Gefühle bestehen zu einem großen Teil aus Körperwahrnehmungen. Deshalb ist es sinnvoll, den Körper bei der Veränderung dysfunktionaler Emotionen mit einzubeziehen. Dafür hat sich die PEP-Methode in meiner Praxis sehr bewährt. PEP ist die Abkürzung für Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie, eine Klopftechnik, die an der akuten Situation ansetzt (= Prozess) und den Körper miteinbezieht (= Embodiment). Die innovative Klopfmethode kann dir helfen, intensive Belastungen abzubauen. Denn für den hochsensiblen Körper sind stressige Situationen wirklich Gift. PEP verbindet Klopftechniken mit der gezielten Beeinflussung von unerwünschten Denkmustern.

Die PEP-Methode – Was ist das und wie geht das?

PEP steht dafür, dass Körper und Psyche sich gegenseitig beeinflussen. Deshalb können seelisch stark belastende Situationen zu körperlich wahrnehmbaren Krankheiten führen. Der Grund: Verspannungen und Blockaden behindern den freien Energiefluss in deinem Körper. PEP bringt das wieder ins Lot.

Erfunden hat die Methode Dr. Michael Bohne, – der Arzt entwickelte im Jahr 2008 die amerikanische Methode EFT weiter. Diese Emotional Freedom Techniques sind allerdings reine Klopftechniken – PEP geht darüber hinaus. PEP löst nicht nur mit Klopfen belastende Emotionen auf, sondern zielt zudem auf die Veränderung von Denkmustern, die sich in uns festgesetzt haben und sich negativ auswirken.

Dabei nutzt PEP Akupunkturpunkte, deren mechanische Beeinflussung durch Klopfen und Reiben blockierte Energie wieder ins Fließen bringt. Das reduziert Stress und kann von jedem selbständig angewandt werden.

Je nach Problemlage erfolgt dabei die Wirkung sehr rasch. Bei weniger festsitzenden Blockaden oder in akuten Stresssituationen wurden schon nach 15 Minuten erste Erfolge erzielt. Andererseits kann es für gravierende Probleme auch Wochen oder Monate benötigen bis zur Auflösung. Geduld ist hier wichtig – und die regelmäßige Anwendung der Methode. Zudem kommt der Erfolg oft schleichend, sodass der Klient ihn erst dann wahrnimmt, wenn er in einer herausfordernden Stresssituation plötzlich bemerkt, dass er nicht mehr mit den gleichen Verhaltensmustern oder emotionalen Belastungen reagiert, wie früher.

Anwendungsgebiete der PEP-Methode:

  • Reduzierung von Ängsten
  • Selbstvorwürfe und Vorwürfe anderen gegenüber
  • Stressbewältigung
  • Erwartungshaltungen an andere Menschen
  • Selbsterniedrigung
  • Ungesunde Empathie (Verbundenheit mit dem Leid anderer)

Viele Probleme, unter denen hochsensible Menschen leiden, haben etwas mit der inneren Einstellung sich selbst gegenüber zu tun. Hinzu kommt, dass sie oftmals noch nicht genug Selbstfürsorge entwickelt haben und dass ihre Selbstakzeptanz gering ist. Mit PEP kann sich daran schnell etwas ändern.

Der theoretische Background der PEP-Methode

Aufgrund der raschen Wirkung nutzen immer mehr Menschen PEP direkt vor oder nach stressigen Situationen. Denn PEP kann bei genug Erfahrung vor den schädlichen Auswirkungen von zu viel Stress schützen. Wichtig dabei: Du entscheidest, was stressig für dich heißt. Jeder Mensch ist anders und geht demzufolge auch anders mit Belastungen um. Eines aber haben alle Menschen gemeinsam: In ihrem Gehirn laufen Prozesse ab, die sich beeinflussen lassen. Verschiedene Areale des Gehirns sind dabei zuständig für unterschiedliche Arten von Prozessen.

Wirkweisen der Klopftechnik

  • Das Berühren der Haut setzt stressreduzierende Hormone wie das Glückshormon Dopamin frei (neuro-hormonale Wirkung)
  • Die Stimulation der Fingerkuppen und Gesichtshaut führt zur stärkeren Durchblutung der Großhirnrinde und stimuliert damit kognitive Prozesse (Durchblutungs-Wirkung)
  • Die Berührung durch sich selbst reduziert das Stresslevel deutlich, sodass die Merkfähigkeit steigt. (selbstberuhigende Wirkung)
  • Das Limbische System im Mittelhirn, das im Zusammenhang mit Emotionen steht, reagiert durch die Klopfreize mit Auflösung alter Gefühlsverknüpfungen (neuro-biologische Wirkung)

Aber Achtung: Nicht immer ist die Methode, die ich dir hier vorstelle, völlig harmlos. Diese Anleitung ist lediglich ein Vorschlag zur Selbsthilfe. Bitte sei dir bewusst, dass gerade bei extrem belastenden Situationen aus deiner Vergangenheit auch sehr starke Emotionen auftreten können. Dann solltest du das Thema besser mit einem erfahrenen Coach oder Therapeuten behandeln.

