Das Leben kann manchmal ganz schön hart sein. Natürlich ist dir auch bewusst, dass Krisen einfach zu diesem Leben dazugehören. Allerdings gibt es viele Menschen, die von einer handfesten Lebenskrise ganz schön aus der Bahn geworfen werden. Es fühlt sich an, als würde das Leben mit der vollen Wucht ins Gesicht schlagen. Die Gefühle von Ohnmacht und Wut überwiegen, du haderst mit deinem eigenen Schicksal und leidest unter dem Verlust der Kontrolle über dein Leben. Du erlebst eine reine Gefühlsachterbahn aus Paralyse, Resignation, Aggression, Trauer und Angst. Das bemerkenswerte daran ist, dass es so viele unterschiedliche Arten der Krisen gibt, allerdings die Gefühle dabei bei den meisten Menschen mehr oder weniger gleich sind. Die Überwindung von Krisen führt schließlich zur Resilienz.

Das Modell der Gefühlsachterbahn

Von Psychologen werden die unterschiedlichen Phasen der Gefühle, die du in einer Krise erlebst, ebenfalls als Roller Coaster Ride bezeichnet, also als eine Achterbahnfahrt der Gefühle – diese gestaltet sich abhängig davon wie viel Niederlagen und erneute Anstrengungen aufeinander folgen.

Es ist dabei interessant, dass für alle möglichen Arten von Traumata die Phasen, die durchlaufen werden, ähnlich sind, ganz egal, ob es sich um den Verlust eines Arbeitsplatzes, den Tod eines Menschen oder Liebeskummer handelt. Der Verlauf der Achterbahnfahrt gestaltet sich nahezu immer ähnlich.

Natürlich macht es die ganze Sache für dich nicht besser. Leider gibt es kein allgemeines Rezept, wie die einzelnen Phasen der Gefühle vermieden werden können. Dennoch können die Phasen durchaus milder verlaufen: Wenn du dir bewusst machst, in welcher Phase der Gefühle du dich selbst oder eine enge Bezugsperson gerade befindet, dann wird dir die Situation schon bald in einem ganz anderen Licht erscheinen und es ist einfacher, Hilfe zu bekommen oder solche zu leisten.

Bereits im Jahr 1986 wurden diese Phasen der Gefühle von den Forschern John W. Shepard und Joe B. Hurst erforscht und definiert. Daraus hat sich das Roller Coaster Modell ergeben.

Die 12 Phasen der Emotionen in der Gefühlsachterbahn

1. Vorahnung

Eine bevorstehende Krise, wie beispielsweise eine anstehende Kündigung, wird von dem Betroffenen antizipiert. Es werden daraufhin die möglichen emotionalen und finanziellen Kosten und die möglichen Reaktionen darauf abgewogen.

2.  Schock

Auch, wenn bereits eine Vorahnung geherrscht hat, nun ist die Befürchtung zu einer absoluten Gewissheit geworden. Der Worst Case ist eingetreten und natürlich herrscht darüber eine große Enttäuschung. Dies ist der Moment, in dem der Schock einsetzt. Nach diesem benötigen die Betroffenen vor allem Zeit, um die Situation wirklich zu begreifen und zu erfassen, dass das Ergebnis nun endgültig ist.

3. Trauer

Nach dem Schock brauchen die Menschen eine Zeit zum Trauern. Diese Auszeit gehört bei der Bewältigung einer Krise fest dazu. Häufig kommt es nach einer gewissen Zeit dabei zu einer Art der Erleichterung. Schließlich haben das Warten, die Ungewissheit und die Vorahnung nun ein Ende. Und das Leben geht langsam weiter.

4. Anstrengung

Nun ist es an der Zeit, neue Pläne zu schmieden und zu überlegen, wie es im Leben genau weitergehen soll. Wenn der Verlust des Arbeitsplatzes im Raum steht, ist jetzt die Zeit gekommen, um die Bewerbungsunterlagen auf den aktuellen Stand zu bringen und Stellenangebote in Jobbörsen zu studieren. Es setzt eine erste zaghafte Hoffnung ein. Die Betroffenen sprechen sich in dieser Phase Mut zu und strengen sich an.

