Empathische Menschen sind besonders sensibel und besitzen ein natürliches Gespür für andere; sie empfinden die Emotionen anderer stärker nach. Genau das kann aber auch zu Problemen führen.

Die häufigsten Fehler empathischer Menschen sind:

Tun, was der andere will

Wer nicht den Interessen einer anderen Person entspricht, wird manchmal als nicht sehr empathisch kritisiert. Sensible Menschen nehmen sich das besonders zu Herzen und überdenken ihre Handlungsweisen kritisch. Wenn du empathisch bist, dann wird dich der Vorwurf, unsensibel zu sein, hart treffen und du hast vielleicht das Bedürfnis, dich den Wünschen des anderen anzupassen, weil du dich sonst als unhöflich oder unfreundlich empfindest. Es ist dein schlechtes Gewissen, was dich dazu bringt, etwas zu tun, was du möglicherweise gar nicht möchtest, von dem du aber glaubst, dass es verlangt wird. S

chließlich möchtest du Verständnis für deine Mitmenschen haben und deren Wünsche nicht ignorieren. Mache dir hierbei aber klar, dass die andere Person dich in diesem Moment manipulieren möchte. Verdeutliche, dass auch derjenige, der dir mangelnde Empathie vorwirft, nicht immer genau das tut, was andere von ihm wollen und dass du auch eigene Bedürfnisse hast. Lasse dich nicht erpressen und berücksichtige die Wünsche anderer nur, wenn du es für richtig hältst.

Du hältst andere Menschen auch für mitfühlend

Empathische Menschen sind oft sehr sozial eingestellt. Wirst du dann aber mit jemanden konfrontiert, der zwischenmenschliche Signale nicht erkennt und wenig sensibel agiert, dann kann deine eigene Sensibilität zum Nachteil werden. Bedenke, dass nicht alle anderen ebenso empathisch sind wie du und du eine sensible Denkweise nicht auf andere übertragen kannst. Du musst die Eigenarten wenig empathischer Menschen leider akzeptieren, auch wenn es manchmal schwer vorstellbar ist, dass jemand so wenig einfühlsam ist.

Wenn du den anderen bittest, dass er empathischer sein soll, wird dies kaum helfen, denn manche können einfach keine Empathie empfinden oder. Schon gar nicht so intensiv die du. Nutze vielmehr deine eigene Sensibilität und spiegle das Verhalten deines Gegenübers. Reagiert er nur auf klare Worte? Dann musst du dich bereitmachen, auch einen Konflikt auszuhalten. Wenn der andere nicht versteht, was du mit Andeutungen ausdrücken möchtest, dann ist es vielleicht notwendig, deine Wünsche direkt zu kommunizieren, auch wenn dir das unangenehm erscheint. Sei sicher: Du kannst das wirklich lernen, es ist reine Übung.

Du wirkst zu „weich“

Empathie wird häufig mit Verständnis oder Nachsicht verbunden. Manche Menschen sehen Empathie daher als eine Schwäche und als ein Zeichen für mangelnde Durchsetzungsfähigkeit. Empathie wird aber nicht nur beim Trösten oder Herstellen von Harmonie erforderlich sein, sondern auch bei der Teamarbeit oder bei Verhandlungen.

Du verstehst dank deiner Empathie, was in anderen Menschen vorgeht, kannst auf Wünsche reagieren und somit Konflikte konstruktiv lösen oder gar vermeiden. Empathie heißt also nicht, dass du immer nachgeben musst, sondern dass du mehr über andere weißt. Es ist wichtig, auch zu lernen, wann du „hart“, sprich konsequent sein musst mit deiner Meinung oder deinem Handeln.

Du lässt dich zu sehr beeinflussen

Das Hineinversetzen in andere ist im Menschen angelegt. Aber jeder hat andere Voraussetzungen und während manche viel Empathie besitzen, fehlt diese bei anderen. Die Gene und die Erziehung bestimmen, wie empathisch Menschen sind. Du solltest aber nicht glauben, dass du zu viel Empathie hast und dies als schlimmes Schicksal sehen, wenn du merkst, dass du oft sensibel auf andere reagierst.

