Die meisten Coaches, Berater, Trainer und Mediatoren haben eines gemeinsam. Sie wollen gute Arbeit leisten, Menschen begleiten und ihnen für die verschiedensten Veränderungsprozesse einen Mehrwert bieten. Du als Coach freust dich über positive Rückmeldungen von Kunden und über Feedback, dass deine Arbeit als nützlich und hilfreich bezeichnet. Doch es ist wichtig zu erkennen, wann das eigene Ego eher hinderlich wird.

Die Arbeit von Coaches ist eine Dienstleistung.

Dienstleistungen stehen immer für einen Kunden oder Klienten zur Verfügung und dieser ist es, für den du arbeitest. Kurz gesagt: Es geht um dein Gegenüber, nicht um dich. Du sollst Menschen helfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern, bringst deinen Klienten neue Strategien und Optionen näher oder hilfst Teams dabei, Hierarchien aufzulockern. Die Arbeit von Coaches umfasst viele weitere Aufgaben. Es geht immer um den Klienten und seinen Auftrag, mit dem er zu dir kommt.

Eigene Bedürfnisse des Coaches gehören nicht in die Erledigung solcher Aufträge. Die Gefahr besteht, dass sich das Ego in diese einschleicht und dein Fokus verschoben wird. Das schränkt deine Fähigkeiten als Coach und Berater deutlich ein.

Um dies zu vermeiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit deine Arbeit als Coach nicht unter deinem Ego leidet.

Du denkst, du bist der Macher

Dieser Gedanke kann schnell aufkommen, wenn Klienten dich für deine Arbeit loben und dir beispielsweise das Feedback geben, dass sich ihr Leben durch dich und deine Arbeit verbessert hat. Aussagen, wie diese schmeicheln dir natürlich und sind auch positiv zu bewerten.

Du darfst stolz auf dich und die Früchte deiner Arbeit sein und selbstverständlich bist du der Auslöser für manche Veränderung oder das Gelingen eines Prozesses. Übertrieben ist es jedoch, sich als Coach so zu sehen, dass man glaubt, etwas gemacht und erreicht zu haben, wie es eben ein Macher tut. Ein Hinweis darauf, dass du womöglich in diese Egofalle tappst sind Sätze, wie zum Beispiel: „Ohne mich hätten die das nicht geschafft.“

Diese Gedanken machen dich selbst groß und grenzen dich gleichzeitig ungut von anderen ab. Sie distanzieren dich von allen anderen Beteiligten an der Veränderung. Dies verhindert immer mehr, dass du das Potenzial deines Klienten wahrnehmen kannst. Du wirst vielleicht sogar unbescheiden und überheblich.

Mache dir daher immer bewusst, dass mehrere Menschen zur Veränderung beigetragen haben und du nicht der einzige Zacken im Zahnrad bist. Nimm die Gemeinschaft und dich als deren Teil bewusst war und übe dich in Bescheidenheit, wenn Sätze wie dieser das nächste Mal in deinen Gedanken auftreten.

Du findest kein Ende?

Manchmal, wenn wir von uns selbst denken, dass wir die einzigen seien, die Menschen so gut voranbringen können – weil wir sie zum Beispiel schon so gut kennen und auch genau wissen, was erforderlich ist – dann kann es uns sehr schwerfallen, Abschied zu nehmen. Im schlimmsten Falle bleiben wir… und bleiben wir… und bleiben wir.

Nach spätestens einem Jahr beende ich die Arbeit mit einem Menschen an der ursprünglichen Zielsetzung. Denn ich weiß, dass ich mir von den Beteiligten schon zu sehr ein Bild gemacht habe, als dass ich noch hilfreiche Fragen stellen könnte. Nach all der Zeit zusammenzubleiben wäre sehr kontraproduktiv.

Irgendwann kommt für Coaches der Zeitpunkt, bei welchem es sinnvoll ist, Abschied zu nehmen. Das ist dann der Fall, wenn du deine Klienten so gut kennst, dass du ihn berechenbar findest oder auch spürst, dass du nicht mehr wirklich innovativ sein kannst. Dies verhindert weitere positive Entwicklungen, die mithilfe eines neuen Coaches möglich werden, der wiederum einen frischen Blick auf ein Thema werfen kann.

Mit Abschied ist keine negative Situation gemeint, sondern das Schaffen von etwas Neuem.

Davon profitierst du, aber auch deine Klienten. Dein Blick ist zwar nicht verfälscht, aber das Bild, das du dir von den Menschen gemacht hast, ist eingefahren. Du kannst keine hilfreichen Fragen mehr stellen oder neue Tipps geben. Bestehende Regeln werden zur Selbstverständlichkeit und du kommst nicht einmal auf die Idee, sie zu hinterfragen.

