jedoch die Wut anderer nicht in dem Maße, wie es Empathen imstande sind zu tun.

Viele Synästhetiker sind besonders empathisch

Vier Prozent aller Menschen sind sogenannte Synästhetiker. Das bedeutet: Sie nehmen einen Sinnesreiz gleich mehrfach wahr. Beispielsweise sind sie dazu in der Lage, Geräusche nicht nur zu hören, sondern auch Formen dazu zu sehen oder einem Geschmack eine Farbe zuzuordnen. Die Psychologen Michael Banissy und Jamie Ward vom University College in London fanden 2007 im Rahmen einer Studie heraus: Solche Synästhetiker sind auch besonders empathisch.

In einem Test berührten die Forscher entweder die linke oder rechte Wange einer Testperson. Währenddessen sahen die Teilnehmer Bilder eines Gesichts, dessen Wange ebenfalls berührt wurde. Im Anschluss sollten die Probanden sagen, auf welcher Seite sie selbst berührt worden waren. Solange das Bild und die tatsächliche Berührung übereinstimmten, fiel den Testteilnehmern die Antwort nicht schwerer als einer Kontrollgruppe. Sahen die Synästhetiker jedoch eine Berührung auf der einen Seite, während sie selbst auf der anderen berührt worden waren, zögerten sie mit ihrer Antwort und machten mehr Fehler. Offenbar fühlte sich die beobachtete Berührung genauso real an wie eine tatsächliche.

Was empathische Menschen auszeichnet – dazu findest du hier mehr.

Herzlichst
Anne und Ananda

 


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