• Glück

Glück hat viele Gesichter und Bedeutungen

Ist Glück messbar? Wenn es nach Studien und Untersuchungen geht: Ja!

Das beste Beispiel hierfür ist der Deutsche Post Glücksatlas 2017. Im Bundesdurchschnitt liegt das Glückslevel hier bei 7,07. Gemeint ist damit die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung. Gemessen wurde diese für den Atlas auf einer Skala von 0 (extrem unglücklich) bis 10 (auf ganzer Linie glücklich). Interessant ist nicht nur die Entwicklung in Deutschland insgesamt. Auch wie einzelne Bundesländer abschneiden deckt interessante Sachverhalte auf.

Schlusslicht im Glücksatlas ist Sachsen-Anhalt. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg liegen auf den Plätzen 17 und 18. Besonders glücklich sind die Norddeutschen. Sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch die Stadt Hamburg liegen beide über dem Durchschnitt bei der Lebenszufriedenheit. Ansonsten scheint sich als Trend ein Nord-Süd-Gefälle sowie ein West-Ost-Gradient ablesen zu lassen. Ist eine Bewertung der Lebenszufriedenheit aber wirklich so eindimensional darstellbar. Oder werden Glück und Glück am Ende nicht verwechselt.

Glück haben und glücklich sein – zwei unterschiedliche Dinge

Glück ist ein geflügeltes Wort im Sprachschatz, welches in unterschiedliche Richtungen ausgelegt werden kann. Ganz grundsätzlich ist damit eine positive Assoziation verbunden. Wer Glück hat, erreicht einen Zustand oder Punkt im Leben von besonderer Tragweite.

Aber: Glück kann ganz unterschiedlich interpretiert werden. Auf der einen Seite geht es um eine Momentaufnahme. Andererseits kann Glück auch mit besonderen Lebenssituationen verknüpft werden. In dieser Deutungsweise ist Glück kein zeitlich festgelegtes Nomen, es kann in:

  • Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft

existieren. Welche Bedeutung hat diese Erkenntnis im Alltag?

  1. Glück haben

Heute habe ich Glück gehabt – wer kennt diese Redewendung nicht. Gebraucht wird sie in ganz verschiedenen Zusammenhängen. Glück kann ein Autofahrer haben, der ganz knapp an einem Unfall vorbeikommt. Aber auch ein Arbeitnehmer, dem der Chef die angestrebte Gehaltserhöhung bewilligt, hat Glück. Und ein ganz besonderer Zustand ist ein Geldgewinn – zum Beispiel im Lotto. Fällt dieser hoch aus, wird Fortuna gern verstohlen ein Blick zugeworfen.

Mitunter kann Glück auch in Situationen gesehen werden, die eigentlich eher negativ in ihrer Bedeutung belegt sind. Beispiel Unfall: Beide Unfallbeteiligte (Blechschaden) sind sich irgendwie sympathisch und nutzen die Chance auf ein 2. Treffen. Entwickelt sich hieraus mehr, wäre die Floskel Glück im Unglück durchaus passend. Glück ist in diesem Zusammenhang eher in der Vergangenheitsform präsent.

  1. Glücklich sein

Die Lebenszufriedenheit ist ein sehr individueller Aspekt. Hier geht es um persönliche Sichtweisen und Lebensansprüche. Wer sich zum Millionär berufen fühlt, ist als Kellner wahrscheinlich unglücklich. Auf der anderen Seite kann auch ein Gastronom glücklich sein – wenn das Einkommen zum Leben reicht und sich der Fokus auf Familie und Kinder richtet.

Spricht eine Person davon glücklich zu sein, geht es vielmehr darum, dass individuelle Rahmenbedingungen stimmen. Dies ist nicht deckungsgleich mit der Lebenszufriedenheit, beinhaltet aber eine sehr große Schnittmenge. Glücklich machen:

  • Kinder
  • eine funktionierende Beziehung
  • finanzielle Sicherheit
  • berufliche Sicherheit und Aufstiegschancen
  • materielle Werte (wie das Eigenheim).

