Wie Mitgefühl die Liebe stärkt

Auf die Frage, was in einer Partnerschaft wichtig ist, wird häufig mit den Begriffen Liebe, Treue, Vertrauen, Humor, gleiche Interessen und Hobbys geantwortet. Doch einen entscheidenden Einfluss darauf, ob eine Liebesbeziehung auch für einen Empathen dauerhaft glücklich ist, hat auch die Empathie, welche die Partner sich gegenseitig entgegenbringen. Der Eindruck, selbst vom Partner verstanden und angenommen zu werden und die Fähigkeit, deinem Partner mitfühlend zu begegnen, dich in ihn hineinversetzen zu können, ihn nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen und seine Gefühle nachzuempfinden, führt zu einem tiefen und verbundenem Wir-Gefühl in euer Beziehung. Als Empath musst du darauf achten, mit deinen tiefen Gefühle nicht allein zu sein.

Die Bedeutung der Empathie in der Partnerschaft

Wenn Gespräche innerhalb der Partnerschaft sich dauerhaft oberflächlich auf Erlebnisse oder andere Menschen beziehen, führt dies im Laufe der Zeit häufig zu Unzufriedenheit in der Beziehung. Besonders für hochsensitive Empathen ist es wichtig in ihrem Lebenspartner einen adäquaten Gesprächspartner zu haben, der in der Lage ist, seine Gefühle zumindest auszudrücken, selbst wenn sie nicht die gleiche Tiefe, wie die eines Empathen besitzen. Wünschst du dir in deiner Beziehung tiefgründige Gespräche und das Gefühl von deinem Partner angenommen und verstanden zu werden, aber auch selbst zu spüren und zu verstehen, was in deinem Partner vorgeht?

Auch in der Partnerschaft ist dein intensives Mitgefühl ein wundervolles Geschenk.

Sind das nicht herrliche Fähigkeiten?

Vorteile durch empathisches Miteinander und Auswirkungen auf deine Beziehung:

  • Du kannst dich völlig von deiner eigenen Perspektive lösen, kannst dich in deinen Partner hineinversetzen und nachempfinden, was er in der Situation spürt.
  • Dadurch wird eine große emotionale Nähe zwischen dir und deinem Partner möglich.
  • Auch ohne viele Worte und Erklärungen, kann dir die Empathie helfen, Empfindungen deines Partners zu spüren.
  • Du erkennst Situationen, in denen er sich glücklich oder unwohl fühlt und kannst seine Reaktionen besser nachvollziehen.
  • Empathisches Miteinander führt außerdem zu größerer Rücksichtnahme. Du weißt, in welchen Situationen dein Partner sich unwohl fühlen könnte und kannst diese entsprechend vermeiden.
  • Du kannst mit deiner Fähigkeit dich in den Partner hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wie es ihm geht, ein starkes Wir-Gefühl erzeugen.
  • So schaffst du eine Situation der Geborgenheit und Sicherheit.
  • Mit Empathie kann sich eine vielleicht zunächst nur oberflächliche Verbindung zu einer tiefen Verbundenheit entwickeln.
  • Wenn Probleme auftreten, wird es dir und deinem Partner leichter fallen, darüber zu sprechen, da ihr wisst, dass der Partner nicht verurteilt oder ignorant, sondern verständnisvoll und mitfühlend reagiert.
  • Dein Partner wird sich dir lieber anvertrauen, statt die Dinge mit sich selbst auszumachen, wenn er weiß, dass du ihn verstehst.
  • Streitigkeiten lassen sich schneller lösen oder sogar ganz vermeiden, da du nicht starr auf deine Sichtweise fixiert bist.
  • Empathische Menschen sind häufig friedliebend. Das bedeutet nicht, dass sie Konflikte scheuen und Probleme ungelöst vor sich herschieben. Im Gegenteil, sie sind lösungsorientiert und es fällt ihnen leichter eine Lösung zu finden, die für beide Seiten befriedigend ist.

Mit gelebter, reifer Empathie lassen sich Vorwürfe und überflüssige Konflikte vermeiden, wenn du zum Beispiel abends ausgehen möchtest, während dein Partner sich nach einem anstrengenden Tag lieber auf der Couch ausruhen möchte oder wenn dein Partner um die Erhaltung seines Arbeitsplatzes bangen muss, während du gerade befördert wurdest.

