Immer dann, wenn Spiritualität mit einer Absicht verbunden ist, birgt sie Gefahren.

Spiritualität ist trendy. Immer mehr Menschen beschäftigen sich heute mit spirituellen Lehren aus den verschiedensten Traditionen, beschäftigen sich mit meditativen Körpertechniken oder der Einübung bewusstseinserweiternder Wahrnehmungsmethoden. Nicht nur Suchende sprießen wie Pilze aus dem Boden, sondern auch viele andere, die Methoden und Techniken anbieten. Was die meisten Menschen auf diesem spirituellen Pfad miteinander gemeinsam haben, ist die Suche nach dem Einssein, Erleuchtung, nach etwas Größerem.

Sie haben also eine Absicht und sind keineswegs absichtslos.

Da stellt sich mir die Frage, welche Fallen diese Geisteshaltung mit sich bringt.

Was vor zwanzig Jahren noch vielen in unseren Breitengraden fremd war, ist heute ein Alltagswort geworden: Spiritualität. Immer weniger Menschen können mit westlichen religiösen Traditionen etwas anfangen und suchen nach dem Gefühl des Eins-Sein in exotischeren (von außen zugänglichen) Gefilden.

Einige Meditationstechniken, besonders aus Asien, helfen dabei, Körper und Geist zu entspannen, was gerade in so schnelllebigen Zeiten wie heute eine wichtige Hilfe sein kann. Manchmal bringen diese Übungen tiefe transpersonale Erfahrungen mit sich, die man in einem zerstreuten Alltag nicht haben könnte.

Hat man einmal diesen Bewusstseinszustand und intensiven Geistesblitz erlebt, der in einer Meditation oder anderen Übung entstanden ist, werden diese Techniken rasch zu einem ständigen Begleiter.

Was man sich früher von einem Gebet erhofft hatte, wird nun durch Meditation und mehr ins Zentrum des Lebens gerückt, wann immer man dazu Lust hat. Oft bringen regelmäßige Übungen in der Stille eine verstärkte Wahrnehmung mit sich, die Menschen plötzlich die Aura anderer Personen sehen oder die unausgesprochene Absicht eines anderen erkennen lassen.

Genau hier öffnet sich die Falle der Spiritualität.

Man erlebt einen Kick, einen Geistesblitz und sehnt sich plötzlich danach, mehr von dieser süßen Wahrnehmung kosten zu dürfen. Ein Wiederholen wird verlangt, was zu einem Kreislauf führt, der in ein regelrechtes spirituelles Suchtverhalten ausarten kann.

Man kratzt sozusagen nur an der Oberfläche und belohnt sich dafür mit einem High-Gefühl, das alle Sorgen vergessen lässt. Auch das positive Denken kann man zu dieser Form der Verdrängung zählen. Durch positive Denkmuster finden zwar weitere neuronale Verknüpfungen statt, die Glück und das Erleben von Glück fördern. Allerdings helfen positive Affirmationen keineswegs, wenn gleichzeitig die Augen vor der akuten Realität und ihren Schattenaspekten verschlossen werden.

Denn spirituelles Wachstum kann nur stattfinden, wenn man sich an die eigenen dunklen Schattenseiten heranwagt: Die Erlebnisse aus der Vergangenheit, die man am liebsten vergessen möchte, oder auch Eigenschaften, die man eigentlich nicht an sich entdecken will. Möchte man tatsächlich allumfassende Einheit finden, muss man zuerst in die Tiefen der eigenen Schatten eintauchen.

Dies ist meist ein schmerzhafter Prozess, doch er ist notwendig.

Denn nur durch das Geschehenlassen der (manchmal schmerzhaften) Wahrheit kann ein Mensch auf seinem Weg stetig wachsen.

Wir begleiten dich auf diesem Weg von Herzen gerne.

Anne Heintze