Die digitalen Medien sind in der modernen Gesellschaft zu einem ständigen Begleiter geworden. Ständig erreichbar sein, ständig „up-to-date“ bleiben, ständig das eigene Leben auf Fotos und in Videos inszenieren…für viele Menschen sieht so die alltägliche Realität aus. Was sie dabei aber häufig nicht merken, ist, dass sie sich dadurch einem ständigen unterschwelligen Stress aussetzen. Es ist daher sinnvoll, dich einmal intensiv mit deinen eigenen Nutzungsgewohnheiten der digitalen Welt auseinanderzusetzen und des Öfteren bewusst „abzuschalten“ – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie sinnvoll ist der Trend „Digital Detox“?

„Ich mache gerade Digital Detox“ – hast auch du diesen Satz schon einmal gehört oder sogar selbst verwendet? Die „digitale Entgiftung“ ist zu einem regelrechten Trend herangewachsen. Es geht darum, den Gebrauch digitaler Medien zu minimieren, bestenfalls für einen vorgegebenen Zeitraum sogar vollständig zu unterlassen. Welche Ziele damit verfolgt werden, ist in jedem Fall unterschiedlich. Der Eine möchte sich vielleicht nur selbst beweisen, dass er auf die digitalen Helferlein verzichten kann und nicht süchtig ist. Der Andere wünscht sich dadurch mehr Ruhe und ein wenig Entspannung. Und wieder andere Personen folgen wohl tatsächlich nur dem Trend.

Prinzipiell steck hinter dem „Digital Detox“ also eine hervorragende Grundidee: Es geht darum, dich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen und den Stress durch digitale Medien zu eliminieren. Wenn damit aber keine grundlegende Hinterfragung sowie Änderung deiner Verhaltensweisen einhergeht, werden die gewünschten Effekte ausbleiben. In vielen Fällen sind die „Digital-Detox“-Anstrengungen daher vergebens. Das gilt aber nicht, wenn du richtig an die Sache herangehst!

Was machen digitale Medien mit deinem Gehirn?

Um das „Digital Detox“ richtig umzusetzen, solltest du also erst einmal verstehen, welche Auswirkungen die digitalen Medien auf dein Gehirn und damit deine Gesundheit sowie dein Leben im Allgemeinen haben:

  • Wenn du ständig erreichbar bist, sei es privat oder sogar für deinen Arbeitgeber, kannst nie gedanklich abschalten. Dadurch bleibst du stets in einer Anspannungssituation, einem unterschwelligen Stress also, der deinem Körper eine Menge Energie raubt.
  • Zugleich befindest du dich ständig in einer Art Multitasking. Deine eigentlichen Aufgaben erledigst du dadurch weniger konzentriert und fehleranfälliger. Das beweist zum Beispiel die steigende Zahl an Unfällen im Straßenverkehr, welche aufgrund der Nutzung von Smartphones oder anderer digitaler Medien verursacht werden.
  • Wer dennoch konzentriert sein oder bleiben möchte, muss die digitalen Ablenkungen bewusst ausblenden – zum Beispiel das Piepen des Smartphones. Das kostet die Menschen deutlich mehr Energie als noch damals, bevor die Handys & Co erfunden wurden.
  • Das Gehirn selbst wird hingegen zunehmend „ausgeschaltet“, sprich Aufgaben wie die Navigation, die Recherche oder andere Dinge, die früher wie ein Rätsel selbst gelöst werden mussten, übernehmen heutzutage die digitalen Helfer.
  • Bewiesen ist außerdem, dass Schlafprobleme in ihrer Häufigkeit zunehmen, bedingt durch die Nutzung der digitalen Medien in den späten Abendstunden.

Die (übermäßige) Nutzung von digitalen Medien bringt also viele negative Konsequenzen für dein Leben mit sich. Vermutlich ist sie für dich aber schon so normal geworden, dass du diese gar nicht mehr bewusst wahrnimmst. Das „Digital Detox“ kann dir dabei helfen, wieder einen ausgewogenen und damit auch gesunden Umgang mit der digitalen Welt zu finden. Dabei geht es aber nicht um eine zeitlich begrenzte „Entgiftungskur“, sondern um eine dauerhafte Änderung deiner Gewohnheiten.

Digitale Medien verursachen dauerhaften Stress 

Vor allem der erste genannte Punkt spielt dabei eine tragende Rolle: Digitale Medien verursachen Stress. Dabei kann es sich um den Stress der ständigen Erreichbarkeit handeln, sprich du hast das Gefühl, nie wirklich alleine sein zu können. Dabei ist das vor allem für hochsensible Menschen extrem wichtig, aber auch, um entspannen und Stress abbauen zu können. Denn jeder Mensch muss hin und wieder im wahrsten Sinne des Wortes abschalten, sprich sowohl die digitalen Medien als auch gedanklich.