Wann du PEP keinesfalls anwenden solltest:

  • akute Psychose
  • schwere Persönlichkeitsstörung
  • bei Trauma vom Typ II – konsultiere einen Trauma-Therapeuten!

So funktioniert die Klopftechnik PEP ganz praktisch

Im Lauf eines Lebens kommt es immer wieder zu extrem belastenden Situationen. Die Situationen selbst lassen sich vielleicht schwer umgehen, doch ihre Auswirkungen kannst du aktiv beeinflussen. Das geht bei kurzfristigem Stress (mit welcher Ursache auch immer) sowohl vor als auch nach der belastenden Situation. Du kannst die PEP-Methode allein anwenden oder auch die Hilfe eines erfahrenen Coachs suchen. Versuchst du es allein, kannst du aber kaum etwas falsch machen. Zumindest wirkt das Klopfen als eine Übung zu mehr Selbstakzeptanz. Im besten Fall bist du auf dem Weg zu mehr körperlicher und geistiger Gesundheit ein Stück weiter.

Vor allem ist für PEP Ruhe wichtig. Dich sollte nichts stören, weshalb auch die Ausübung von PEP entweder vor oder nach einer stressigen Situation erfolgt. Mittendrin kannst du es versuchen – allerdings ist dann die Gefahr der Ablenkung zu groß. Außerdem solltest du wissen, wo die wichtigen Klopfpunkte liegen. Mach dich zuerst mit ihnen vertraut:

  1. Handrücken, zwischen dem Knochen des kleinen und des Ringfingers
  2. Handkante
  3. Nagelkante kleiner Finger (innen)
  4. Nagelkante Mittelfinger (innen)
  5. Nagel Zeigefinger (innen)
  6. Daumennagel innen
  7. Mitte zwischen den Augenbrauen, ca. 1 cm höher
  8. Innerer Rand der Augenbraue
  9. Außen neben dem Auge
  10. Mittig direkt unter dem Auge
  11. Mittig unter der Nase
  12. Grube mittig unter den Lippen
  13. Direkt unter dem Schlüsselbein
  14. Mitte unterm Rippenbogen
  15. Unter dem Arm, ca 20 cm unter der Achsel
  16. Mitte des Brustbeins

Und schließlich der Selbstbestätigungspunkt: Über der linken Brust, ungefähr drei Fingerbreit unter dem Schlüsselbein.

Du kannst die Punkte zur Vorbereitung der Übung einige Male ertasten. Im Allgemeinen finden sie sich leicht, denn sie schmerzen bei festerer Berührung ein kleines bisschen. Die Klopfpunkte müssen nicht genau getroffen werden, Millimeterarbeit ist nicht gefragt.

Geklopft wird bei derr PEP-Methode sanft und spürbar mit 2-3 Fingern, so dass sich die entsprechenden Punkte angenehm anfühlen. Die meisten Punkte können sowohl rechts, als auch links geklopft werden, probiere aus, was für dich passend ist, indem du die Seiten auch wechselst.

Durchführung der Methode

1. Zunächst ist es für die erfolgreiche Anwendung der Klopftechnik wichtig, sich für ein Thema zu entscheiden. Dafür eignen sich viele Situationen:

  • Eine konkrete Situation der Vergangenheit, die dich noch belastet.
  • Eine belastende Emotion, die du gerade jetzt akut spürst.
  • Eine Situation in der Zukunft, die du fürchtest.

Falls du eine Situation aus der Vergangenheit auswählst, dann nimm bitte eine ganz spezifische Situation. Es ist zum Beispiel keine spezifische Situation, wenn du “Mein Kollege hat mich übergangen!” bearbeitest. Korrekt wäre: “Mein Kollege hat mich beim Kundenmeeting im Januar übergangen, als ich den richtigen Lösungsvorschlag gemacht habe und ihn danach für seinen ausgegeben.“ Nimm das Stress-Thema, das für dich jetzt im Vordergrund steht. Dann schaue welche Gefühle das Thema bei dir jetzt auslöst. Erfahrungsgemäß sind das meistens Angst, Ärger, Wut, Trauer, Schuld, Scham, Resignation, Ohnmacht oder Verzweiflung. Manchmal auch ein Gefühl von Zorn, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit oder Trotz.

