Mutig sein im beruflichen Umfeld – das mag sich vielleicht erst einmal merkwürdig anhören. Aber Mut ist genau das, was einen Angestellten und auch einen Freiberufler weiter bringt im Job. Nur die Mutigen machen auch Karriere. Zum Mut gehört es übrigens nicht, keine Angst zu haben. Doch wer mutig ist, der stellt sich genau dieser Angst, und überwindet sie.

Ja, es ist für einen hochsensiblen Menschen nicht immer einfach, zum Chef zu gehen, und ihm zu zeigen, wie viel mehr man kann als das, was er schon gesehen hat. Ja, es ist nicht immer einfach, seinen sicheren Job hinter sich zu lassen, und sich mit Hochsensibilität selbständig zu machen oder ein Unternehmen zu gründen. Doch den Mutigen gehört das Glück, heißt es. Und dies gilt nicht für die Liebe, sondern auch für das Arbeitsleben!

Mut beginnt oft im Kleinen!

Wer mutig sein will, muss nicht immer gleich das ganz große Projekt angehen. Mut beginnt oft im Kleinen, und da können sich Angestellte auch üben, später bei wichtigeren und größeren Gelegenheiten mutig zu sein. Wenn du nicht frei sprechen kannst, aber dir eine Präsentation bevorsteht, macht dir das Angst.

Das ist nachvollziehbar, diese Angst kann aber mit Mut überwunden werden.

Du kannst deine Präsentation üben, erst vor dem Spiegel, dann vor einer kleineren Gruppe. Such dir dazu Menschen aus deinem Freundeskreis, das sind häufig auch die Menschen, die am ehrlichsten zu dir sind. Vor diesen Menschen halte dann deine Präsentation, und werde dabei mutiger.

Schau nicht die ganze Zeit aufs Blatt oder auf den Bildschirm, sondern suche dir jemanden von den Zuhörern, der dir augenscheinlich gerne zuhört. Und genau diesen Menschen siehst du dann während deiner Probe-Präsentation immer wieder an. Bei deiner richtigen Präsentation machst du es genauso. Durch die Probeläufe müsste der Text sitzen. Und jemand, der dir gerne zuhört, der wird dich zugleich ermutigen, noch mutiger zu werden, während du die Präsentation halten wirst.

Mut gehört auch bei einem Bewerbungsgespräch dazu.

Sich gut zu verkaufen ist wichtig für dein Bewerbungsgespräch. Du musst dich von deiner besten Seite zeigen, und genau das, was du am besten kannst, an den Mann (oder die Frau) bringen. Auch ein solches Bewerbungsgespräch kann gut vorbereitet werden. Du suchst dir dazu jemand aus deinem Freundeskreis, der dich ins Kreuzverhör nimmt. Außerdem kannst du dir über das Internet die wichtigsten Fragen, die Personaler für Bewerbungsgespräche in deinem Berufszweig stellen, ansehen, und dazu vorab die Antworten vorbereiten. Es darf nur auf keinen Fall wirken wie auswendig gelernt!

Sei mutig in deinem Bewerbungsgespräch.

Erzähl dem Interviewer, was du am besten kannst. Und steh nicht nur zu dem, was du kannst, sondern auch zu deinen Schwächen, denn das zeigt, dass du mutig bist. Aber bitte: Als Hochsensibler solltest deine (vermeintlichen) Schwächen nicht besonders herausstellen, sondern vor allem deine Stärken als hochsensibler Mitarbeiter herausstellen. Vielleicht fällt dir das (noch) nicht leicht, wenn dein Selbstvertrauen noch nicht ausgeprägt ist, aber auch hier gilt: Übung macht den Meister.

Mut zu zeigen, bedeutet unabhängig zu sein!

Chefs wollen nur Ja-Sager, aber keine Mitarbeiter, die ihnen auch mal Kontra geben? Von wegen! Wer mutig ist, der hat auch das Risiko abgewogen, und sich dafür entschieden, dass es das Risiko wert ist. Mut zeigt, dass ein Mitarbeiter (oder Selbständiger) offen ist für etwas Neues, dass er reflektieren kann, und auch seinen Verstand einsetzt, um weiterzukommen. Natürlich gibt es Menschen, und auch Chefs und Kollegen, die Mut eher skeptisch sehen, und den Mutigen argwöhnisch betrachten.

Mitunter werden dem Mitarbeiter dann auch Knüppel zwischen die Beine geworfen, und dieser dadurch ausgebremst. Sollte dir das so gehen in dem Unternehmen, in dem du arbeitest, dann ziehe auch einen Wechsel in Erwägung. Dann kann das Unternehmen, in dem du arbeitest, womöglich nichts mit dir als Mitarbeiter anfangen. Doch was zunächst erst einmal als Bremse deiner Karriere aussehen könnte, ist vielleicht erst recht der Startschuss dazu.

Und wenn du ganz mutig bist, kannst du sogar darüber nachdenken, dich selbständig zu machen, und dein eigenes kleines (oder großes) Unternehmen zu gründen. Wer Mut hat, der kann Risiken besser einschätzen als jemand, der bei allem, was er tut, ängstlich ist. Wer Mut hat, hat auch Optimismus, und kann sich nach vorne bewegen, anstatt immer wieder den Rückwärtsgang einlegen zu müssen.

Das bedeutet nicht, dass es keine Rückschläge geben wird auf diesem Karriereweg. Doch es bedeutet, dich nicht von eventuellen Rückschlägen auf dem Weg zur Erreichung deiner beruflichen Ziele irritieren zu lassen.

Mut lässt sich lernen

Wer jetzt denkt, dass Mut etwas ist, was einem in die Wiege gelegt sein muss, der irrt sich. Mut ist etwas, was sich lernen, was sich antrainieren lässt. Wie sich ein Muskel trainieren lässt, damit er sich immer größerer Belastung stellen kann, so lässt sich auch Mut trainieren.

Dies ist auch die Ansicht vieler Psychologen, die davon ausgehen, dass Mut vor allem aus Übung und Erfahrung entstehen kann. So können aus einst ängstlichen Hochsensiblen eines Tages mutige Mitarbeiter oder sogar mutige Unternehmer werden.

Angst hält Menschen davon ab, ihren Weg zu gehen. Das gilt nicht nur für das Privatleben und das Liebesglück, sondern auch ganz besonders für die eigene Karriere. Wer Karriere machen will, der darf sich nicht von einer Angst davon abhalten lassen, sondern darf lernen, sie in Mut umzuwandeln.

Manches Mal bedeutet das, dass du lernen musst, risikoreicher zu sein und zu handeln. Manches Mal bedeutet das auch, dass du einfach ins kalte Wasser wirst springen müssen.

Lies dazu auch „Hochsensible und ihr Berufsalltag“ oder „Deine persönlichen Talente als Hochsensibler“.