Wahrscheinlich kennst du das Gefühl, zwischen zwei Entscheidungen hin- und hergerissen zu sein.

Der Verstand sagt dir, dass du etwas tun sollst, aber der Bauch spricht dagegen. Wenn wir vom „Bauchgefühl“ sprechen, meinen wir damit meist unsere Intuition, eine Art Wissen, das mehr Eindrücke in uns sammelt und verarbeitet, als wir es rational erfassen können. Wie sehr wir von unserer Intuition Gebrauch machen, hängt oftmals davon ab, wie sehr diese Form der Entscheidungsfindung von unseren gesellschaftlichen Normen, in die wir eingebettet sind, akzeptiert wird. Reisen wir weiter zurück in die menschliche Geschichte, war die Intuition allerdings als Wissensquelle in vergangenen Tagen ganz normal.

Das Ende der Intuition als ganzheitliches Wissenskonzept

Noch vor Beginn der Christianisierung in Europa und vor der Verbreitung gesellschaftlicher Strukturen, die eine männliche sowie rationale Dominanz mit sich brachte, hatte die Verbindung zur Natur und das Vertrauen in die eigenen Empfindungen eine große Bedeutung. Es war ganz selbstverständlich, seinen Eingebungen zu vertrauen.

Es war die Zeit, bevor man sich für wissenschaftliche Erkenntnisse auf harte Fakten stützte. Medizin beispielsweise wurde damals aus Heilpflanzen gewonnen, und die Auswahl dieser Heilpflanzen für bestimmte Beschwerden wurde zum größten Teil anhand der eigenen Intuition getroffen. Die Christianisierung richtete sich vor allem gegen Menschen, die ihrem Bauchgefühl vertrauten: Es wurde mit Angst und einer höheren Macht gedroht und alles „Unbewusste“ verteufelt.

Spätestens durch den Leitspruch des Philosophen René Descartes „Ich denke, also bin ich“ wurde im 16. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung eine Denkidentität geprägt, die eine künstliche Trennung von Fühlen und Denken, von Geist und Körper forcierte. Seitdem wurden spontane und vorausschauende Eingebungen als Humbug abgetan und die Menschen begannen ihrer Intuition zu misstrauen.

Vergleicht man unsere heutige Denkkultur mit den Traditionen andere Kulturen in abgelegenen Gebieten, die von Rationalismus oder Logik noch nie etwas gehört haben, wird uns klar, dass unsere Art zu denken nicht unbedingt universell ist.

Was genau ist Intuition eigentlich?

Wir alle kennen Situationen, in denen wir selbst zwiegespalten sind. Wir denken über eine Entscheidung nach und sind uns sicher, dass sie – rational von allen Standpunkten aus beleuchtet – die Richtige sein wird. Doch irgendwie schwingt ein Gefühl mit, das uns sagt, dass wir es lieber sein lassen sollten. Und am Ende stellt sich heraus, dass unser Bauchgefühl richtig war.

Studien aus dem Bereich der Bewusstseinsforschung brachten bezüglich solcher Phänomene in den letzten Jahren Licht ins Dunkel. Wir gehen oft davon aus, dass das Rationale einen höheren Stellenwert hat, da wir Dinge, die wir angreifen, auch bewusst wahrnehmen können, und deshalb für richtig gehalten werden. Gefühle sind schwerer zu fassen. Tatsächlich werden wir tagtäglich mit Tausenden von Eindrücken konfrontiert, die von unserem Unbewussten aufgenommen und verarbeitet werden.

Diese Eindrücke setzten in uns Prozesse in Gang, die uns bewusst wahrgenommen oft nicht zugänglich sind. Um diese Prozesse allerdings bewusst wahrnehmen zu können, muss der Bedeutung unserer Intuition wieder mehr Wert beigemessen werden. Denn die Intuition ist eine Methode, die uns hilft, zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, unter Einbeziehung unbewusster Eindrücke.