Stress verursachen die digitalen Medien aber auch durch die Informationsüberflutung. Sei es im Internet, in einem sozialen Netzwerk oder durch private Nachrichten auf dem Smartphone: Ständig erhält das Gehirn Informationen und muss diese verarbeiten. Hinzu kommt der Druck zur Perfektion, welcher vor allem durch den Schönheits- und Jugendwahn in den sozialen Medien entsteht, wo jeder ein scheinbar perfektes Leben führt. Und zuletzt haben sich sogar die klassischen Medien gewandelt. Ein Beispiel ist die Sportübertragung im Fernsehen, wo durch das Privatfernsehen zunehmend eine Spektaklisierung stattfindet, die das Erlebnis für die Zuschauer noch aufregender, spannender, nervenaufreibender und eben stressiger macht. Und dabei handelt es sich nur um ein Beispiel von vielen.

Fakt ist also: Die digitale Welt ist stressig für das Gehirn und versetzt daher auch die Nutzer in einen stetigen Stress. Wer diesem nur in einem gewissen Ausmaß ausgesetzt ist und immer wieder auch ausreichend Zeiträume ohne digitale Medien findet, kann mit diesem in der Regel recht gut umgehen. Ist das allerdings nicht der Fall, drohen Folgeprobleme wie stressbedingte Erkrankungen.

So kann das „Digital Detox“ wirklich funktionieren

 Egal, ob du dich also bereits von den digitalen Medien gestresst und genervt fühlst oder nur präventiv handeln möchtest: „Digital Detox“ ist eine gute Idee für jeden Menschen, der in seinem Alltag mit der digitalen Welt in Berührung kommt – und das sind heutzutage beinahe alle. Eine Art der „Entgiftungskur“ kann dabei durchaus ein guter Start sein. Lass beispielsweise das Handy zuhause, wenn du das nächste Mal in den Urlaub fährst. Oder schalte es ab sofort immer am Wochenende ab. Vielen Menschen fällt es aber schwer, den Ausschaltknopf zu drücken und sich dadurch gefühlt von der Außenwelt abzukapseln. Dir auch?

Was du in diesem Fall tun kannst, ist in kleinen Schritten zu beginnen. Schalte alle digitalen Geräte über Nacht aus, auch das Smartphone, und später zusätzlich für eine Stunde am Tag. Anschließend kannst du den Zeitraum auf zwei Stunden pro Tag ausdehnen oder einen halben Tag am Wochenende oder jeden Feierabend. Die Möglichkeiten sind vielfältig und gewiss findest auch du Zeiträume in deinem Alltag, in welchen du „Digital Detox“ machen kannst. Dich der digitalen Medien schrittweise zu entwöhnen, ist aber nur der erste Schritt. Anschließend gilt es, wie folgt vorzugehen:

  • Reflektiere dein Verhalten und deine Gewohnheiten im Umgang mit digitalen Medien. Wie schwer fällt dir der „Entzug“? Und vor allem: Warum fällt er dir unter Umständen schwer?
  • So kannst du herausfinden, welchen Stellenwert die digitalen Medien in deinem Leben eingenommen haben. Zudem wirst du zunehmend merken, wie gut dir die Zeiträume ohne digitale Ablenkungen tun.
  • Überdenke nun also, wie du die Medien in Zukunft nutzen möchtest, um dich zwar nicht von deinem sozialen Umfeld, dem Arbeitgeber, dem Weltgeschehen & Co abgekapselt zu fühlen, dennoch aber ausreichend Zeit ohne Smartphone, Fernsehen und andere Medien zu verbringen.
  • Entwickle also eigene Regeln, wann du Medien nutzt, für welchen Zeitraum und welchen Zweck. Gleichzeitig sollte es strikte „Detox-Intervalle“ geben, in welchen alle Geräte ausgeschaltet werden.
  • Wenn du merken solltest, dass du dabei eine Angst verspürst, irgendetwas Wichtiges zu verpassen, handelt es sich um „FOMO“. Die „Fear Of Missing Out“ ist ein Phänomen, das zunehmend um sich greift und vor allem die Generationen der „Digital Natives“ betreffen, die also mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Doch keine Sorge: Schon einige simple Maßnahmen können dir dagegen helfen und somit dafür sorgen, dass du die medienfreie Zeit schon bald genießen kannst.

Fazit

Wenn du diese Tipps beherzigst, wirst du nämlich schnell merken, wie gut dir die Zeit ohne digitale Medien tut. Du wirst dich entspannter, ausgeglichener, ruhiger und konzentrierter fühlen. Du wirst im Job (wieder) bessere Leistungen erbringen und die Qualität deiner sozialen Beziehungen verbessern – denn fortan triffst du dich wieder lieber persönlich mit deinen Freunden oder hörst deiner Familie bei ihren Erzählungen zu, ohne währenddessen auf das Smartphone zu starren. Und vor allem wird die „FOMO“ vergehen, ebenso wie der unterschwellige Stress, sodass du dich wieder mehr auf dich selbst und dein psychisches sowie physisches Wohlbefinden konzentrieren kannst. Probier es aus!