Ein altbekanntes Sprichwort lautet „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Dieses Sprichwort entspricht zwar sicherlich nicht der privaten Sozialisation eines hochsensiblen Menschen – immerhin neigen sie zu einer ganz natürlichen Bescheidenheit und stehe nicht gerne im Vordergrund, vor allem, wenn sie introvertiert sind – doch trifft es im Berufsleben auf jeden Fall zu. Wer im Berufsleben ständig Bescheidenheit an den Tag legt und seine Eigenleistungen unter den sprichwörtlichen Scheffel stellt, der wird schneller von Vorgesetzten ignoriert und klettert dementsprechend die Karriereleiter sehr viel langsamer herauf als diejenigen Kollegen, die eine gutes Selbstmarketing beherrschen.

Dabei fällt es manchen Menschen sehr schwer zwischen selbstherrlicher Arroganz und subtiler Selbstpromotion sicher zu unterscheiden.

Diese Unterscheidung sollte jedoch von einem berufstätigen Menschen beherrscht werden. Übertriebenes Eigenlob ist sowohl ärgerlich als auch peinlich, subtile Selbstpromotion jedoch führt durch eine gesteigerte Aufmerksamkeit und fördert damit eine Zielerreichung.

Das gesunde Ausmaß zu treffen ist, entgegen der landläufig weit verbreiteten Meinung, nicht sonderlich schwierig. Auch hochsensible Menschen, denen die eigene Selbstdarstellung oft aus tiefstem Herzen widerstrebt, können die Fähigkeit der subtilen Selbstpromotion erlernen. Wer sich dagegen sträubt, sollte sich stets vor Augen führen, dass auch die besten beruflichen Leistungen ins Nichts führen, wenn kein Mensch Notiz davon nimmt. Beim Thema Eigenlob gilt die Maxime: Nur wer auffällt, fällt am Ende nicht durch ein möglicherweise vorhandene Raster und zieht bei beruflichen Karriereschritten nicht den Kürzeren.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Selbstmarketing

Wenn du im Berufsleben schon öfters gescheitert bist und die Gründe hierfür nicht kennst kann es durchaus sein, dass das Selbstmarketing der Grund ist. In meiner Zeit als Partnerin in einer Unternehmensberatung mit dem Fokus Executive Coaching habe ich schnell gelernt, dass falsche Bescheidenheit einer der größten Karrierekiller ist: Selbst hochqualifizierte Bewerber auf eine Stelle hatten schlechte Karten, wenn sie nicht in der Lage waren, ihre fantastischen Qualifikationen auch in einem Bewerbungsgespräch überzeugend darzustellen. Dann wurden durchaus einer weniger kompetenter Mitarbeiter eingestellt, nur weil der sich besser vermarkten konnte. Das Gleiche gilt für den Erfolg als Unternehmer oder Freiberufler.

Zwar wird Arbeitnehmern mit ausgeprägtem Geschick für Selbstmarketing gelegentlich auch eine geringere Moral zugesprochen, sie werden im Gegenzug jedoch auch für erheblich kompetenter gehalten als es bei bescheidenen Menschen der Fall ist. Der Ruf einer Person in Bezug auf die Kompetenz wird jedenfalls durch die Selbstpromotion gefestigt. Ein Mensch wird dann für kompetent gehalten, wenn er dies auch selbst von sich behauptet. Bescheidene Menschen hingegen haben eher einen guten Ruf in Bezug auf ihre (Arbeit-)Moral, doch dies bringt im Berufsleben eben nur sehr bedingt Erfolg mit sich.

Enormer Schaden durch übermäßige Bescheidenheit

Selbstpromotion erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl, da es sonst in angeberische Wichtigtuerei ausartet. In der Geschichte der Menschheit finden sich hierfür zahllose Beispiele, die von Alexander dem Großen über Katharina die Große bis hin George Washington reichen. So betitelte sich Alexander der Große selbst als „Sohn des Zeus“ und Katharina die Große las nur Briefe, die an sie als „ihre königliche Majestät“ gerichtet waren. George Washington als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bestand darauf, dass er mit „seine Hoheit Präsident der Vereinigten Staaten“ angeredet wurde.

Dies sind schlechte Vorbilder für eine gute Selbstpromotion, da Diven und Schaumschläger sich selbst eher nachhaltig schaden. Treue zu sich selbst ist die wichtigste Maxime bei dem Selbstmarketing, wobei es ebenfalls schadet, wenn du dich selbst klein machst. Auf Dauer kann sowieso kein Mensch das ständige Theater als Diva durchhalten, weil es auch sehr schnell zu einer richtigen Farce werden kann und extrem anstrengend ist, sich selbst ständig zu verstellen.

