Spiritualität und Sexualität haben so viel gemeinsam und befriedigen zwei Grundbedürfnisse des Menschen.

Geht man auf die Übersetzung vor „spiro“ zurück, bedeutet es „ich atme“. Parallel zur Nahrungsaufnahme bildet das Atmen, neben einem erfüllten Sexualleben, die Basis für das menschliche Leben. Damit wird nicht die Fortpflanzung zur obersten Priorität des Geschlechtsverkehrs erhoben, sondern das Grundbedürfnis eines erwachsenen Menschen formuliert.

Glaube (=Lebenssinn) und Sex bilden eine Einheit, die bereits in alten Naturreligionen propagiert wurden. Die Menschen fanden in alten Riten und Traditionen durch sexuelle Ekstase zu Transzendenz und damit zu Gott (oder wie immer du unseren Ursprung bezeichnen magst).

Passion als Grundsubstanz

Leidenschaft und Hingabe gehören in beiden, auf den ersten Blick vielleicht widersprüchlichen Bereichen menschlicher Existenz zu den Grundsubstanzen derselben. Ohne leidenschaftliche Gefühle sind weder ein erfülltes Sexualleben zu erlangen, noch eine tiefe Spiritualität und transpersonales Sein erreichbar. Zwei Lebensmittelpunkte, die derart viel Energie zu fassen im Stande sind, bilden beinahe zwangsläufig eine geschwisterliche Koexistenz der besonderen Art. Abseits aller früher einmal propagierten Moralvorstellungen und rigider religiöser Regelungen brauchen und unterstützen sich Spiritualität und Sexualität gegenseitig.

Weitest du Spiritualität auch auf den respektvollen Umgang mit anderen Menschen aus, was zwangsläufig auch den eigenen Partner meint, gehört das Geben und Nehmen im sexuellen Bereich zu einer tief spirituellen Geste.

Strömung und Energie

Lässt du es zu, dass diese so starken Energieflüsse sich gegenseitig begünstigen und unterstützen dürfen, werden dir sowohl im körperlichen als auch im geistigen Miteinander völlig neue Tiefen erlebbar. Da Körper und Geist ohnehin eine Einheit bilden, sorgt eine Ausgewogenheit in beiden Aspekten für ein Leben, dass du als erfüllt empfinden wirst.

Ungesund wird es für die Ausgeglichenheit eines Menschen immer dann, wenn beide Energieströme sich gegenseitig zu verleugnen suchen.

Geschwister streiten sich manchmal, dürfen jedoch nie die Existenz des anderen bezweifeln, da sie sonst ihre eigene Lebensberechtigung untergraben würden.

Ähnlich verhält es sich mit Sexualität und Spiritualität. Versucht die eine Schwester die andere krampfhaft wegzuschieben, sägt sie – sich salopp gesagt – den Ast ab, auf dem sie selbst sitzt. Leidenschaften unterstützen sich gegenseitig, deren Verfemung leider ebenso.

Traditionen

Das ausgerechnet religiös und damit auch spirituell motivierte Schriftstücke und Lehren aus dem östlichen Lebensbereich  noch heute als das Maß aller Dinge in puncto erotischer Entwicklung verstanden werden, spricht eindeutig für die „Familienverhältnisse“ von Sexualität und Geist.

Im Kamasutra und in der tantrischen Lehre finden sich jedoch nicht nur Hinweise für mannigfaltige Stellungen beim Liebesakt (das wäre zu platt), vielmehr fungierten sie auch als Ratgeber für gesellschaftliche Belange und dienen als Lehrwerk der erotischen Hingabe an das Leben und das Lebendige. Dass jene sich, ebenso wie alle sexuellen Begehrlichkeiten, im Kopf, sprich im Geist abspielen, könnte als einen weiteren Beweis für die Zusammengehörigkeit zweier Leidenschaften angesehen werden.

Die Bedeutung der tantrischen Sexualität

Die tantrische Sexualität ist ein uralter Schlüssel zu unvorstellbarer sexueller Freude und psychischer Kraft. Man erlangt sie durch eine Reihe besonderer Rituale, die im »Hinduistischen Ekstase-Kult« praktiziert werden. Dieser Kult ist eine Art »sexuelle Magie«, die einem Lust, Energie und Kontrolle schenkt. Obwohl es diese Rituale schon seit Jahrtausenden gibt, sind sie in der westlichen Welt so gut wie unbekannt geblieben. Sie ermöglichen es jedem, der danach strebt, unbeschreibliche Höhen sexueller Lust zu erreichen, während sie gleichzeitig die sexuelle Energie zum kreativen Gebrauch in anderen Lebensbereichen freisetzen.

Konzentration

Erst in jüngster Zeit hat die moderne Psychologie entdeckt, was die tantrischen Meister seit eh und je wussten: dass alle Tiere, einschließlich des Menschen, sich in der sexuellen Begegnung im intensivsten Zustand bewusster und unbewusster Konzentration befinden. Mit seinen Ritualen lehrt Tantra, diese intensive Konzentration auf alle Bereiche des Lebens auszudehnen.

Identität

Grundsätzlich hat Tantra die Funktion, uns zu unserem eigenen Ursprung zurückzugeleiten — uns zu helfen, zu unseren eigenen Wurzeln der Identität zu gelangen. Tantra lässt uns »die Wahrheit erfahren, die wir selbst sind«, indem wir uns bestimmten Ritualen unterziehen, die es uns ermöglichen, uns selbst in einer ganz neuen Weise kennenzulernen. Dies geschieht durch äußerste Anstrengung — auf psychischer, intellektueller, emotionaler und sexueller Ebene.

Wahrheit

Wenn wir gewisse Wahrheiten über uns selbst aufdecken, erkennen wir die Wahrheiten der Welt, des Universums und unserer psychischen Kräfte der Erleuchtung. Das ist nur durch die tantrische Erfahrung möglich. Man muss die Geheimnisse und die psychische Magie des Tantra mittels der Praxis der Rituale erfahren haben, um sie zu verstehen. Auf intellektueller Ebene allein können sie nicht erfasst werden.

Tantra lehrt uns, für unsere Entwicklung Energien und Kräfte einzusetzen, die von den meisten Menschen bei der Jagd nach dem Vergnügen vergeudet werden. Was immer man vorher gehört haben mag — das Vergnügen wird mit dem tantrischen Weg nicht etwa ein Ende haben. Im Gegenteil, man wird zu den höchsten Ebenen der Lust gelangen und dann diese ungeheuere Energie dazu verwenden können, alle Kräfte zu fördern.

Entgrenzung

Ekstase und Entgrenzung sind die erklärten Ziele der beiden traditionellen Lebens- und Liebesschulen: Kamasutra und Tantra.

Sexuelle Befriedigung und geistige Stimulanz zwischen zwei sich liebenden Menschen kannst auch du vielleicht als höchste Stufe der glücklichen Ehe und Partnerschaft ansehen. Ein wunderbarer Weg dahin ist Slow Sex. In diesem Artikel erzähle ich dir, was das ist.

Mein Weg ist der des Tantra und ich kann nur empfehlen, ihn einfach mal auszuprobieren.
Leidenschaftlich leben, lieben und die innere Begegnung zweier Seelen fördern.

Sig