Intuition ist eine Form von ganzheitlicher Wissenserfassung, wobei wir ohne bewusstes Nachdenken sehr rasch zu neuen Erkenntnisse gelangen. So kompliziert es sich vielleicht anhört, aber du hattest sicher schon einen „Geistesblitz“, einen plötzlichen Einfall, ein „Bauchgefühl“, oder eine Art Eingebung.

Bei diesen Eingebungen handelt es sich um intuitive Phänomene, die geschult und wieder stärker in den Alltag integriert werden können!

Das intelligente Unbewusste – unsere unbewusste Intelligenz

Laut des psychoanalytischen Konzepts der Verdrängung von Freud wird das Bewusstsein in zwei Bewusstseinsbereiche geteilt. Zum einen in ein System des Unbewussten und zum anderen in ein System des Bewussten. Zwischen diesen beiden Systemen befindet sich eine Schranke, die beide voneinander trennt. Hier kommt die Verdrängung ins Spiel, denn diese Bewusstseinsschranke kann nur durch Verdrängung aufrechterhalten werden. Freud meinte allerdings, dass es sich beim Unbewussten um zuvor bewusstes Wissen handelt, beispielsweise Erlebnisse aus der Kindheit, die später ins Unbewusste verdrängt wurden.

C. G. Jung war allerdings ein Skeptiker betreffend Freuds Erkenntnis, dass das Konzept des Unbewussten sich auf die Verdrängung persönlicher Erfahrungen beschränkt. Dafür war er der Meinung, dass wir ein kollektives Menschheitswissen in uns tragen, das einen weit größeren Bestandteil des Unbewussten ausmacht, als erlebte Erfahrungen.

Die heutige Kognitionspsychologie ist sich bezüglich des Unbewussten immer noch uneinig und beziehen sich betreffend unbewusster Prozesse vor allem auf die Bereiche Wahrnehmung, Wissen und Denken und lehnen die Vorstellung von dynamischen Vorgängen im Unbewussten ab. Neuere Erkenntnisse grenzen sich aber von Freuds Lehren klar ab und sprechen davon, dass das Unbewusste aus sämtlichen unbewussten psychischen Prozessen gespeist wird und so unsere Gefühle und auch unser Denken beeinflusst.

Bei der unbewussten Intelligenz handelt es sich um eine Fähigkeit

Wir können uns auf einer rationalen Ebene verständlich machen, wie der Prozess der Intuition auf kreative Weise funktioniert. Ein schöpferischer Prozess steht hier im Vordergrund, der sich wie Freud auf der Suche nach unbewussten Inhalten macht, um diese dann umzuorganisieren und so auf neue Lösungen zu kommen. So können mehrere Lösungen für ein Problem gefunden werden, die dann theoretisch angewendet werden, um so die passendste Lösung zu finden. Resonanzphänomene sind eine weitere Art, um verstehen zu können, wie Intuition funktioniert.

Hier werden unbewusst Informationen zwischen Menschen ausgetauscht, die beispielsweise Stimmungen, Handlungen und Absichten übertragen.

Dies kann so weit gehen, dass man selbst diese Stimmungen oder Absichten übernimmt, ohne dass man selbst dies vorhatte. Diese intuitive Kommunikation funktioniert über unsere Nervenzellen, die automatisch die Haltung des Gegenübers übernimmt, so als ob wir selbst dieses Gefühl empfinden oder diese Handlung planen würden. So können wir zu einer intuitiven Gewissheit über die Absicht des Anderen gelangen. Oder kennst du das Prinzip des Bauchgefühls? Über unser Bauchgefühl werden oft sehr rasch unbewusst Entscheidungen getroffen.

Wir sind mehr, als nur Gedanken und die Integration unserer unbewussten Intelligenz bereichert auf vielen Ebenen unser Leben.

Lies mehr darüber in meinem Buch „Kopf aus, Bauch an? Die Balance zwischen Verstand und Intuition finden“.

Herzlichst
Anne

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Webinaraufzeichnung spreche ich über das Thema Intuition: