Hochbegabte Erwachsene werden in Deutschland stiefmütterlich behandelt (aus einem Artikel von 2007)

„Es gibt viele gute und Erfolg versprechende Programme und Organisationen zur Förderung von hochbegabten Kleinkindern, Schülern und Studenten. Scheinbar scheinen alle Förderer der Ansicht zu sein, dass Hochbegabung sich mit zunehmendem Alter selbst reguliert, so dass hochintelligente Erwachsene keine weitere Betreuung benötigen.

Ganz anderer Meinung ist die Mentorin Anne Heintze. Die erfahrene Expertin im Coaching von hochbegabten Erwachsenen und Jugendlichen berichtet über ihre Arbeit und ihre persönlichen Erfahrungen in der Familie: „Hochbegabte Menschen handeln und denken oft anders als andere: abstrakter, schneller, weiter, kreativer. Dies ist im Alltag nicht immer förderlich und so werden hochbegabte Menschen schnell zu Sonderlingen abgestempelt. Leicht rutschen sie in eine Außenseiterposition. Sie fühlen sich ausgegrenzt, missverstanden und allein.“

Nicht immer erkennen allerdings Betroffene eine Hochbegabung.

Oft sind sie sich nicht sicher um ihre besonderen Fähigkeiten und fühlen sich auf diffuse Weise anders. Ein auffallendes Merkmal von Hochbegabten ist der Selbstzweifel, vor dem Hintergrund des inneren „Wissens“ oder der Intuition etwas Besonderes zu können und/oder „anders“ zu sein.

Anne Heintze erläutert: „Viele Hochbegabte und Hochintelligente sind sensorisch und emotional überdurchschnittlich empfindsam, was dazu führen kann, dass sie Eigenarten entwickeln. Die übersensible Wahrnehmung der Umwelt, ihrer Mitmenschen und von sich selbst bringt Hochbegabte in ihrem beruflichen und privaten Umfeld in soziale Schieflagen, die einen lockeren und unbekümmerten Umgang mit ihnen schwierig machen. Ziel meines Coachings ist es, hochbegabte Jugendliche – und ihre Angehörigen – sowie Erwachsene zu begleiten und bei der Erkennung und Entfaltung ihres Potentials zu unterstützen.“

Seit 1988 arbeitet Anne Heintze in Beratung und Coaching, erst als Therapeutin und Heilpraktikerin, dann als Trainerin und Management-Coach in Wirtschaft und Kultur. Sie hat fünf Kinder groß gezogen und war immer berufstätig.“

Veröffentlicht am 26.09.2007, nachzulesen hier.

„Nun: Fast 9 Jahre später. Was hat sich verändert oder gar verbessert? In meiner täglichen Arbeit merke ich: Nicht viel. Das Bewusstsein dafür, dass es unglaublich viele hochbegabte Erwachsene gibt, ist nicht wesentlich gestiegen. Die allermeisten hochbegabten Erwachsenen wissen noch nicht einmal, dass sie hochbegabt sind. Die Menschen, die ihre Hochbegabung spät entdecken, kommen nach wie vor meist durch die Erkenntnis darauf, dass ihre Kinder hochbegabt sind (und sich fragen: „Wie ist das eigentlich bei mir?“) oder durch aufgeklärte Therapeuten, die feststellen, dass ihre Patienten zu der Menschen mit besonders ausgeprägten Begabungen gehören (und der „Patient“ fragt sich dann: „Bin ich eigentlich krank und therapiebedürftig oder ticken meine Uhren einfach nur anders, weil ich hochbegabt bin?“).

Es gibt noch immer viel zu tun.

Sig