Darum geht es beim guten Selbstmarketing auch gar nicht.

Die kurzfristige Anerkennung bringt keinen Menschen weiter. Vielmehr geht es darum, auf Dauer einen guten Mehrwert zu erbringen und dies auch den Vorgesetzten „sehen“ zu lassen. Hierfür gibt es durchaus bewährte Möglichkeiten im Alltag, beispielsweise durch

  • Schriftliche Zwischenberichte sowie Fortschrittsmeldungen an den Vorgesetzten
  • Deutliche Wortmeldungen mit neuen und ausgearbeiteten Ideen in Meetings
  • Hilfsangebote an andere Kollegen, die zu einer positiven Mundpropaganda führen.

Die Regeln des Eigenlobs

Damit ein Eigenlob auch wirklich zum Erfolg führt müssen natürlich einige Punkte beachtet werden. Sechs Punkte gelten als Grundregeln beim Eigenlob.

  1. Punkt: Mehrwert für andere

Eine wichtige Kernregel des Selbstmarketings lautet, dass du nicht nur deine eigenen Taten bewerben solltest und dich schon gar nicht auf alten Erfolge ausruhen darfst. Stattdessen solltest du vordergründig die aktuellen Vorteile deines Wissens und Handelns für andere Menschen betonen.

  1. Punkt: Selbstbewusstsein ist Trumpf

Wenn du wirklich in der Lage warst, etwas Sinnvolles zu einer Thematik beizusteuern, darfst du nicht devot sein. Durch selbstbewusstes Auftreten kannst du zusätzlich zu dem Wissen noch punkten, während hingegen falsche Bescheidenheit eher Zweifel an deinen Fähigkeiten streut.

  1. Punkt: Direkt zum Thema kommen

Wenn es darum geht, sich selbst gezielt zu promoten, gehe keine Umwege! Bewahre dabei auf jeden Fall Stil und die vielberühmte Nonchalance. So wirst du auf dich aufmerksam machen können. Personen, die vielleicht überhaupt nichts mit der Thematik zu tun haben, sollten auch nicht von dir „belästigt“ werden. Der Gradmesser zwischen Spam und Nachricht mit echtem Mehrwert für diejenigen Personen ist schmal.

  1. Punkt: Höflichkeit ist ein Muss!

Um wirklich Mehrwert herüberbringen zu können ist Timing absolut unerlässlich. Wenn du jemanden ansprichst, dann muss auch die Gelegenheit dafür stimmig sein. Alles andere wird sehr schnell als unhöflich angesehen und schadet eher deinem Ansehen, als dass es dir Vorteile bringt.

  1. Punkt: Zeitverschwendung ist ein Tabu

Wenn es darum geht, Wissen weiterzutragen und durch Mehrwert zu punkten, solltest du direkt zum Punkt kommen. Vergiss hierbei niemals, dass die Zeit deines Gegenübers begrenzt ist und dass es sich mit der Aufmerksamkeitsspanne gleichermaßen verhält. Wenn du das Gefühl hast, dass dir Aufmerksamkeit geschenkt wird, solltest du diese Zeit auch direkt nutzen. Du darfst hierbei natürlich sehr gern engagiert und auch ein Stück weit leidenschaftlich agieren, allerdings solltest du direkt und konkret sein. Der weit verbreitete Irrglaube, dass vage oder generell formulierte bzw. etwas geheimniskrämerische Informationen das Interesse oder die Neugier des Gegenübers steigern, ist im Berufsleben absolut tödlich. Vielmehr wird diese Art als Zeitverschwendung betrachtet, die dazu führt, dass dir eher keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt wird.

  1. Punkt: Kontakt halten

Bedenke bitte immer, dass ein gutes Selbstmarketing ein stetiger Prozess ist. Es geht um eine Haltung gegenüber deinem beruflichen Umfeld, deinen Kollegen, Vorgesetzten, Kunden oder Mitarbeitern. Wenn es dir gelingt, dauerhafte Beziehungen aufzubauen und dementsprechend auch dauerhaft auf dem Radar der Anderen zu bleiben, hast du viel richtig gemacht deiner Sichtbarkeit für andere.

Lies dazu auch: „Beruf oder Berufung – Kann jeder Arbeitsplatz erfüllend sein?“.