Was tust du, um dich besser zu fühlen, wenn es dir schlecht geht? Die meisten Menschen greifen dann auf irgendeine Art von Belohnung zurück. Laut der American Psychological Association (APA) sind das meist: Essen, Trinken, Einkaufen, Fernsehen, Internet-Surfen und Videospiele. Das dabei ausgeschüttete Dopamin verspricht uns, dass wir uns danach besser fühlen werden. Also wenden wir uns diesen größten Dopamin-Auslösern zu, wenn wir ein Tief hinter uns lassen wollen.

Leider wenden wir uns häufig Dingen zu, die uns viel weniger belohnen und erleichtern – sie erzeugen vielmehr Schuldgefühle.

Ich sage nur „Schokolade“

Wer kann schon von sich behaupten, dass er meistens ein gutes Gewissen bei einem genüsslichen Biss – oder zweien oder dreien – in Schokolade hat?

Wenn wir unter Stress stehen, sind wir ganz besonders anfällig für Versuchungen.

Gerade hochsensible Menschen sind sehr häufig auf der Suche nach Stressreduktion und tappen in diese Falle. Neurowissenschaftler haben nachgewiesen, dass Stress dazu führt, dass wir uns auf Belohnungssuche begeben. Stress erzeugt also Verlangen.

Die Seelentröster können sich aber gegen uns wenden, wenn wir sie abwerten und mit Selbstkritik reagieren. Das sieht dann oft so aus, dass du dir sagst: „Ach was soll’s, jetzt ist es auch egal.“ Ein Stückchen und noch ein weiteres Stückchen Schokolade folgen.

Das nenne ich den „Was soll’s-Effekt“. Welcher Alternativen hast du dafür?

Als wichtigstes hilfreiches Mittel ist es erforderlich, dass du persönliche Strategien zur Stresslinderung entwickelst. Die American Psychological Association (APA) hat auch herausgefunden, was am wirksamsten ist: Sport und Spiel, Gebet/Glauben, mit Freunden oder Verwandten Zeit verbringen, Lesen, Spazieren gehen, Meditieren, Yoga, und ein kreatives Hobby. Ich selbst kann mit bewusstem Atem sehr leicht Stress reduzieren.

Die am wenigsten hilfreichen Reaktion auf Stress sind die oben aufgeführten, zu denen die meisten Menschen jedoch leider neigen.

Die Erklärung ist einfach: Echte Stresslinderung arbeitet nicht mit Dopamin und Belohnung, sondern mit dem Botenstoff Serotonin und dem Wohlfühlhormon Oxytocin. Weil die funktionierenden Strategien sich aber nicht so aufregend anfühlen wie jene, bei denen Dopamin ausgeschüttet wird, neigen wir dazu, zu unterschätzen, wie viel Wohlbefinden sie erzeugen.

Wenn du das nächste Mal unter Stress stehst und dich gewohnheitsmäßig der Sache zuwenden möchtest, die dir Erleichterung verspricht (aber wenig hilfreich ist), versuche es stattdessen mit einer der oben aufgeführten, wirkungsvollen Methoden der Stresslinderung.

Meine Erkenntnisfragen heute für dich: 

  • Wie glaubst du Erleichterung und Belohnung zu erreichen?
  • Was tust du, wenn du unter Stress stehst, ängstlich oder niedergeschlagen bist?
  • Bist du anfälliger für negative Versuchungen, wenn du dich aufgeregt hast?
  • Wie wirkt sich ein schlechtes Befinden auf deine Willenskraft aus?
  • Welche Alternativen kannst du dir vorstellen?
  • Bist du bereit, dir Zeit zu geben, um neue hilfreiche Systeme auszuprobieren?

Du kannst ganz allein deine Wege für ein harmonisches Leben finden.

Lies dazu auch: Dein Stressmanagement: Verwandle Dysstress in Eustress.
Herzlichst,
Anne