2. Fokussiere dich nun auf dein Thema. Du weißt am besten, was dich belastet. Und es gibt bestimmt eine Situation, in der du dich damit sehr unwohl gefühlt hast. Erinnere dich daran, selbst wenn es schwerfällt. Geh gedanklich in die Situation hinein, bis du sie genau nach- oder wiederempfinden kannst.

3. Nun ordne die Stärke der Belastung, die du jetzt fühlst, auf einer Skala ein. Die Skala geht von eins bis zehn, wobei zehn die intensivste Belastungsstufe ist.  Auf diese Weise kannst du später überprüfen, ob und wie stark sich dein belastendes Gefühl verändert hat.

4. Zunächst wird vor dem Beginn des Klopfens ein Einstimmungssatz gesprochen. Dieser Satz verhindert, dass dein Unterbewusstes mögliche Veränderungen verhindert. Der Einstimmungssatz beginnt immer mit „Obwohl ich … diese Angst/dieses Problem usw. habe, liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

Wichtig ist, dass der Satz gleichzeitig ein hohes Maß an grundsätzlicher Akzeptanz deiner Eigenart, deines Selbst beinhaltet. Der Inhalt ist persönlich und variabel, wobei das Satzmuster immer das Gleiche ist: „Auch wenn ich… (Zweifel, Vorwurf, Ängstlichkeit, Gefühl von Inkompetenz etc. habe) … liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“

Beispiele:

  • „Auch wenn ich erwarte, dass andere von selbst draufkommen, wie ich Anerkennung bekommen will, liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich mir eine neue Idee gar nicht so richtig zutraue, liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich mir vorwerfe, nicht anfangen zu können, weil ich viel Angst habe, Fehler zu machen und deshalb kritisiert / abgelehnt zu werden, liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“
  • „Auch wenn ich mich nicht traue, bessere Ideen als andere zu haben, liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“

Am besten sagst du dir diesen Satz laut. Massiere nun den Selbstakzeptanzpunkt. Dazu wird diese Stelle mit den Fingerkuppen deiner rechten Hand gerieben – so, als wolltest du eine Creme dort verteilen. Als Alternative kannst du beim Sprechen dieses Satzes auch mit der äußeren Handkante die andere Handkante beklopfen.

5. Nachdem du so deine Selbstakzeptanz gestärkt hast, beginnst du mit dem Klopfen der Klopfpunkte. Erfühle die Punkte (es reicht, wenn du die im Umkreis von 5 cm triffst) und klopfe leicht mit den Fingerkuppen dagegen. Benutze dazu zwei bis drei Finger und lege zwischen allen Punkten eine kurze Pause ein, in der du erfühlst, was in dir geschieht. Die ganze Sitzung sollte nie rein mechanisch erfolgen: Sie dient immer auch der Selbstreflexion. Schmerzt ein Punkt mehr als die anderen oder tut die Behandlung ihm spürbar gut, verweile hier ein wenig länger.

Wichtig zu wissen: Es ist ziemlich egal, auf welcher Körperseite du klopfst und ob du die Reihenfolge genau einhältst spielt erfahrungsgemäß auch keine Rolle. Je öfter du klopfst, umso mehr wird sich der Ablauf automatisieren

6. Am Ende der ersten Klopfunde horche wieder in dich hinein: Nach einer weiteren Pause und einem tiefen Durchatmen wiederholst du die Frage vom Anfang und die Einordnung auf der Skala. Frage dich: Wie haben sich deine Gefühle verändert? Wie stehst du jetzt du dem Thema? Es folgen weitere 3-7 Klopfzyklen, solange bist die Erinnerung an die belastende Situation nicht mehr schmerzhaft für dich ist und sich deine negative Emotion aufgelöst hat. Damit ist dann das Thema fertig bearbeitet.

Die PEP-Methode als wirkungsvolles Instrument zur Selbsthilfe

Richtig eingesetzt kann die PEP-Methode viel bewirken. Die Lösung innerer Blockaden führt zu mehr seelischer Zufriedenheit und körperlicher Gesundheit. Dabei kann die Klopfmethode herkömmliche Therapien unterstützen, aber auch separat eingesetzt werden.

Damit ist Klopftechnik der PEP-Methode eine sanfte, aber wirkmächtige Methode zur Selbsthilfe. Mittlerweile wird sie von immer mehr Psychotherapeuten, Coaches und Heilpraktikern empfohlen. Wenn du die Beseitigung innerer emotionaler Blockaden anstrebst, solltest du die PEP-Methode ausprobieren.

Herzlichst
Anne