Du fühlst dich innerlich leer und einsam? Du hast Verlustängste oder aber auch Angst vor Nähe? Dir fehlt etwas, aber du weißt nicht, was? Dann hattest du vielleicht einmal einen Zwilling. Viele Betroffene leiden seit dem Tag ihrer Geburt – und noch früher – an der unbewussten Trauer eines verlorenen Zwillings. Doch wie findest du heraus, ob du betroffen bist? Ein verlorener Zwilling hinterlässt Spuren. Welche Symptome löst dieser Verlust aus? Und das Wichtigste: Wie wirst du als alleingeborener Zwilling damit fertig?

Vor allem hochsensible und hochsensitive Personen mit einer besonders intensiven Empfindsamkeit können durch den Verlust eines Zwillings intensiv leiden. Der Grund ist ihre große Wahrnehmungsintensität, die zu einer stärkeren Bindung an den Zwilling und großem Leiden nach dessen Verlust führen kann. Oft haben sie durch ihren Zugang zur Spiritualität eine Art metaphysische Verbindung zu ihrem verlorenen Zwilling, der sie ihr Leben lang unbewusst begleitet.

Ein verlorener Zwilling, der Verlust eines Geschwisterkindes und das damit verbundenen Trauma ist ein unterschätztes und noch wenig untersuchtes Phänomen.

Dabei endet eine anfängliche Mehrlingsschwangerschaft mit der Geburt nur eines Kindes. Das andere ist im Laufe der Schwangerschaft immer schwächer geworden und schließlich hat sein Herz auf-gehört zu schlagen. Das löst im Überlebenden oft ein Trauma aus, worunter er seither leidet. Oft bleibt dieses unentdeckt und unbewusst.

Laut dem aktuellen wissenschaftlichen Stand sind 20% aller Schwangerschaften anfangs Mehrlingsschwangerschaften. Hingegen werden nur 1,2 % Zwillinge geboren. Ein verlorener Zwilling ist also nicht selten.

Die Zahl der unentdeckten Fälle ist groß. Nicht nur bei der natürlichen, sondern auch bei einer künstlichen Befruchtung werden oft gleich mehrere befruchtete Eier eingepflanzt. Die Forschung dazu ist jedoch jung und somit wurde dem Thema öffentlich bisher noch nicht viel Beachtung geschenkt. Da scheint es auf den ersten Blick etwas skurril, von einem Trauma zu sprechen. Viele Menschen zweifeln daran, dass Betroffene als Ungeborenes von dem Tod eines Zwillings Notiz nehmen kann.

Doch lass uns einen Blick auf die Fakten werfen: Föten und Embryos sind keinesfalls unsensible Wesen. Nach erstaunlich kurzer Zeit kann das Ungeborene seine Sinne einsetzen. So hört es beispielsweise den Herzschlag und Verdauungsgeräusche der Mutter, sieht durch geschlossene Augen, entwickelt einen Tastsinn und Mimik. Er kann sich ebenfalls früh spontan bewegen, auf externe Stimuli reagieren, an seinem Daumen lutschen, gähnen und Schluckauf haben.

Sein Herz schlägt bereits ab Woche 6, er fühlt Schmerz und Angst. Bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche weiß ein Fötus von seinem Zwilling: Er hört seinen Herzschlag sogar lauter als den der Mutter. Es kommt sogar zu spielerische Interaktionen zwischen den Föten.

Der Gedanke, der Tod eines Geschwisterchens – der einzigen immer präsenten Kontakt- und Bezugsperson neben der Mutter – würde unbemerkt an einem Fötus vorbeigehen, ist auch nach einer wissenschaftlichen Betrachtung also eher unwahrscheinlich. Vermutlich wundern sich die kleinen Wesen im Mutterleib nach dem Tod ihres Zwillings, dass der andere Herzschlag verstummt ist, der sie seit Anbeginn begleitet hat. Plötzlich ist es ganz schön still da drinnen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass so eine Erfahrung ganz ohne Auswirkungen auf das spätere Leben bleiben kann? Ist es nicht viel eher möglich, dass der Zwilling unbewusst immer weiter eine wichtige Rolle spielen wird?

Wie kannst du erkennen, ob da ein verlorener Zwilling war?

Ein verlorener Zwilling kann zu etlichen Symptomen führen. Der Leidensdruck des alleingeborenen Zwillings wird dadurch erheblich intensiviert, dass die Erinnerung an die Zeit als Neugeborener und die Zeit davor kaum vorhanden sind. Das führt dazu, dass Einschränkung der Lebensqualität auf unterschiedlichen Ebenen meist unbewusst sind und lange unentdeckt bleibt. Hier habe ich einige Symptome gesammelt, die dich feststellen lassen, ob du vielleicht einen ungeborenen Zwilling hattest.