Bedeutet: Glücklichkeit ist ein persönlicher Zustand, welcher sich aus einer Summe verschiedener Faktoren (allgemeine Lebenszufriedenheit, sich im Alltag glücklich fühlen) oder einzelner Lebensabschnitte zusammenfügen kann.

Glück und Aberglaube

Beide Aspekte – Glück und Glücklichkeit/Zufriedenheit – haben über alle Gesellschaftsschichten hinweg einen hohen Stellenwert. Und dieser Anspruch existiert nicht erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts. Menschen strebten immer danach. Entsprechend stark sind beide in Glauben und Aberglauben verwurzelt. Talismane wie vierblättrige Kleeblätter oder Hufeisen gelten beispielsweise als Glücksbringer.

Ein weiteres Beispiel für die Zugkraft findet sich zum Beispiel in religiösen Lehren. Aber hinsichtlich des Aberglaubens ist Zufriedenheit ein nicht zu vernachlässigender Antrieb. Hintergrund: Immer wieder dachten (und denken) Menschen, dass bestimmte Handlungsweisen oder Vorzeichen Einfluss haben.

Sehr stark ist der Stellenwert des Aberglaubens beim Glück. Bestes Beispiel: Beim Roulette wird immer wieder auf die vermeintliche Glückszahl gesetzt. Die Zahl 7 scheint dabei zudem eine besondere Bedeutung zu haben. Und dies trotz des Wissens, dass eine Roulettekugel kein Gedächtnis hat, alle Zahlen am Ende also (zumindest vom Standpunkt des Statistikers) gleichverteilt sind. Zudem spielen auch bestimmte Rituale dabei eine wichtige Rolle, obwohl diese in der Theorie unwirksam sein dürften. Bestimmte Zahlenkombinationen oder bestimmte Verhaltensweisen des Croupiers können dafür sorgen, dass Spieler sich abwenden.

Was bedeutet Glück für uns?

Glück haben und glücklich sein sind zwei Paar Schuhe. Diese Erkenntnis dürfte sich inzwischen durchgesetzt haben. Was macht Menschen glücklich? Eine solche Frage einfach pauschal mit ein paar wenigen Federstrichen abhaken zu wollen, wird deren Bedeutung nicht gerecht.

Glück im Kontext der Lebenszufriedenheit erschließt sich erst, wenn individuelle Rahmenbedingungen in eine solche Betrachtung einbezogen werden. Aber: Es gibt Schnittmengen – sprich Gemeinsamkeiten. Finanzielle Sicherheit gehört dazu. Es geht nicht um unermesslichen Reichtum. Nur eine Minderheit wird hierin ein Maß für persönliches Glück sehen.

Vielmehr bedeutet dies für breite Bevölkerungsschichten, dass der Alltag durchfinanziert ist und auch noch etwas zum Sparen übrig ist. Als Faktor zum Glück wird häufig auch ein Job angesehen, der dieses Einkommen – zusammen mit Anerkennung – erwirtschaftet. An dieser Stelle geht es unter anderem um das Bedürfnis des Gebrauchtwerdens. Der Einfluss des Berufs ist sehr stark von individuellen Faktoren abhängig.

Sehr ähnliche Aussagen treffen auf die familiäre Komponente zu. Zwar hat diese starken Einfluss darauf, ob sich Menschen glücklich fühlen. Was dieses Gefühl auslöst (also die Lebenszufriedenheit) unterscheidet sich am Ende sehr stark. Für einen Teil wird es ohne Kinder nicht gehen. Dafür ist die harmonische Beziehung zum Partner nicht das Nonplusultra. Auf der anderen Seite kommen Paare auch ohne Kinder aus, fühlen sich aber erst glücklich, wenn es in der Beziehung läuft.