Doch den Schritt der Trennung zu gehen, ist besonders für das Ego schwer zu begreifen. Es schützt dich und gibt dir Sicherheit. Mit einem Wechsel in einem neuen, funktionierenden und unabhängigen Verhältnis, nimmst du ihm die Kontrolle, an der es doch so gerne lieber festhalten möchte.

Innerhalb eines Beratungsprozesses ist es wichtig, abzugeben. Ein neuer Coach kann deinen Klienten vielleicht wieder voranbringen und auch du wirst neue Klienten finden, mit denen  du deine Fähigkeiten neu unter Beweis stellen kannst, indem du zum Beispiel kluge Fragen stellst.

Wenn es gelingt, das Ego im ersten Punkt zu zügeln und ich mich in Bescheidenheit übe, dann wird es auch leichter fallen, loszulassen.

Also, wenn es uns auffällt, dass das Ego so festhält und klammert: Lass uns mal ganz bewusst loslassen! Und lass uns vom Haben-Wollen mal ganz bewusst in das Geben übergehen.

Du brauchst den Klienten mehr, als er dich

Diese Aussage lässt sich auf unterschiedliche Bereiche der Tätigkeiten von Coaches anwenden. Es ist ein Fehler zu denken, nur deine Klienten seien bedürftig und von dir abhängig. Denke vielleicht erst einmal selbstkritisch darüber nach, ob du bedürftig oder von einem bestimmten Auftrag abhängig bist.

Dieser Gedanke kann aus unterschiedlichen Gründen resultieren, wie beispielsweise finanziellen. Ein lukrativer Auftrag sichert Sicherheit und ein stabiles Einkommen, von dem alle Menschen abhängig sind. Besonders Menschen, die von einer selbstständigen Tätigkeit leben, brauchen Aufträge, um sich finanzieren zu können.

Dies kann jedoch auch zu egoistischem Verhalten führen. Wer glaubt, einen Auftrag unbedingt bekommen zu müssen, wird diesen ohne zu überlegen, ob der Klient auch wirklich passt, annehmen. Unabhängig davon, ob es eventuell andere Coaches gibt, die dem betreffendem Kunden viel besser weiterhelfen und ihn beraten können.

Aus diesem Grund solltest du bei der Wahl deiner Aufträge immer auch darauf achten, dass diese zu deinen Werten und Vorstellungen passen. 

Das Ego macht nicht nur andere schlecht, sondern lässt dich auch eine Bedürftigkeit erkennen, die zu Mangeldenken führt. Du willst immer mehr und höher hinaus. Stress und Ängste sind Resultate aus solchen Vorstellungen und werden dich nur noch mehr antreiben, Aufträge anzunehmen, die eigentlich gar nicht deinen Wünschen entsprechen.

Dann leistest du keine gute Arbeit mehr. Habe Vertrauen, dann werden die richtigen Aufträge zu dir kommen und du musst keine Angst um deine Existenz haben und kannst auf der anderen Seite mit gutem Gewissen jene Aufträge ablehnen, die nicht zu dir und deinen Werten passen.

Daraus ergibt sich ein schöner Nebeneffekt: Wenn wir im Vertrauen sind, müssen wir mit unseren Kollegen nicht in Konkurrenz treten. Mit dem Gedanken, dass für uns alle genug vorhanden ist, schaffen wir Synergien und Kooperationen. Und damit haben wir am Ende alle gewonnen.

  • Es macht einen riesigen Unterschied, wenn wir diese Einflüsse des Egos in uns wahrnehmen.
  • Es macht auch einen Unterschied für uns, wenn wir uns in Bescheidenheit üben, loslassen und vertrauen.
  • Mit diesen Aspekten lässt sich unser Fokus auf den jeweiligen Klienten und auf unser Gegenüber halten.
  • Mit dem Üben dieser Haltung wird unser Coaching wirksamer und professioneller!

Es ist wichtig für Coaches und Berater, das eigene Ego wahrzunehmen und zu erkennen. Dadurch wird die Qualität der Arbeit gewährleistet. Du weißt, wofür du arbeitest und verlierst nicht den Spaß. Du verlierst nicht den Sinn deiner Tätigkeit und behältst den Fokus, wodurch du besser bei potenziellen Kunden ankommst.

In der OpenMind Coachingausbildung, die ebenso eine Innenbildung, wie eine Ausbildung ist, lernst du dein Ego im Zaum zu halten.

Herzlichst
Anne