Wenn jemand wütend ist und du möchtest die Person beruhigen oder traurigen Menschen Trost spenden, weinst aber schließlich mit, dann sind die Gefühle, die du übernimmst, so intensiv, dass sie dich überrumpeln. Statt dir weniger Empathie zu wünschen, solltest du darauf achten, genau zwischen deinen eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer zu unterscheiden. Denke daran, dass du nicht für andere verantwortlich bist.

Du vernachlässigst dich selbst

Wer zwar für andere sensibel ist, aber nicht für sich selbst, weiß häufig nicht, warum er sich schlecht fühlt oder kann eigene Emotionen und die emotionalen Schwingungen anderer nur schwer unterscheiden. Vielleicht bist du ein sehr sachlicher Mensch und empfindest Emotionen als störend oder du orientierst dich sehr stark an anderen. Versuche zu ergründen, was dir wichtig ist und wo du im Leben hinmöchtest.

Du versetzt dich zu sehr in andere hinein

Wenn du dir vorstellst, du wärst in der Situation eines anderen Menschen, kannst du ihn dann wirklich verstehen? Schließlich ist jeder anders und selbst in derselben Situation handeln Personen ganz individuell. Es ist gut, wenn du dir Gedanken über andere machst und versuchst, andere zu verstehen. Besser ist es aber, die andere Person direkt zu fragen, was sie denkt und warum sie sich so verhält.

Wenn du dich zu sehr in andere hineinversetzt kann das ein auf Dauer wahnsinniger Kraftakt werden, der langfristig deiner gesamten Lebensqualität schadet. Dieser Kraftakt erzeugt Stress, was sich auch messen lässt, denn dein Körper schüttet dann das Nebennierenhormon Cortisol (das wichtigste Stresshormon für Hochsensitive und Empathen) vermehrt aus.

Es macht für dein Hormonsystem keinen Unterschied, ob du deine eigenen Gefühle wahrnimmst, oder die eines anderen. Stresshormon bleibt Stresshormon, unabhängig von der Ursache.

Achte auf deine Bedürfnisse und deine emotionale Balance

Empathie kann eine wunderbare Gabe sein, aber auch eine Last, wenn es schwerfällt, mit dieser umzugehen. Achte darauf, deine eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und bedenke immer, dass nicht jeder auch so empathisch wie du ist.

Wie wichtig es ist, auch immer gut für dich zu sorgen, zeigt eine Untersuchung der Universität Alabama aus dem Jahr 2009. In dieser Studie wurden 800 Berufstätige untersucht. Das Ergebnis zeigte, dass diejenigen, die in ihrem Beruf besonders mitfühlend waren, nach Feierabend kaum noch in der Lage waren, soziale Beziehungen und Freundschaften zu pflegen, denn sie waren einfach zu ausgepowert. Wenn ein Empath nicht rund um die Uhr dafür sorgt, dass er eine emotionale Balance im Leben erreicht, führt das auf Dauer zu einem emotionalen Burnout.

Die ersten Anzeichen für ein emotionales Ausgebranntsein können sein:

  1. Du fühlst dich übermäßig angestrengt
  2. Du hast Schlafprobleme
  3. Du kannst dich nur schwer konzentrieren
  4. Du meidest soziale Kontakte
  5. Du bist schnell gereizt und abwehrend
  6. Du bist körperlich geschwächt
  7. Du hast vermehrt Immunerkrankungen
  8. Du verlierst die Lust an der Sexualität
  9. Du vernachlässigst deine Hobbys
  10. Du neigst zu Traurigkeit und Schwermut
  11. Du hast vermehrt Schwindel oder Kopfschmerz
  12. Du kannst dein Arbeitspensum nur schlecht leisten
  13. Du kannst dich nicht mehr so richtig freuen
  14. Du dämpfst dein Empfinden mit Alkohol o.ä
  15. Du vernachlässigst deine äußere Ordnung

Achte darauf, dass es nicht so weit kommt.

Empathie – Was ist das eigentlich genau? Lies hier mehr darüber (klick auf den Link).

Lies mehr dazu in unserem Buch: Anne Heintze und Ananda Hummer: Die Gabe der Empathen: Wie Sie Ihr Mitgefühl steuern und sich und andere stärken.

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