Völlig regungslos verfolgen manche Menschen die täglichen Nachrichten. Andere hingegen könnten sich bei jeder Meldung aufregen, sich freuen oder mitfühlend in Tränen ausbrechen. Dieses banale Beispiel macht klar, dass die Menschen verschieden sind. Es gibt Menschen, die sind hochsensibel oder hoch emotional und solche die sind weniger emotional und weniger sensibel. Und das nicht nur anhand ihres Charakters, sondern auch wie sie Emotionen wahrnehmen, verarbeiten und schließlich ausdrücken. Auch Hochsensibilität ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Zwei Menschen, die hochsensibel sind, können die gleiche Situation völlig unterschiedlich erfassen und doch sind beide hochsensibel.

Nicht jeder, der seine Gefühlen wenig zeigt, ist gefühllos. Auch wenn diese Menschen schnell als gefühlskalt dargestellt werden, sieht die Wirklichkeit ein wenig anders aus. Jeder Mensch empfindet Emotionen. Wie stark diese jedoch wahrgenommen werden und durch eigenes Handeln ausgedrückt werden, hängt von der persönlichen Prägung ab. Es gibt Menschen, die sind hochsensibel und leben hoch emotional und dann gibt es Menschen, die sind auch hochsensibel, aber weniger emotional. Dann gibt es vielleicht auch noch hoch emotionale Menschen, die nicht hochsensibel sind und trotzdem sehr intensiv leben. Kurz gesagt: Alles ist möglich, ob hochsensibel oder nicht hochsensibel…

Dieses Empfinden und Ausdrücken von Emotionen ist auch bei den Hochsensiblen und Hochsensitiven sehr unterschiedlich.

Ich kenne sehr viele hochsensible Menschen, die keineswegs hoch emotional sind und zwar im AUSDRUCK ihrer Gefühle. Sie empfinden stark, sich selbst und andere, nehmen diese Wahrnehmungen auf, in sich HINEIN und dann….. TATATA….. entsteht Stress und oft Reizüberflutung.

Diejenigen Menschen, die ihre Hochsensibiltät nicht als Einbahnstrasse von AUSSEN nach INNEN leben, sondern sie auch umgekehrt von INNEN nach AUSSEN ausdrücken, leiden nach meiner Erfahrung wesentlich weniger unter Stress-Symptomen als die stillen Hochsensiblen.

Haben wir damit ein weiteres Hoch-X-Thema entdeckt oder ist das ganz normal bei Hochsensibilität?

Hochemotionalität wird manchmal verwechselt: Bin ich eine Drama-Queen?

Früher dachte ich das. Und zwar nur, weil andere mich so bezeichnet haben. Ich konnte schon immer sehr intensiv empfinden und auch meine Gefühle ausdrücken. Damit kann nicht jeder Mensch umgehen. Genauso wie es hochsensible und normal sensible Menschen gibt, und Hochbegabte ebenso wie normal Begabte, gibt es hochemotionale und normal emotionale Menschen. Wir sind wirklich ein buntes Völkchen. Sind all diese Hoch-X-Themen nicht einfach Wahrzeichen der Lebendigkeit, Lebensintensität und Leidenschaft?

Was sind Emotionen und was Gefühle?

Emotion ist ein Fremdwort, das aus dem Lateinischen stammt: Emovere bedeutet herausbewegen, emporwühlen.

Emotionen sind Gefühle, die wir wahrnehmen und bewerten. Davon gibt es eine Menge, die man grob in angenehme Gefühle und weniger schöne Gefühle unterteilen kann.

Ein Beispiel dafür: Ich habe hier eine heiße Tasse Tee stehen. Wenn ich sie anfasse, habe ich ein Temperaturgefühl in der Hand und den Fingern. Diese Temperatur ist eindeutig, z.B. 60 Grad. Wenn ich mir damit die Finger verbrenne und das als unangenehm empfinde, entsteht die entsprechende Emotion. Wenn ich kalte Finger habe, ist meine Emotion eine andere, als wenn ich heiße Finger habe. Das Gefühl für 60 Grad erfährt also eine Bewertung, die ich positiv oder negativ ausdrücke und wird so zur Emotion.

