Die meisten introvertierten Menschen arbeiten gerne still und leise für sich. Während ihre extrovertierten Kollegen im Meeting munter drauf los reden oder den Kunden gekonnt um den Finger wickeln, halten sich Introvertierte eher zurück. Dir geht es wahrscheinlich genauso und das kann dazu führen, dass dein Chef deine Leistungen und Erfolge häufig übersieht. Hinzu kommt, dass du oft selbst nicht genau weißt und dann zeigst, was du eigentlich alles leistest und daher nicht der Erste bist, wenn es um eine Beförderung geht.

Doch dem kannst du Abhilfe leisten, indem du zum Beispiel anfängst, deine täglichen Aufgaben und Projekte schriftlich festzuhalten. So weißt du, was du alles geschafft hast und beim nächsten Gespräch mit deinem Chef hast du etwas in der Hand, was du ihm präsentieren kannst. Vor allem bei Verhandlungen um eine Gehaltserhöhung oder bei der Akquise neuer Projekte sind Notizen für Introvertierte extrem hilfreich.

Einzelbüro statt Großraumbüro für Intros

Zu den Stärken von introvertierten Mitarbeitern gehört oft eine große Kreativität, allerdings nur, wenn ihnen genügend Raum zur freien Entfaltung zur Verfügung steht. Introvertierte können nicht auf Kommando kreativ sein oder auf Abruf eine geniale Präsentation abliefern. Sie laufen meist zu Höchstformen auf, wenn sie für Projekte ausreichend Zeit bekommen und sich in Ruhe auf die Aufgabe konzentrieren können.

Dann liefern Introvertierte meist auch tolle Ergebnisse ab.

Die ideale Arbeitsatmosphäre für dich als Introvertierter ist eher ein Einzelbüro, wo du konzentriert und in Ruhe arbeiten kannst. In einem Großraumbüro würdest du dich nicht wohlfühlen und ständige Teamarbeit würde dich zu sehr ausbremsen. Denn permanente Reize von Außen stressen dich zu sehr und du könntest kaum einen Gedanken fassen oder Ideen entwickeln. Solltest du nicht in den Genuss eines Einzelbüros kommen, achte zumindest darauf, dass es für dich Rückzugsmöglichkeiten gibt, wo du für eine Weile ungestört arbeiten kannst. Verbringe auch hin und wieder die Mittagspause alleine, um vom Arbeitsalltag abzuschalten und deine Gedanken neu zu sortieren.

Sprich am besten mit deinem Vorgesetzten und passe die Arbeitsbedingungen so an, dass sie für dich und deine Bedürfnisse ideal sind. Im Gegenzug solltest du aber auch versuchen, hin und wieder deine Komfortzone zu verlassen und dich auch unangenehmen Situationen wie Diskussionen mit Vorgesetzten oder Verhandlungen mit Kunden stellen.

Netzwerken ist auch für Introvertierte wichtig

In der heutigen Arbeitswelt kommt man manchmal nicht drumherum, sich blicken zu lassen. Ob Betriebsausflug, Weihnachtsfeier, Fachmesse, Seminar oder Kongress – Kontakte zu knüpfen und zu pflegen gehört zum Arbeitsalltag dazu. Für extrovertierte und kommunikative Mitarbeiter ist das sicherlich kein Problem. Schließlich laufen die meisten von ihnen in solchen Situationen zu Höchstformen auf. Viele leise Menschen jedoch bekommen schon beim Gedanken an solche Anlässe ein mulmiges Gefühl und die Nerven liegen blank.

Dennoch solltest du diese Veranstaltungen nicht grundsätzlich meiden. Ganz im Gegenteil: Nutze diese Gelegenheiten und mische dich hier und da unters Volk. Wenn du dabei ein paar einfache Regeln beachtest, musst du dich nicht einmal verbiegen: Kenne und nutze deine eigenen Bedürfnisse und Stärken und konzentriere dich auf wenige Menschen. Gönne dir zwischendurch immer mal wieder ein paar Minuten Ruhe und begrenze die Zeit. Du musst nicht immer bis zum Ende einer Veranstaltung bleiben, sondern kannst diese je nach Gefühl auch früher verlassen.

Entgegen der herrschenden Meinung haben introvertierte Menschen sogar viele Eigenschaften, die fürs „Netzwerken“ von Vorteil sein können. Da Introvertierte als ausgezeichnete Zuhörer und Beobachter gelten, sind sie gern gesehene Gesprächspartner, weil sie gut zuhören können und konzentriert bei der Sache sind.

Sie verleihen Dialogen sogar mehr Substanz und Tiefe. Außerdem sind sie mitfühlender und können sich gut in andere hineinversetzen. Introvertierte spüren auch eher, wann ihr Gegenüber keine Lust mehr auf das Gespräch hat und ziehen Dialoge nicht unnötig in die Länge.

Als Introvertierter im Bewerbungsgespräch punkten

In Vorstellungsgesprächen haben extrovertierte und schlagkräftige Persönlichkeiten die Nase vorn. Aber auch, wenn man introvertiert geprägt ist, kann man sich im Bewerbungsgespräch profilieren, es kommt nur auf die richtige Vorbereitung an. Egal, um welchen Job es geht, im Gespräch mit dem potenziellen Arbeitgeber muss man sich gut verkaufen können. Und das ist für Introvertierte der Knackpunkt: Sie sprechen nicht gerne über sich und kommen kaum aus sich heraus. Und dann sollen sie den Personalchef in 30 Minuten von sich überzeugen?

Vor einem Vorstellungsgespräch solltest du dich perfekt vorbereiten. Gehe mögliche Fragen durch, überlege dir passende Antworten dazu und lerne diese auswendig. Das nimmt dir Druck heraus, da die Gefahr, dass dir Fragen gestellt werden, auf die du keine Antwort vorbereitet hast, gering ist. Introvertierte neigen häufig auch dazu, bei sich selbst nach Fehlern zu suchen und nur ihre Schwächen zu betrachten. Deshalb solltest du dir im Vorfeld Gedanken über deine Stärken machen, die du dann souverän im Bewerbungsgespräch vorträgst.

Letztlich muss es nicht unbedingt ein Nachteil sein, dass du ein zurückhaltender und ruhiger Mensch bist. In manchen Fällen werden introvertierte Personen eher eingestellt, weil Personaler und Chefs manchmal der Meinung sind, dass dominante und zu selbstbewusste Bewerber Unruhe in das Unternehmen bringen könnten.

Lies dazu auch den Artikel: Bewerbungsgespräche meistern als introvertierter und hochsensibler Mensch.

Alles Liebe
Anne