Beziehungen und Partnerschaften für alleingeborene Zwillinge

• Eher freundschaftliche, geschwisterliche Beziehungen mit schwacher Erotik
• Intensive Freundschaften mit starker Identifikation und Nähe
• Unbefriedigendes Bedürfnis nach einem „besten Freund“
• Verlustangst oder umgekehrt: Selbst verlassen, um nicht verlassen zu werden
• Leichtes Verlieben und genauso schnelles Entlieben
• Hauthunger, Berührungsbedürfnis und ständiges Suchen von Nähe
• Symbiotische Partnerschaften in denen alles nur gemeinsam gemacht wird
• Wunsch nach einem Seelenpartner, ständige Suche nach dem passenden Partner
• Gefühlsarmut und Distanzgefühl
• Vermeidung von Alleinsein/Einsamkeit
• Häufiges (unbewusstes) Grenzüberschreiten und Unsensibilität bei Nähe/Distanz
• Kontrollsucht und Schwierigkeiten loszulassen
• Harmoniesucht und Konfliktvermeidung

Der Körper eines alleingeborenen Zwillings

• Myome, Fibrome und Zysten
• Hautveränderungen: Warzen, Kelloide
• Asymmetrisches Gesicht und Körper
• Doppelanlage von Organen
• Hoher Cortisolspiegel (Stresshormon)
• Schlafstörungen

Das Sozialleben eines alleingeborenen Zwillings

• Bedürfnis nach hoher Lebensintensität
• Risikosportarten, Adrenalinjunkie: High Sensation Seeker
• Suche und Wunsch nach Grenzerfahrungen
• Nomadenleben: Häufige Umzüge, Reiselust, Gefühl der Heimatlosigkeit
• Lebensmitteleinkauf und Kochen für viel mehr Menschen als nötig
• starke Bindung zu Tieren oder Kuscheltieren
• intensive Empathie und ausgeprägtes Mitleid

Die Psyche / Seele eines alleingeborenen Zwillings

• Panikattacken oder Depression
• Verlustängste oder Schuldgefühle
• Sinnlosigkeit oder innere Leere
• Gefühllosigkeit eigenen Empfindungen gegenüber
• Depersonalisierung, Ichverlust

Hast du erst einmal realisiert, dass du dein Leben eigentlich von einem Zwilling begleitet gewesen wäre, können die nächsten Probleme entstehen. Du fragst dich nun vielleicht bei jeder Kleinigkeit, wie es wohl mit deinem Geschwisterchen aussehen würde. Würdet ihr gemeinsam euren Schulabschluss machen? Würdet ihr euch gut verstehen und Seite an Seite durch das Leben gehen? Wie würde er oder sie überhaupt aussehen? Du siehst: Dieses unterschätzte Trauma ist vielseitig und weitreichend.

Das Gespräch mit deinen Eltern bringt nicht zwangsläufig Licht ins Dunkel. Viele Mütter reagieren irritiert oder sogar abwehrend auf die Frage nach einem verlorenen Zwilling. Außerdem wissen viele Mütter gar nicht darüber Bescheid, dass es da noch jemanden gab.

Der beste Weg, um herauszufinden, ob du einen verlorenen Zwilling hast, ist die Selbstdiagnose.

Dafür musst du jedoch unbedingt andere Kindheitstraumata ausschließen. Die Symptome können nämlich auch anderen Ursprungs sein: Vielleicht wurden sie von einem ganz anderen traumatischen Erlebnis, wie anderen Verlusten oder Übergriffen, verursacht. Vielleicht war es gar nicht dein Zwilling, der verstorben ist.

Manchmal lösen bei Frauen auch Schwangerschaftsabbrüche oder Zwillingsverluste in einer eigenen Schwangerschaft Symptome wie bei einem verlorenen Zwilling aus. In Rückführungssitzungen, unter Hypnose und bei Atemtherapien habe ich mit Klienten auch erlebt, dass ihre Beschwerden sogar aus früheren Generationen übernommen werden können, sie werden sozusagen epigenetisch übertragen.

Auch eine Adoptionen oder frühe Kindstode eines Geschwisterchen werden mit diesen Symptomen in Verbindung gebracht.

Eine andere Diagnosemöglichkeit: Einige Klienten berichteten mir, dass sie erst über eine ärztliche Untersuchung mit Gewebeentnahme von ihrem Zwilling erfahren haben. Die Analysen der Biopsie (beispielsweise von einem entfernten Muttermal, einer Zyste oder ähnlichen Gewebeproben) ergaben, dass sich darin embryonales Zellgewebe befand. So erfuhren die Betroffenen erstmals, dass sie ein alleingeborener Zwilling waren.

Heilungs-Impuls: Erkenntnisfragen zum verlorenen Zwilling

Um nun sicherzugehen, ob du wirklich einen verlorenen Zwilling hattest, stelle dir folgende Fragen:

  • Was bewirkt die Annahme, ich hatte einen Zwilling, in mir?
  • Ergibt nun alles einen Sinn und du verstehst manches?
  • Fühlst du dich irgendwie erleichtert und gleichzeitig traurig?
  • Hast du das Gefühl, eine Art inneres Rädchen beginnt sich zu drehen und eine Veränderung in Gang zu bringen?

Höre hierbei auf dein Bauchgefühl, beachte deine sensiblen Wahrnehmungen. Wenn die Annahme richtig ist, werden auch die Heilungsmöglichkeiten fruchten und es wird dir bald besser gehen.

Hier kommst du zum 2. Teil der Artikelserie über verlorene Zwillinge: Die möglichen Symptome (ausführlich).

Zur Verarbeitung des Verlusts nutze das 6-Punkte-Programm zur Heilung des Traumas, das ich dir in Teil 3 der Artikelserie über verlorene Zwillinge beschrieben habe.

LOVE,
Anne