Im Gegensatz zum Gefühl sind Emotionen eine Gemütsregung, die meist nach außen gerichtet. Im Gegensatz zu Stimmungen sind Emotionen zeitlich relativ kurz und intensiv. Während Stimmungen vielfach unbemerkt auf Bedürfnissen beruhen, kommen bei Emotionen die jeweiligen Auslöser stärker zum Zuge. Während Emotionen sich auf Personen beziehen können, zum Beispiel Wut oder Trauer, kann einer Stimmung der Bezug auf Personen vollkommen fehlen, so im Falle einer Melancholie. Gefühle, Emotionen, Stimmungen sind ein Teil zwischenmenschlicher Kommunikation, auch der nonverbalen Kommunikation.

Die Emotionstheorie befasst sich damit, welche Grundgefühle die menschliche Existenz ausmachen

Der Amerikaner Paul Ekman hat anhand von Gesichtsausdrücken sieben Basisemotionen empirisch nachgewiesen: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Zum Grundgefühl zählen weiterhin Liebe, Hass und Vertrauen.

Nach Carroll E. Izard existieren zehn Formen von Emotionen, die in jeder Kultur vorkommen: Interesse, Leid, Widerwillen, Freude, Zorn, Überraschung, Schamgefühl, Furcht, Verachtung und Schuldgefühl.

Ältere Theorien teilen Emotionen in vier Hauptgruppen ein: Angst und Verzweiflung, Ärger und Wut, Freude, Trauer. Weitere Formen sind Enttäuschung, Mitleid, Sympathie, Neid, Stolz und Verliebtheit.

Die emotionale Intelligenz

Im Zusammenhang mit Emotionen trifft man immer wieder auf den Begriff der emotionalen Intelligenz. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Die Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer Personen sensorisch wahrzunehmen, kognitiv zu verstehen und expressiv zu beeinflussen. Das Konzept der Emotionalen Intelligenz beruht auf der Theorie der multiplen Intelligenzen von Howard Gardner.

Über ein hohe emotionale Intelligenz verfügen Menschen, wenn sie zum einen in der Lage sind, starke Emotionen sicher zu lenken und sich nicht von ihnen zu fehlerhaften Handlungen verleiten lassen. Darüber hinaus sind diese Menschen in der Lage, sich gut in das Empfinden anderer hineinzudenken. Viele suchen oftmals einen Rat bei ihnen und gelten unter den Mitmenschen als besonders hilfsbereit und freundlich.

Hoch emotionale oder emotional intelligente Menschen sind aber keineswegs automatisch hochsensibel oder hochsensitiv.

Ich kenne recht unsensible und wenig sensitive Menschen, die emotional intelligent und kompetent sind. Sie empfinden ihre eigenen Gefühle stark und können sie mehr oder weniger intensiv ausdrücken. 1985 gab es die Begriffe Hochsensibilität oder Hochsensitivität noch nicht. Wohl aber gab es schon Menschen, die hochsensibel waren. Ich musste also bei den Klassikern der Emotionstheorie nach Erklärungen für meine eigene Wahrnehmungsintensität suchen. Nachdem ich mich damals mit all diesen Theorien zu Emotionen und Gefühlen beschäftigt hatte, war mir klar, dass ich ganz normal bin. Meine Gefühle sind nur besonders intensiv im Innen und ebenso stark im äußeren Ausdruck. Ich einigte mich dann mit meinem inneren Zweifler auf die Beschreibung: Ich bin einfach nur sehr lebendig.

Für mich steht also fest: Ich bin keine Drama-Queen.

Und wenn das jemand anders sieht, kann ich es nicht ändern.
Sig