Gute Vorsätze können paradoxerweise bewirken, dass es uns immer schlechter geht. Doch wie kann das sein? Vielleicht hast du das Phänomen in Ansatz selbst schon einmal erlebt, beispielsweise als du an Silvester nach ein paar Gläschen Sekt hoch und heilig geschworen hast, ab Morgen auf die Glimmstängel zu verzichten. Leider wurde dann doch nichts daraus und für eine Weile war dein Selbstbewusstsein schwer angeschlagen. Denn Inkonsequenz werfen sich die meisten Leute selbst mehr vor als anderen. Gute Vorsätze können aber noch viel hartnäckiger sein.

So entstehen die guten Vorsätze

Gute Vorsätze münden nicht selten in einen teuflischen Kreislauf. Gute Vorsätze können auf ganz verschiedene Weise entstehen. Ungesunde Angewohnheiten wie Rauchen oder das Trinken von Alkohol beispielsweise machen uns ein schlechtes Gewissen. Schlechte Blutwerte und mahnende Worte des Arztes verstärken das schlechte Gewissen noch zusätzlich und lassen dich gute Vorsätze fassen. Der Blick auf die Waage kann dazu führen, den Vorsatz zu fassen, sich künftig gesund zu ernähren und abzunehmen. In unseren guten Vorsätzen werden wir natürlich auch von unserer Umwelt beeinflusst. In Zeiten der Selbstoptimierung ist gut ja niemals gut genug.

Das Leben soll entrümpelt werden.

Ein Körper ist nur dann in Ordnung, wenn er auch perfekt ist. Optimieren lässt sich quasi alles: das Verhältnis zu Freunden, Mitschülern, Kollegen und der Familie, die eigene Bildung, die Fitness, die Zeiteffizienz eines Tages, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit, das Auftreten vor Publikum und vieles mehr. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen und berührt alle Lebensbereiche. Schließlich wird uns von der Werbung ständig gezeigt, dass wir optimierungsfähig sind und dass jeder es schaffen kann. So entstehen vielleicht Ansprüche an uns selbst, die so nicht einzulösen sind.

Von der Euphorie bis zur Verzweiflung

Meistens beginnt es ganz harmlos. Eine Freundin hat etwas geschafft, was dir noch nicht gelungen ist und setzt damit neue Maßstäbe. Oder du stößt zufällig oder auch bewusst auf ein Buch, einen Ratgeber im Internet oder einen Blog voller wohlmeinender Ratschläge. Ein guter Vorsatz kann einer Krankheit gleichen, die einem festen Verlauf folgt. Zuerst empfinden wir ein Defizit. Es geht uns immer schlechter bis hin zu körperlicher Übelkeit. Dann kommt der gute Vorsatz und du scheinst auf dem Weg der Genesung zu sein. Doch Vorsicht!

Der Schein trügt nicht selten, denn nun setzt sich erst recht eine Spirale in Gang. Ein Vorsatz ist relativ schnell gereift. Meist dauert das nicht länger als ein bis drei Tage. Er ist zumindest anfänglich gepaart mit jeder Menge Motivation, die dich in eine geradezu euphorische Stimmung versetzen kann. Du willst unbedingt etwas dafür tun, deinen guten Vorsatz umzusetzen.

Du stellst dir nun einen Ernährungsplan auf oder entwickelst ein persönliches Fitnessprogramm. Du entrümpelst deine Wohnung oder schreibst an alte Freunde, bei denen du dich schon ewig nicht mehr gemeldet hast. Oder du verzichtest auf Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten und Fast Food. Du bist richtig begeister von deinem guten Vorsatz und davon, wie prima du ihn umsetzt.

Und die Begeisterung hält vorerst an

Du möchtest der ganzen Welt deine Begeisterung mitteilen und von deinem guten Vorsatz erzählen. Deine noch anhaltende Euphorie ist geradezu ansteckend. Du befindest dich auf dem Weg, ein neuer Mensch zu werden. Ja eigentlich bist du es schon, so prima wie das alles läuft. Dieses Mal wirst du es ganz bestimmt schaffen, deinen guten Vorsatz auch wirklich umzusetzen. Und genau auf dieses Hochgefühl folgt prompt der Dämpfer.

Unsere Begeisterung hat uns eine Weile die Sicht auf die Realität verstellt. Doch die Begeisterung ist es letztendlich, so paradox das auch klingen mag, die den guten Vorsatz zur Strecke bringt. Die Begeisterung gaukelt uns nämlich etwas vor. Und nach ein bis zwei Wochen ist sie plötzlich verschwunden, als wäre sie nie dagewesen. Und das Schlimme ist, dass die Motivation gleich noch mit verschwindet. Zurück bleibst allein du. Das heißt ganz allein bist du auch wieder nicht, denn du hast ja noch deinen guten Vorsatz. Nun müsst ihr miteinander zu Recht kommen und das ist alles andere als leicht.

Gute Vorsätze werden nun zum Feind

Plötzlich ist alles ganz schwer. Die Motivation fehlt und die Begeisterung sowieso. Du möchtest, dass der gute Vorsatz verschwindet. Du willst dein altes Leben zurück. Ein paar Tage hat der gute Vorsatz vielleicht noch die Oberhand. Du ringst mit ihm. Du zwingst dich, ihm zu entsprechen. Du willst unbedingt schaffen, was du dir vorgenommen hast. Doch die Erschöpfung nimmt zu. Und dann ist von einem Tag auf den anderen wieder alles beim alten.

Der gute Vorsatz hat sich vom Acker gemacht. Ab und zu regt sich noch dein Gewissen und du fragst dich, wie andere es schaffen, länger als drei Wochen an ihrem guten Vorsatz festzuhalten. Die Antwort ist simpler als gedacht. Den guten Vorsatz kann man nur beibehalten, wenn man von Anfang an die Begeisterung in Schach hält. Denn die Begeisterung ist es, die den guten Vorsatz zunichtemacht. Das Mittel gegen zu viel Begeisterung heißt schlicht und einfach Realismus.

Setze dir künftig realistischere Ziele

Setze dir künftig realistischere Ziele. Sicher ist auch das schwerer getan als gedacht. Du musst von vornherein wissen, dass langfristige Festhalten an guten Vorsätzen eher die Ausnahme denn die Regel ist. Erfolgreich kannst du nur sein, wenn du langfristig planst und dich auch durch kleine Rückschläge nicht aus der Bahn werfen lässt. Überlege, was dir wirklich wichtig ist.

Bei manchen jagt ein guter Vorsatz den nächsten und das hat mit Realismus nichts zu tun. Und wenn du es ohne falsche Begeisterung schaffst, an einem guten und wichtigen Vorsatz festzuhalten, wirst du dafür auch reich belohnt, vielleicht mit Erfolg, Stolz und sogar Glück.

Herzlichst,
Anne