Wenn es zu diesem Zeitpunkt schon zu ersten Erfolgserlebnissen kommt, können die Phasen 5-9 übersprungen werden.

5. Sorge

Mit der Hoffnung, die erst einmal aufzukeimen scheint, kommen allerdings auch erste Selbstzweifel. Aus diesen, eigentlich nur zeitlich begrenzten Sorgen, können sich große Ängste, wie Existenz- und Zukunftsängste entwickeln.

6. Leugnen

Wenn es in einer solchen Situation so gar nicht aufwärts oder weiter gehen möchte und alle ersten Versuche ohne Erfolg bleiben, kommt es erst einmal zum Leugnen, denn aufzugeben ist keine Option. Stattdessen wird die aktuelle Situation positiver dargestellt, als sie vielleicht in der Realität eigentlich ist. Dies geschieht sowohl vor sich selbst, als auch im privaten Freundes- und Bekanntenkreis.

7. Wut

Wenn es einfach nicht weitergehen will, ist die Frustration groß. Der Auslöser der aktuellen Krise, wie beispielsweise der Verlust des Jobs, wird noch einmal neu analysiert und die Suche nach den Schuldigen beginnt. Deswegen steigt die Wut immer weiter an und wird als Erklärung genommen, warum einfach kein Versuch, die Situation zu ändern, klappen will.

8. Aufgabe

In dieser Phase scheint einfach nichts zu helfen, noch nicht mal das wütende Schimpfen oder das traurige Jammern. Der Betroffene scheint nun überhaupt nicht mehr auf den richtigen Weg zurückzufinden. Dann kommt es zu einer Resignation des Betroffenen und er gibt die Situation und im schlimmsten Fall auch sich selbst auf.

9. Depression

Abhängig davon, wie groß der erlittene Verlust im Leben war, so kann daran ein sehr großer Teil des eigenen Selbstwertgefühls hängen. Das Selbstvertrauen wird dadurch massiv geschädigt. Dies hat natürlich auch auf die restliche Psyche und die Seele einen großen negativen Einfluss. Daher verfallen in dieser Phase viele Betroffenen in eine ausgewachsene Depression.

10. Hoffnung

Es muss allerdings nicht in allen Fällen so schlimm werden. Vielleicht wird neuer Mut gefasst, es werden neue Chancen zu Tage gefördert und endlich kann wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen werden. Diese neuen Hoffnungen wirken sich positiv auf die Emotionen auf. So können neue Kraftreserven ausgeschöpft werden und der Betroffene strengt sich wieder an.

11. Enthusiasmus

Alles sieht endlich wieder gut aus. Eine neue Anstellung, die Lösung oder der lang ersehnte Ausweg scheint zum Greifen nah zu sein. Dadurch werden im Körper alle Kräfte und Reserven mobilisiert. Der Betroffene fühlt sich geradezu euphorisch und die Krise scheint schon jetzt beinah überwunden.

12. Überwindung

In dieser Phase hat der Betroffene seine Lebenskrise tatsächlich hinter sich gelassen. Viele Menschen gehen aus solchen Erfahrungen sogar noch stärker als zuvor heraus. Hier wird die persönlichkeitsstärkende Resilienz gebildet.

Manchmal beginnt die Gefühlsachterbahn auch von vorne

Bei manchen Menschen kommt es allerdings auch anders. Wenn die Dinge nicht so verlaufen, wie gehofft, dann kann ein noch tieferer Sturz folgen und ein neuer Krisen-Zyklus beginnt von vorne. Die Selbstzweifel sind dabei oft noch stärker als je zuvor, was gerade für hochsensible Menschen fatal ist. Die Gefahr für eine Depression steigt erheblich. In diesen Fällen ist es ratsam, Hilfe von Profis in Anspruch zu nehmen.

Wie kann mit der Gefühlsachterbahn richtig umgegangen werden?

Vergegenwärtige dir zuersst, dass in der Verdrängung deiner Gefühle niemals die Lösung liegt. Emotionen, die in dir sind, kannst du nicht langfristig wegdiskutieren oder gar leugnen. Mache dir bewusst, dass deine Emotionen und Gefühle zu den schweren Zeiten, die du aktuell durchlebst, einfach dazugehören. Der erste Schritt liegt also darin, die Gefühle zu akzeptieren und vor allem zuzulassen. Du darfst sie fühlen!

Danach solltest du dich bewusst und vor allem ehrlich mit denen Gefühlen auseinandersetzen. Sie zeigen nicht, dass du schwach bist sondern sind ein Teil der nötig ist, damit du im Folgenden deine eigene Handlungsfähigkeit wieder zurückgewinnen kannst. Damit du die Ohnmacht, die du gerade empfindest, hinter dir lassen kannst, musst du die Situation und die damit verbundenen Emotionen akzeptieren.

Oft ist die Gefühlsachterbahn allerdings vielmehr eine Folge oder ein Symptom – die Ursache ist oft ganz woanders zu finden. Stelle dir also Fragen dazu, was dahinter stecken könnte.

  • Hast du vielleicht eine falsche Strategie an den Tag gelegt oder falsche Entscheidungen getroffen?
  • Oder handelt es sich nur um unglückliche Zufälle, die dich in deine aktuelle Situation gebracht haben?

Wenn du deine negativen Gefühle nutzt um auf die Suche nach den genauen Ursachen zu gehen, gewinnst du die Kontrolle zurück und stehst vor neuen Handlungsoptionen. Dabei bekommst du oft neue Ideen, wie du deine Zukunft nun aktiv gestalten kannst. Das wichtigste ist dabei, dass du selbst deine Gefühle kontrollierst und dich nicht von deinen Emotionen abhängig machst.

Nutze deinen Körper

Wenn du immer mehr den Eindruck hast, dass gar nichts mehr gelingen will, dann solltest du umso mehr in Bewegung bleiben – nicht nur in deinem Kopf, sondern auch in deinem Körper.

Unternehme Spaziergänge, in diesen steckt nämlich ein großes Potential zur Mobilisierung. Hier schöpfst du neue Kreativität und erweiterst deinen eigenen Horizont. Zusätzlich baut die Bewegung des Körpers aufgestauten Stress ab und regt deine Gedanken an.

Wenn du dich nur zuhause verkriechst und nichts mehr unternimmst, folgt bald die Resignation – dies kann deine Abwärtsspirale noch weiter verstärken. Du musst immer weitermachen und deine Strategien dabei so oft wechseln, wie es nun einmal erforderlich ist. In einer Situation still zu verharren ist niemals die beste Lösung.

Ein klarer Kopf hilft

Auch solltest du unbedingt versuchen, einen klaren Kopf zu behalten. So kannst du die Situation und die Dinge wesentlich besser einschätzen und eine Gefühlsachterbahn sortieren. Wenn du deine Gedanken einmal zu Papier bringst und aufschreibst, kann dies besonders gut gelingen. Das Aufschrieben deiner Gefühle und Gedanken wirkt sich sowohl positiv auf deine Emotionen aus, und kann dir ebenfalls dabei helfen, die Krise schneller zu überwinden.

Du solltest dir darüber hinaus selbst eine Art der Ordnungstherapie gegen eine Gefühlsachterbahn auferlegen. Strukturiere deinen Tag. So entsteht ein eigenes Gerüst, an dem du dich orientieren kannst und das dir Halt bietet. Stelle dir den Wecker, erledige Termine, mache eine Pause und esse zu fest definierten Zeiten. Dies wirkt sich langfristig positiv auf dein Leben aus und hilft dir, die Krise schneller zu meistern.

Werde dein eigener Coach

Du kannst viel selbst unternehmen, um ein guter Krisenmanager für dein Leben zu werden. Dazu kannst du Selbstcoaching anwenden oder dich von unseren einfachen Selbstcoaching-Tools unterstützen lassen.

Wenn du diese Tipps beherzigt, wirst du sehen, dass du Krisen in deinem Leben zwar nicht vermeiden kannst, dennoch aber wesentlich besser mit ihnen umgehen können wirst. Nun kennst du die einzelnen Phasen, die du während einer Krise durchlebst und wirst dich dadurch nicht mehr hilflos der Situation ausgeliefert fühlen.

Was sind deine Strategien zur Überwindung von Gefühlsachterbahnen?

Ich bin gespannt auf deine Ideen dazu.

Herzlichst
Anne