Viele Menschen fürchten sich vor ihr: Die Einsamkeit ist das Schreckgespenst der modernen Gesellschaft. Während früher noch Großfamilien zusammenlebten und sich die Generationen gegenseitig kümmerten, gibt es mittlerweile immer mehr Singlehaushalte. Menschen jeden Alters leben also zunehmend alleine. Das muss aber nicht zwingend auch ein Gefühl der Einsamkeit bedeuten.

Stattdessen gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit: Hin und wieder alleine zu sein, ist unverzichtbar, damit der Geist zur Ruhe kommen kann. Wer stets in Gesellschaft ist, verliert sich irgendwann selbst aus den Augen. Jeder Mensch braucht daher Zeiten, in welchen er alleine ist.

Einsamkeit lässt dir hingegen keine Wahl.

Wenn du einsam bist, kannst du also nicht frei entscheiden, ob du nun alleine sein möchtest oder nicht. Es gibt da schlichtweg niemanden, der gerade Zeit für dich hätte. Vor allem aber entsteht das Gefühl der Einsamkeit aus der Erkenntnis, dass niemand wirklich für dich da ist, sprich auf einer tiefergehenden Ebene als den reinen Zeitvertreib. Niemand also, der sich um dich Sorgen macht. Niemand, der ein offenes Ohr für deine Worte hat. Niemand, der dich in den Arm nimmt, wenn du dich erschöpft oder verzweifelt fühlst.

Das Spannende an dieser Thematik ist, dass dieses Gefühl der Einsamkeit auch dann entstehen kann, wenn du dich in Gesellschaft befindest. Es kommt also weniger auf die Quantität der sozialen Kontakte an als auf die Qualität. Das bestätigt auch die wohl berühmteste Studie zum Thema Lebensglück. In der sogenannten „Grant and Glueck Study“ haben Forscher entsprechende Personen mehr als 80 Jahre lang auf ihrem Lebensweg begleitet und kamen dabei zu derselben Erkenntnis: Qualitativ hochwertige soziale Beziehungen sind der wichtigste Faktor, wenn es um das individuell empfundene Glück geht. Im Umkehrschluss bedeutet das:

Wer einsam ist, wird dadurch unglücklich und krank!

Wenn die Einsamkeit also eher zur Regel als zur Ausnahme wird, kann sie die Lebensqualität enorm verringern. Nicht nur das: Sie soll sogar tödlicher sein als das Rauchen. Um rund 50 Prozent höher ist die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes, wenn Menschen sich dauerhaft einsam fühlen. Diese Todesfälle resultieren einerseits aus der Selbsttötung, andererseits aber auch vermehrt aus Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Es wird vermutet, dass Einsamkeit ähnlich einer Depression das Immunsystem schwächt und somit anfälliger für entsprechende Erkrankungen macht. Zudem kann Einsamkeit natürlich in einer solchen Depression resultieren. Der Einsamkeit zu entrinnen, ist somit für dein Lebensglück und deine Gesundheit essentiell.

Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl

Natürlich ist das Risiko, von Einsamkeitsgefühlen betroffen zu sein, bei alleinlebenden Menschen höher. Kein Wunder also, dass wir auf eine einsame Gesellschaft zusteuern. Vor allem im hohen Lebensalter wird Einsamkeit zunehmend zum Problem. Aber auch in Großstädten, und das, obwohl es dort eigentlich mehr als genug Menschen gibt.

Einsamkeit ist also vor allem eines: Ein subjektives Gefühl, das bei jedem Menschen in jeder Lebenssituation auftreten kann oder eben nicht. Während sich manche Personen schnell einsam fühlen, können andere problemlos jahrzehntelang alleine leben, ohne darunter zu leiden.

Nimmst du solche Einsamkeitsgefühle wahr, ist es daher interessant, einmal nach deinen individuellen Gründen für das Leid zu suchen. Fakt ist nämlich: Wer einsam ist, der leidet! Du solltest daher unbedingt schnell handeln und die Einsamkeit als Lehrmeister begreifen.

Was dich die Einsamkeit lehren kann…

…ist somit, deine eigenen Gefühle wahr- und ernst zu nehmen. Zeitgleich geht es darum, Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Einsamkeit zu entkommen. Das kannst du schaffen, garantiert! Hast du es erst einmal geschafft, wirst du gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen.

Dann hast du gelernt, dass du alleine etwas bewirken kannst. Ohne die Hilfe von anderen Personen und ohne in Selbstmitleid zu versinken oder dich deinem scheinbar einsamen Schicksal hinzugeben. Die Einsamkeit zwingt dich dazu, dich sozusagen selbst am Schopf aus der Misere zu ziehen. Dadurch wirst du in Zukunft selbstbewusster und weniger abhängig von anderen Personen sein.

Fortan kannst du also besser alleine sein, musst aber nie wieder einsam sein. Genau dieser kompliziert anmutende Zustand ist jener, den alle Menschen anstreben sollten: Unabhängig und frei sein, allein sein können, aber eben als bewusste Entscheidung und nicht, weil es an qualitativ hochwertigen sozialen Beziehungen fehlt.