Auch wenn deinen Partner etwas bedrückt und er noch nicht so weit ist, sich auszudrücken und mit dir darüber zu reden, ermöglicht dir die Empathie zu spüren, dass deinen Partner etwas bewegt und was er jetzt gerade braucht. Du kannst ihm dann vermitteln, dass du da bist und er sich dir offenbaren kann, wenn er das möchte.

Was es beim empathischen Umgang miteinander zu beachten gibt

Emphatisch zu sein bedeutet nicht, dass du deinem Partner alle Lasten abnehmen sollst, da du ihn ja so gut verstehst. Nein, lass ihn seine eigenen Erfahrungen machen und Entscheidungen treffen. Bitte versuche auch nicht, ihn mit Ratschlägen zu überhäufen. Ratschläge können nämlich nicht nur gut gemeinte Tipps sein. Ratschläge können auch Schläge in verbaler Form sein. Übermäßig viele oder beharrlich wiederholte ungewünschte Ratschläge können dazu führen, dass dein Partner sich bevormundet oder unfähig fühlt, Probleme selbst zu lösen. Das kann zum Rückzug führen. Wenn dein Partner einfach nur das Bedürfnis hat, mit dir zu reden und von dir verstanden zu werden, höre ihm einfach nur achtsam und bewusst zu. Es ist sinnvoller, ihm einfach nur zuzuhören und ihm Verständnis entgegenzubringen, als eine Lösung zu präsentieren. Du kannst ihm signalisieren, dass du ihm gerne mit Rat und Tat zur Seite stehst und er kann entscheiden, was ihm weiterhelfen würde.

Ein Ungleichgewicht kann entstehen, wenn ein Partner sehr empathisch ist und der andere eher zur Ichbezogenheit tendiert. Dieses Verhalten ist gar nicht so selten, da unsere Leistungsgesellschaft immer mehr darauf ausgelegt ist, dass Menschen sich selbst in möglichst kurzer Zeit beruflich und privat verwirklichen und Karriere machen. Empathie wird dann manchmal sogar als hinderlich empfunden. In diesem Fall solltest du darauf achten, dass es nicht zur Einseitigkeit kommt. Wenn es deinem Partner schwer fällt, empathisch auf dich einzugehen, solltest du ihn ohne Vorwürfe dazu ermutigen, sich in deine Situation hineinzuversetzen. Erzähle ihm von deinen Gefühlen und frage ihn, wie er sich in deiner Situation fühlen würde. Ermutige ihn dazu, deine Gefühle nachzuempfinden. So kann es euch mit der Zeit gelingen, eine Balance zu finden, um beide auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu achten, aber auch empathisch auf den Partner zuzugehen.

Will dein Partner seine empathischen Fähigkeiten stärken?

Natürlich sind nicht alle Menschen gleich. Dem einen fällt es sehr leicht, sich in seinen Partner hineinzuversetzen und der andere tut sich sehr schwer damit. Es hängt auch davon ab, wie stark die Empathie-Fähigkeit schon im Kindesalter gefördert wurde. Doch die empathischen Fähigkeiten lassen sich auch im Erwachsenenalter noch schulen. Hierzu haben wir für deinen Partner einige Tipps:

  • Übe aktiv zuzuhören. Es ist ein Unterschied, ob du nur etwas hörst oder das Gehörte verstehst und interpretierst oder aktiv zuhörst und das Verstandene mit eigenen Worten wiedergibst. Dadurch gibst du deinem Partner die Rückmeldung, dass du dich mit seinen Worten auseinandersetzt.
  • Wenn du versuchst, auf die Körpersprache deines Partners zu achten, während er dir etwas erzählt, wirst du bald ein Gefühl für das Zusammenspiel seiner Worte und seiner Körpersprache bekommen. Du wirst mit der Zeit feststellen, wenn sich etwas verändert oder Worte und Tonlage nicht zur Körpersprache passen.
  • Du wirst ein Gespür dafür bekommen, wenn es deinem Partner nicht gut geht oder ihn etwas bedrückt, aber auch wenn er besonders glücklich ist und du dich mit ihm über einen Erfolg freuen kannst.
  • Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung deiner empathischen Fähigkeiten, ist auch die Fähigkeit, deine eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu deuten und auszudrücken. Wenn du dich selbst besser verstehst, kannst du auch deinem Partner verständlicher machen, was dich bewegt.

Empathie – Was ist das eigentlich genau? Lies hier mehr darüber (klick auf den Link).

Lies mehr dazu in unserem Buch: Anne Heintze und Ananda Hummer: Die Gabe der Empathen: Wie Sie Ihr Mitgefühl steuern und sich und andere stärken.