Grundsätzlich lassen alle bisher genannten Aspekte und Faktoren zu einem Schema zusammenfassen:

  • wirtschaftliche Situation
  • soziale Rahmenbedingungen
  • Gesundheit

Gesundheit ist sicher der einfachste Punkt: Jeder will körperlich und hinsichtlich der Psyche gesund sein.

Die wirtschaftliche Situation umfasst Bildung, Beruf und Einkommen. Bei der sozialen Komponente geht es um Freunde und Familie sowie die Partnerschaft. In diesem Dreieck bewegt sich die Lebenszufriedenheit entsprechend der persönlichen Definition.

Was können wir für unser Glück tun?

Glück (nein, nicht die Glückszahl am Roulettetisch) lässt sich beeinflussen. Eine provokante Aussage, in der allerdings auch ein Körnchen Wahrheit steckt. Der Grund: Glück (in diesem Zusammenhang das persönlich erlebte Wohlbefinden) kann als Formel ausgedrückt werden.

Lebenszufriedenheit ist vereinfacht ausgedrückt die Erwartung minus die Realität. Dieses von Adam Fletcher entwickelte Modell enthält bereits einen Hinweis darauf, welche Variablen sich beeinflussen lassen.

Auf der einen Seite steht die Realität – also:

  • Beruf
  • Partner
  • Familie
  • Finanzen

Diese lassen sich nur bedingt variieren. Ohne Abitur und Studium wird niemand zum Chefingenieur eines großen Autobauers. Und auch der Partner lässt sich nicht ohne Weiteres austauschen.

Stärker beeinflusst werden kann die Erwartung. Wer vom Ziel Millionär abrückt und sich mit Einkommen zufriedengibt, welche finanziell ausreichend sind, erreicht die Schwelle zum Wohlbefinden eher – statt sich in einer Tretmühle fortwährend wiederzufinden. Ein solches, überspitztes Beispiel mag auf den ersten Blick fern der Realität erscheinen, spiegelt aber den Ansatz wider. Es geht darum, persönliche Ansprüche und Erwartungen in eine Balance mit dem Machbaren des Alltags zu bringen.

Zufriedenheit entscheidet sich in weiten Teilen im Kopf. Und genau hier lohnt es sich, einen ersten Ansatz zu suchen und an der persönlichen Einstellung zu arbeiten.

Fazit: Wer Glück hat, muss nicht glücklich sein

Glück ist ein innerer Zustand, der für jeden von uns etwas anderes bedeutet. Die Definition von Glück ist in der Wissenschaft deshalb nicht ganz einfach. Zumal es Unterschiede zwischen dem Glück in situativer Wahrnehmung und dem Glück im Kontext der Lebenszufriedenheit geht. Für den Menschen ist das Streben nach Glück keine moderne Erfindung.

Schon in der Antike beschäftigten sich Philosophen nicht nur mit der Frage, was Glück ist – sondern auch wie es sich erreichen lässt. Glück ist nicht nur die Summe äußerer Faktoren. In weiten Teilen wird Glück bzw. ob sich eine Person glücklich fühlt, durch die innere Einstellung beeinflusst.

 

Hinterlasse einen Kommentar

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Es ist nie zu spät um so zu sein, wie man gemeint ist.

Haben wir nicht alle immer wieder einen intensiven Dialog mit unserem lieb gewonnenen inneren Schweinehund? Ich müsste... ich sollte... Gesünder essen, Sport treiben und noch vieles mehr.

Niemand muss, niemand müsste. Aber jeder könnte, wenn er will und bereit ist, seine Komfortzone zu verlassen.

Klar, dann wird der liebe Schweinehund meckern, denn er will alles zu behalten, wie es ist.

Aber wie wäre dein Leben, wenn du mehr auf dich selbst hörst, anstatt auf all das, was dich scheinbar einschränkt, Rücksicht zu nehmen? Wage doch mal dieses Gedankenspiel. Spielen macht Spaß.

X