Die Einsamkeitsgefühle als Chance begreifen

Wenn du dich einsam fühlst, hast du also zwei Möglichkeiten: Entweder du verkriechst dich in Scham, Selbstmitleid und Resignation, womit du dich in eine Abwärtsspirale begibst. Oder du nimmst die Einsamkeit als Chance, um als Persönlichkeit zu wachsen.

Daher solltest du dich erst einmal auf die Ursachenforschung begeben. Manchmal entsteht Einsamkeit schlichtweg aufgrund zu weniger sozialer Kontakte. Vielleicht bist du kürzlich in eine neue Stadt gezogen, wo du niemanden kennst. Oder du arbeitest momentan nicht beziehungsweise im Homeoffice, sodass du deinen (Arbeits-) Alltag ohne Kollegen verbringst. Oder du hast keine eigene Familie und lebst alleine. Oder du bist alleinerziehende Mama mit drei Jobs und hast keine Zeit für Freunde beziehungsweise eine Partnerschaft. Die Liste ist lang. Oft kommen sogar mehrere Komponenten zusammen.

Ein anderes Mal musst du dir hingegen ehrlich eingestehen, dass du an deiner Situation selbst schuld bist. Vielleicht hast du aufgrund von Komplexen oder negativen Verhaltensweisen deine Freunde vergrault. Möglicherweise hast du deine Kontakte nicht gepflegt. Eventuell sabotierst du, bewusst oder unbewusst, deine Liebesbeziehungen. Die Liste an Beispielen ist lang. Stell dir daher die offene Frage, wann und weshalb du einsam geworden bist. Auch, wenn dieser Prozess schmerzhaft sein mag, so ist er der erste Schritt auf dem Weg aus der Einsamkeit.

Finde heraus, was dich glücklich macht!

Nur, wenn du die Ursachen kennst, kannst du den ungeliebten Zustand nämlich dauerhaft beseitigen. Du kannst an deinen Komplexen arbeiten und somit endlich eine harmonische Liebesbeziehung führen. Oder du suchst gezielt nach neuen Kontakten, aus welchen Freundschaften entstehen können, beispielsweise durch einen neuen Job oder ein Hobby.

Dennoch braucht dieser Prozess Zeit, denn Freundschaften müssen sich erst entwickeln. Sie müssen wachsen wie eine Pflanze, bis ihre Wurzeln eine tiefe Ebene erreicht haben. Jene Ebene also, welche den sozialen Beziehungen die gewünschte Qualität verleiht und nach der sich jeder Mensch sehnt: Verständnis, Rückhalt, bedingungslose Liebe. Genau darum geht es schlussendlich!

Wer alleine lebt und unter Einsamkeitsgefühlen leidet, kann diese zudem durch ein Haustier lindern. Denn dadurch wird ebenfalls das sogenannte „Liebeshormon“, das Oxytocin, ausgeschüttet, welches dich auch in sozialen Beziehungen glücklich macht. Das Streicheln über das Fell, der Augenkontakt, das Sprechen mit dem Hund, das Schnurren der Katze: All das kann zwar keine zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen, durchaus aber deine Lebensqualität merklich erhöhen. Einige Haustiere wie der Hund oder das Pferd zwingen dich zudem dazu, das Haus zu verlassen. Du wirst mit anderen Hunde- oder Pferdehaltern ins Gespräch kommen und vielleicht hier neue Freundschaften schließen.

Es gibt nicht den einen Weg aus der Einsamkeit, sondern viele…

…und daher liegt es an dir, herauszufinden, was dich glücklich macht. Denn jeder Tag in Einsamkeit ist eine Verschwendung deiner kostbaren Lebenszeit und zugleich eine Gefahr für deine Gesundheit. Hast du hingegen Freunde, Familie und ausreichend soziale Kontakte, fühlst dich aber dennoch frustriert und einsam, solltest du dir folgende Frage stellen: Haben diese Kontakte eine zu geringe Qualität oder sind eventuell meine Erwartungen zu hoch?

Manche Menschen erwarten schließlich, dass sich die ganze Welt um sie dreht. Sie vergessen dabei, dass auch ihre Freunde, Partner & Co eigene Probleme, Sorgen, Selbstzweifel oder sogar Einsamkeitsgefühle haben. Sie haben vielleicht schlichtweg nicht ausreichend Zeit und Energie, um Tag und Nacht für dich da zu sein. Sie können dir auch nicht aus einer schwierigen Lebenssituation helfen. Das hingegen kannst und solltest du aus eigener Kraft schaffen.

Dann wirst du in Zukunft nämlich nicht mehr einsam, sondern nur alleine sein. Du wirst zufrieden sein, gelassen und glücklich. Du wirst deine Freunde und Familie nicht unter Erwartungsdruck setzen oder mit deiner eigenen Unzufriedenheit belasten. Du wirst alles in allem einfach ein angenehmerer Mensch sein. Ein Ruhepol. Ein Mensch mit positiven Energien. Selbstbewusst. Optimistisch. Ein Mensch also, mit dem sich andere Personen freiwillig umgeben möchte. Dann wirst du auch automatisch nie wieder einsam sein!