Neulich wartete ich auf einen Anschlusszug. Ich stand am Bahnsteig als ein mit Autos beladener Güterzug durchfuhr. Ich musste mir die Ohren zuhalten, so laut und kreischend war das Geräusch. Rund um mich waren Menschen die ihrer Tätigkeit nachgingen. Niemand sonst hielt sich die Ohren zu.

Ich stand schön öfter an diesem Bahnsteig und noch nie hat sich jemand außer mir die Ohren zugehalten.

Und immer wieder frage ich mich, ob die Leute sich nicht die Ohren zuhalten, weil es ihnen peinlich ist oder weil sie meinen es diese eine Minute schon auszuhalten oder ob sie es tatsächlich anders erleben als ich.

Weniger laut, weniger kreischend, weniger bedrohlich? Für mich als hochsensibler Mensch fühlt es sich an wie pure Gewalt, die sich in dieser Situation gegen mich richtet. Obwohl ich im Alltag nicht besonders gut höre, dringt dieses Geräusch durch Mark und Bein. Und nicht nur dieses. Der Alltag bietet unterschiedliche Geräusch die sich aufdringlich in meinen Gehörgang fräßen.

Als hochsensibler Mensch sind wir allen Sinnen „ausgeliefert“.

Wir sind empfänglicher gegenüber allen Eindrücken und können nichts dagegen tun. Es ist schlicht unmöglich nicht zu hören, sehen, riechen, schmecken oder zu tasten. Ich bin immer mit Ohrstöpseln in der Tasche unterwegs, das ist zumindest eine kleine Erleichterung, wenn im Café die Unterhaltung am Nachbartisch zu lebhaft wird. Anne nutzt auf allen Reisen immer einen Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, denn ihr geht es ebenso.

Ich kann sehr gut meditieren und bilde auch regelmäßig neue Meditationslehrer aus, doch glaub mir, es funktioniert nicht, einfach so mal schnell in tiefe Meditation zu gehen, wenn der Zug anrollt oder bevor die Dame am Nebentisch ihren nächsten hysterischen Lachanfall hat.

Ganz anders ist es, wenn ich bereits tief in Meditation bin.

Dann bin ich so offen, dass jegliche Information über die Sinne reibungslos in mich hinein und wieder hinaus fließt, ohne dass es eine Resonanz in mir gibt. Doch wenn ich in tiefer Meditation bin, stehe ich gewöhnlich nicht am Bahnsteig oder bummle durch die Innenstadt! Denn in der Regel meditiere ich dort, wo es bereits möglichst still und die Umwelt freundlich und unaufdringlich ist.

Ja, wir können all die Aufdringlichkeit der Welt aushalten, aber wollen wir das?

Da die Welt nur sehr schwer zu ändern ist, bleibt nichts anderes übrig als sich ein Umfeld und ein Leben zu gestalten, das den Sinnen möglichst freundlich gesonnen ist. Viele Menschen sind mit einer Schmerzunempfindlichkeit ausgestattet. Das ist wohl eine clevere Einrichtung als Selbstschutzmechanismus damit sie in der Welt gut leben können und sie am Funktionieren halten.

Diese niedere Empfindlichkeitsschwelle macht die meisten Menschen für mich zu einem schwierigen Mitmenschen, denn wenig Empfindsamkeit bringt auch wenig Achtsamkeit und Bewusstheit mit sich. So lebe ich mit Anne, die natürlich gleich empfindet wie ich, zurückgezogen in einer „empathischen Umgebung“, die uns nährt und glücklich sein lässt.

Hierhin haben wir uns „vor der Welt gerettet“ und von hier aus „retten wir die Welt“ – schreiben unser Newsletter und beglücken jene die offen und bereit dafür sind. Nur von einem Ort inneren Friedens können wir etwas für andere tun.

Erst wenn es uns gelingt gut für uns selber zu sorgen, können wir andere einladen uns ihre Sorgen anzuvertrauen.

Das ist wichtig für uns, das ist wichtig für alle, die als Coach oder Therapeut, als spiritueller Begleiter oder als Mentor andere Menschen unterstützen wollen. Bringe dein Leben in Ordnung, kreiere dir ein liebevolles, leuchtendes, kräftiges Lebensfeld, denn es ist so, wie Konstantin Weckers einmal textete: „Wer nicht genießt ist ungenießbar“.

Rette zuerst deine eigene innere und äußere Welt und genieße dein Leben

Namasté
Ananda