Immerhin 10% aller Menschen sind nach meiner Erfahrung hochsensibel.

Manche sprechen auch von 15-20% und viele dieser außergewöhnlichen Menschen wissen davon nichts. Liebesziehungen, Partnerschaft, Ehe, Sexualität – in all diesen Bereichen gilt es für hochsensible Menschen sehr achtsam mit den eigenen Bedürfnissen und Wünschen umzugehen.

Du meinst, das sei doch immer so?

Ja, stimmt. Jeder Mensch sollte gut auf sich aufpassen und sich wertschätzen. Bei Hochsensiblen ist es oftmals deshalb schwieriger, weil sie dazu neigen, sich (zu) sehr auf einen anderen Menschen einzulassen, – wenn sie es erst einmal getan haben. Schon bis dahin kann es ein langer und schwieriger Weg sein.

Schüchternheit ist ein häufig vorhandenes Hemmnis für hochsensible Menschen.

Ca. 70% aller hochsensiblen Menschen schätzen sich selbst als schüchtern und introvertiert ein. Auch die Umwelt nimmt sie oft als schüchtern wahr, da sie eher zurückhaltend und beobachtend sind, als sich selbst gerne in den Mittelpunkt zu stellen.

Das ist allerdings sehr davon abhängig, ob man mit der Umgebung vertraut ist und sich mit den Menschen wohl fühlt. Ist das der Fall, können selbst sehr sensible Menschen durchaus sehr aus sich herausgehen. Je öfter dies geschieht umso leichter fällt es dann auch mit der Zeit…. Alles Übung!

Verliebt zu sein, kann für einen hochsensiblen Menschen außerordentlich intensiv und emotional belastend sein.

Seine Lebenserfahrung hat ihm oft gezeigt, dass seine Sensibilität auf Unverständnis stößt oder gar abgelehnt wird. Darüber hinaus zeichnet sich Hochsensibilität vor allem dadurch aus, dass Überstimulation und starke Reize von Außen als belastend und Stress erzeugend empfunden werden können. Das erhöhte Einfühlungsvermögen, das viele Hochsensible aufweisen, kann zu einem überwältigenden Verliebtheitsgefühl beitragen.

Dann flattern die Schmetterlinge wie wild in seinem empfindsamen Bauch und zunächst hat der sensible Mensch oft keine Ahnung, wie sein “Lieblingsmensch” in einer Beziehung auf diese Empfindsamkeit reagiert und damit umgehen kann. Allein das kann manchen Hochsensiblen in eine Krise führen, insbesondere dann, wenn das Selbstwertgefühl nicht besonders gut ausgeprägt ist.

Selbstwertgefühl

Ein stabiler Selbstwert ist oft nicht vorhanden. Wenn ein Mensch von klein auf missachtet wird mit seinen Persönlichkeitsmerkmalen und belacht und gemobbt wird, ist es nicht leicht, ein gesundes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl aufzubauen. Verliebt sein kann Stress bedeuten. Und Stressreaktionen treffen hochsensible Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl leicht, da sie sich leicht angegriffen fühlen und durch ihre kindlichen Erfahrungen oft weniger Verarbeitungsmöglichkeiten bei negativen Gefühlen erlernt haben.

Hinzu kommt: Wer sich und seinen Körper ablehnt, kann weder lustvoll mit seinem Körper umgehen und genießen, noch den Partner nahe an sich heranlassen. Deshalb ist es gerade für hochsensible Menschen so wichtig zu lernen, sich selbst und seinen Körper anzunehmen.

Der sensible Mann

Ganz besonders sensible Männer haben es schwerer, sich mit ihren starken Empfindungen anzufreunden. Es gibt genauso viele sensible Männer, wie sensible Frauen. Das ist die gute Nachricht.

Was nicht so leicht zu akzeptieren ist: In unserer Kultur ist der sensible Mann verpönt. Einfühlsam darf der Mann gerne sein, auch rücksichtsvoll und zärtlich. Aber dass er selbst für seine eigenen Empfindungen und seine gesamte Umwelt hochgradig sensibel ist, – das geht oft selbst den Frauen zu weit, die ansonsten den verständnisvollen Mann als ihren Idealpartner betiteln. Sehr abwertend wird der sensible Mann auch gerne als “Frauenversteher” tituliert. Das führt dazu, dass Männer mit ihrer Sensibilität schlechter zurechtkommen und diese eher verbergen.

Zärtlichkeit

Für hochsensible Menschen ist ein wichtiger Faktor beim Sex die Zärtlichkeit. Sie ist nicht nur nette Beigabe zur sexuellen Vereinigung, sondern gerade für Hochsensible eine bedeutende Voraussetzung zur Erreichung sexueller Intimität. Ohne Zärtlichkeit vor und während des Liebesakts, wäre der Sex zwischen den Partnern leer und mechanisch.

Sexualität

Hochsensible Menschen sind aufgrund ihrer sensiblen Wahrnehmung des eigenen Körpers und dem ihres Partners ganz besonders in der Lage, in der Sexualität intensiv schöne Empfindungen zu erleben. Untersuchungen zeigen, dass sie Sex als befriedigend erleben, gern auch den aktiven Part dabei übernehmen und mit Begeisterung bei der Sache sind. Hochsensible sind also keineswegs gehemmter oder auf sonstige Weise problembelasteter im sexuellen Bereich.

Allerdings gibt es durchaus auch Unterschiede im sexuellen Empfinden.

Hochsensible Menschen empfinden Sexualität oftmals als etwas Rätselhaftes oder Mächtiges und sie haben Schwierigkeiten damit, sich nach dem Sex direkt wieder gewöhnlichen Aktivitäten zuzuwenden.

Überdeutliche sexuelle Anspielungen erzeugen bei ihnen oft keine Erregung und intensive Stimulation der erogenen Zonen kann bei ihnen schnell in Desinteresse umschlagen. Überstimulation kann auch zu dem Gefühl führen, dass sie überwältigt sind oder den Sex auch unterbrechen müssen und Ablenkung, beispielsweise durch Geräusche, kann ein zuverlässiger Stimmungskiller sein. Die besondere physische Sensibilität und genaue Wahrnehmung von Feinheiten, kann bei hochsensiblen Menschen das sexuelle Erlebnis auch stören.

Intensive Orgasmen, hochgradig sinnliche Erlebnisse und tiefe Verbundenheit mit dem Partner zeichnen harmonische Beziehungen von hochsensiblen Menschen aus.

Dabei müssen jedoch keineswegs beide Partner hochsensibel veranlagt sein. Die große Fantasie und Erlebnisbreite auch nur eines Partners, kann für die gesamte Beziehung gerade im Bereich Sexualität eine große Bereicherung sein. Intensive Verbundenheit weit über das körperliche Empfinden hinaus bis in die mentale und psychische Ebene, schafft eine hervorragende Basis für lang andauernde und harmonische Beziehungen.

Vielleicht ist das auch die Ursache dafür, dass hochsensible Menschen weniger oft ihre Sexualpartner wechseln, oft lang andauernde Partnerschaften haben und weniger oft Sex haben und dass Liebe für viele zu einem erfüllenden Sexualleben dazu gehört.

Gerade hochsensible Frauen sind sehr wählerisch und achtsam in Bezug auf ihre Sexualität. Das scheint sich aber auch sehr positiv auszuwirken, denn sie haben mehr Orgasmen und ein größeres Liebesempfinden und dabei weniger Ängste und Hemmungen.

Kommunikation

Was aber tun, wenn es nicht so rosarot ist mit der Sexualität? Als wichtigstes Element ist hier die offene Kommunikation zu nennen. Sprechen zu können über die körperliche Liebe und die Erwartungen, die Wünsche und Empfindungen, ist wie in allen anderen harmonischen Partnerschaften der Schlüssel zum Gelingen.

“Wenn mich der Partner liebt, dann weiß er, was ich brauche”. Dieser Mythos geistert noch in vielen Köpfen. Die Bedürfnisse sind jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb ist es so wichtig, darüber offen zu sprechen.

Nur wenn wir dem Partner mitteilen, was wir erregend finden, wenn wir ihm mitteilen, wo wir vielleicht Hemmungen haben, dann kann dieser auch darauf eingehen oder darauf Rücksicht nehmen.

Natürlich müssen wir prüfen, was wir selbst für uns tun können, um uns von Hemmungen und moralischen Ansichten zu befreien, die unser Lustempfinden einschränken könnten. In dem Maße, in dem wir uns selbst von Hemmungen und Verklemmungen befreien, befreien wir auch unsere Lust und die Fähigkeit, Lust zu empfinden.

Gerade beim Thema Sexualität müssen hochsensible Menschen lernen, ihre Bedürfnisse nach körperlicher Liebe zu kommunizieren.

Die Partner sollten offen aussprechen, was ihnen gefällt und was nicht. Spekulationen und eigene Vorstellungen darüber, was für den Partner gut ist und was ihm gefallen könnte, sind hier völlig fehl am Platz.

Jeder Mensch hat unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse. Einander zuhören und die Gefühle die Sexualität betreffend auszudrücken, ist ebenso wichtig, wie jeder andere Bereich der Kommunikation in einer Partnerschaft.

Jedes offene Wort schafft Vertrautheit und Verständnis für den Partner. So können hochsensible Menschen eine Grundlage dafür schaffen, dass möglicherweise unangenehme Gefühle heilen können und eine gemeinsame befriedigende Sexualität entstehen und genossen werden kann.

Fest der Sinne

Auf dem Weg zu einer erfüllten, sensiblen Sexualität mit Herz und Seele können hochsensible Menschen neue Erlebniswelten für ihre Sinnlichkeit entdecken. Sexualität ist die Form der Kommunikation, die Sprache des Körpers und ein Weg, den inneren Reichtum der eigenen Sensibilität zu erschließen. Die Sinne sprechen eine eigene sehr lustvolle Sprache, die wir bewusst entdecken und erlernen können.

Bitte, liebe sensible Menschen, vergesst nicht, dass diese Gabe ein Geschenk ist und nichts, wofür man sich schämen muss! Liebt, lacht und lebt!

Das Thema vertiefen kannst du in Büchern aus unseren Literaturtipps (Klick).

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Sig

 

 

 

 

 

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