Bist du zu bescheiden? Den wenigsten Extrovertierten sagt man große Bescheidenheit nach. Vielen Intros hingegen schon.

Manchmal sind sie sogar zu bescheiden – und das heißt: Sie nehmen sich selbst nicht wichtig genug. Bescheidenheit wird in unserer Kultur leider zunehmend negativ eingestuft. Das liegt insbesondere daran, dass diese Eigenschaft mit einer bescheidenen Leistung oder Ähnlichem verwechselt wird. Es wird auch häufig in Verbindung mit Selbstbeschränkung gebracht.

Ab und an wird vergessen, wie wichtig Bescheidenheit in einer Gesellschaft ist und welche Vorteile sie mit sich bringt. Sie erleichtert es uns unter anderem, Aufgaben, Fehler und persönliche Schwächen besser anzunehmen, zu akzeptieren und für unser Wachstum umzuwandeln.

Vorbild Asien

In Asien werden introvertierte Menschen geschätzt. Ihre Zurückhaltung und die damit verbundene Bescheidenheit werden hier nicht nur als angenehm, sondern auch als erfolgversprechend eingestuft. In der asiatischen Kultur haben das Stetige und Stille von jeher einen höheren Stellenwert als bei uns. Das Ideal bilden hier Qualitäten wie Hingabe, Konzentration, Entschlossenheit und Achtsamkeit. Asien kann uns in diesem Bereich also als Vorbild dienen.

Dort kommen Introvertierte besser an. Das zeigt sich schon in der Grundschule. Vergleichsstudien bestätigen, dass in China leisere Kinder als Spielkameraden bevorzugt werden. Auch als »Anführer« sind sie mehr gefragt. Das liegt nicht zuletzt an der Erziehung. Eltern bestärken ihre Kinder traditionell in einer sachten und empfindsamen Ausdrucksweise, während lautes und lebhaftes Verhalten als rücksichtslos eingestuft wird.

Erfolgsfaktor Bescheidenheit

In Asien ist es üblich, seine Gefühle nicht nach außen zu kommunizieren. Als höflich gilt hier, wer seine Mimik und Gestik beherrschen kann und gelassen bleibt. Uns als Mitteleuropäern ist das oftmals fremd. Und genau betrachtet hat es viel mit Introversion zu tun. Denn wer seine Aufregung oder sein Missfallen nicht nach außen trägt, der nimmt sich zurück, sodass sein Gegenüber damit nicht belastet wird. Er klärt die Dinge für sich in seinem Inneren.

Viele Menschen bei uns versuchen, ihr Gesicht zu wahren, indem sie macht- und selbstbewusst agieren. In Gesellschaften, die von Konfuzius geprägt sind, kommt das nicht gut an. Hier gilt, dass jeder so kommunizieren sollte, dass der Gesprächspartner nicht in Verlegenheit gebracht wird. So wird Kritik nicht direkt, sondern lieber indirekt formuliert. Das hat den großen Vorteil, dass Unstimmigkeiten oder Absagen taktvoll und schonend formuliert werden. Man muss sich Zeit geben und nachdenken, wie man etwas so formulieren kann, dass der Gesprächspartner nicht in eine unangenehme Lage kommt. Gerade das sind eindeutige Stärken von leisen Menschen.

Getarnte Feigheit?

Zurück zu uns nach Mitteleuropa. Leider gibt es da viele Menschen, die sich nur als bescheiden bezeichnen, es in Wirklichkeit aber gar nicht sind. Sie verstecken sich hinter dieser Tugend, um Konflikten aus dem Weg zu gehen oder um sich nicht engagieren zu müssen. Dabei hat dieses Verhalten genau den gegenteiligen Effekt, denn weder man selbst noch das Umfeld profitiert davon. Oft fällt in diesem Zusammenhang der Begriff »falsche Bescheidenheit«. Dabei handelt es sich nämlich um ein passiv-aggressives Verhalten, das mit wahrer Bescheidenheit nicht viel zu tun hat. Es dient lediglich dazu, selbst besser dazustehen und andere zu manipulieren.

Wenn du möchtest, kannst du das Thema vertiefen in meinem Buch: Auf die leise Weise – Wie Introvertierte ihre Stärken erkennen und nutzen können.

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unterschrift Anne