Ananda hat heute wieder die Grassamen bewässert, die er vor ein paar Wochen in unserem Garten gestreut hat. Kaum ein Grashalm ist bisher daraus entstanden, die Umstände sind zu widrig. Es wird ein Stück „Wüste“ bleiben, bis der Sommer vorbei ist, denn wir hatten in diesem Jahr erst zweimal Regen. Jeder Samen, jede Saat, brauchen fruchtbaren Boden und eine ihnen entsprechende Nahrung. Sonst wird es schwierig mit dem Erblühen oder Ernten.

Egal wie günstig die Saat ist: Wie säen ständig und das seit 30 Jahren.

Unermüdlich. Egal, ob die Bedingungen günstig sind oder nicht. Wir säen. Worte. Heute schreiben wir wieder Texte für Facebook, Blogartikel, wir beide sitzen jeweils an einem neuen Buch und ich tippe jetzt diesen Newsletter. Wir säen wieder Samen.

 

Wortsamen, die in deinem Kopf vielleicht zu Gedankensamen werden.

Junggedanken, die heranwachsen zu Sprösslingen. Wenn ihre Wurzeln auf fruchtbaren Boden stoßen, können sie es wagen, sich ihrem eigentlichen Ziel, dem Licht, entgegen zu recken.

Auch Wortsamen brauchen fruchtbaren Boden und eine ihnen entsprechende Nahrung.

Manche Worte werden hunderte Male gesät, bevor der Boden für sie bereit ist. Alle weise Worte werden seit tausenden Jahren gesagt, werden wiederholt, unterschiedlich betont, vereinfacht, in Paradoxons verwandelt, als Gleichnis verpackt, in Geschichten erzählt, …

Alles, was es zu wissen gibt, wird ständig verteilt.

Sei es in alten klassischen Büchern wie dem Yogasutra und den Upanishaden oder in ihren jüngsten Ururenkeln, den Büchern der modernen Weisheitslehrer. Sämtliche Wahrheit ist auf Knopfdruck aus dem Internet abrufbar, in fast jeder Sprache, als Audiodatei, als geschriebenes Wort, und  immer mehr vertont und mit stillen oder bewegten Bildern unterlegt, …

Sämtliches Wissen, jede Saat, fällt laufend auf den Boden, den du bereitstellst.

Irgendwann ist dieser Boden wieder ein wenig fruchtbarer geworden und du verstehst plötzlich, was seit Anbeginn der Sprache gesagt wird. Du verstehst, nicht weil es etwas Neues gesagt wird, sondern weil du deinen Boden fruchtbarer hast werden lassen.

Ananda und ich streuen seit 30 Jahren bewusst Samen.

Wir könnten entmutigt sein weil, wie bei Anandas Grassamen, scheinbar nur wenige auf fruchtbaren Boden fallen. Aber nein, wir sind glücklich. Glücklich, weil wir nichts anderes lieber machen, als Samen zu streuen und glücklich, weil es ein großes Geschenk ist, immer wieder einen Samen erblühen zu sehen.

In jedem WakeUp Retreat verteilen Ananda und ich die Saat des Erwachens, in jedem Seminar die Samen der Erkenntnis, in jeder Ausbildung die Samen des Wissens, in jedem Buch das wir schreiben, Wortsamen. Wir guiden, coachen, texten, sprechen und leben die Samen der menschlichen Weisheit. Wir sind Gärtner für reifende Seelen und freuen uns über fruchtbare Böden.

Kein Samen ist umsonst gesät.

Denn Samen sind zeitlos, sie bewahren ihr Kraft so lange bis der Boden irgendwann fruchtbar ist. Sei es morgen, sei es Jahre später, sei es in der nächsten Inkarnation, – jede Seele reift zu ihrer vollen Blüte, egal wie lange sie dafür braucht.

Und wenn wir übers Wochenende in Berlin sind, werden wir uns sicher Gedanken machen, ob unser Garten-Sitter auch genug gießt. Wir werden uns über jede Blüte freuen, wenn wir zurück sind.

Sonnige Grüße von
Anne