Kreative Lösungen entstehen nicht im Stress! Das kennen sicher viele Menschen, die schon einmal versucht haben, eine richtig gute Idee zu erzwingen. Sie sitzen vor dem Bildschirm und zermartern sich das Hirn auf der Suche nach dem nie dagewesenen Gag, der alle Aufmerksamkeit in den Medien auf sich zieht. Das soll natürlich innerhalb des Budgets in kürzester Zeit in perfekter Ausführung passieren.

Da ist es kein Wunder, dass so manches Gehirn aufgibt und die Waffen streckt. Unser Tipp: Belasse es dabei, schalte den Rechner aus und entspanne dich! Denn das Geheimnis der Kreativität liegt gar nicht in der Anstrengung, sondern im Loslassen! Die guten Ideen kommen dir vielleicht nicht immer auf dem Klo oder unter der Dusche. Doch auch dort hat bestimmt jeder schon mal den Gedankenblitz gehabt, der letztendlich die Wende zum Guten gebracht hat.

Das Unterbewusstsein erledigt die kreative Arbeit

Spätestens nachdem wir uns einmal intensiv mit einem anstehenden Thema beschäftigt haben, ist es angebracht, dieses beiseite zu legen und sich anderweitig zu beschäftigen. Denn eigentlich ist es ja bekannt: Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass es nützlich sei, Entscheidungen immer sehr bewusst und rational zu treffen, wird in der Regel das meiste im Unterbewusstsein verarbeitet und entschieden.

Besonders in Phasen der Erholung und Entspannung findet dein Gehirn die Zeit, die vorhandenen Informationen zu vernetzen. Durch die neuen neuronalen Verbindungen, die besonders im Schlaf gelegt werden, kommen Lösungen zum Vorschein, die als plötzlicher Einfall empfunden werden, im Prinzip aber auf der Hintergrundarbeit deines Gehirns beruhen.

Nicht umsonst ist es schon fast sprichwörtlich, dass Kollegen mit dem Ausruf „Unter der Dusche hatte ich gerade die rettende Idee!“ ins Büro stürmen und sich voller Begeisterung an die Umsetzung machen.

Müßiggang als Kreativitätsmotor

Doch kannst du es dir leisten, einfach so die Seele baumeln zu lassen und das noch als kreative Arbeitsmethode zu verstehen? Viele Menschen glauben, dass sie ununterbrochen Tätigkeiten erledigen müssen, die zumindest den Anschein eines hohen Beschäftigungsgrades erwecken. So schaffen sie sich ein sicheres Gefühl, denn was nach hohem Arbeitsdruck aussieht, kann nicht so leicht wegrationalisiert werden.

In Zeiten von Termindruck und Selbstoptimierung ist es ein gewagtes Unterfangen, sich dem scheinbar absichtslosen Müßiggang hinzugeben. Wie schnell ist da der Job verloren? Zugegeben: Es gehört schon eine Menge Selbstvertrauen dazu, offen dazu zu stehen, dass jetzt die kreative Stillephase bei dir beginnt.

Doch was ist, wenn deine Ergebnisse von hoher Qualität sind? Die Anerkennung dieser Ergebnisse durch das Unternehmen und die Kollegen kann die Risiken durchaus ausgleichen.

Kreativer Müßiggang will gelernt sein

Du wirst nicht einfach von heute auf morgen von der Hetze zum Chillmodus wechseln können. Dagegen sprechen nicht nur deine Gewohnheiten und der Druck der Umwelt. Vielen Menschen fällt es auch sehr schwer, sich mit sich selbst zu befassen, allerdings gehören Hochsensible selten dazu. Was aber bei großer Empfindsamkeit leicht geschehen kann: Je mehr Gelegenheit du zur Innenschau hast, umso mehr könnten Zweifel am eigenen Ich aufkommen.

Kleine Schritte

Doch du kannst es schrittweise lernen, dich der Muße so hinzugeben, dass sie Freude macht und nebenbei deinem Gehirn den Raum lässt, den es für kreative Lösungen benötigt. Dabei hilft es dir, zu vergegenwärtigen, dass sehr viele Menschen gerade in kreativen und künstlerischen Berufen die Muße sehr geschätzt haben.

Der Aufenthalt in der Natur hat berühmten Geistern von Wagner bis Dante Alighieri, von Nietzsche bis zum Maler Gustav Klimt oder August Macke die stille und gleichzeitig kreative Umgebung verschafft, die sie zur Schaffung großer Werke brauchten. Und die Untersuchungen amerikanischer Hirnforscher bestätigen den Befund: Schon ein zwanzigminütiger Spaziergang in frischer Luft aktiviert viel mehr kreative Hirnregionen als das mittägliche Sitzen in der Kantine.

Was dir zunächst als ungewohnte Herausforderung erscheinen mag, wird immer stärker zum Quell erhöhten Wohlbefindens, denn du merkst schnell, dass du keineswegs deine Pflichten vernachlässigst. Wenn du dir die Zeit nimmst, um dich bewusst auf die lange Weile und den Müßiggang einzulassen, wirst du vielfältigen Gewinn davontragen.

Denn wer lernt, geduldig auf den kreativen Gedanken zu warten, wird sich in der Zwischenzeit mit einem Spaziergang, einer anregenden Lektüre oder einem schönen Einkauf beglücken können. Auch die Kunst der Meditation, in der du vielleicht in 10 Minuten mehr über dich lernen kannst als in langen Bürowochen, wird dich im Alltag weiterbringen.

Müßiggang ersetzt nicht die Arbeit

Ohne ein gewisses Maß an Input wird auch der kreativ geschulte Geist nicht auskommen. Sie allein wird sicher nicht zum Erfolg führen. Doch wenn du dich in ausreichendem Maße mit deinem aktuellen Thema befasst hast, ist eine „kreative Pause“ auf jeden Fall angesagt. Wer das Ergebnis nicht sofort erzwingen will, kann damit rechnen, dass ihm die Lösung schon rechtzeitig einfallen wird. Erforderlich ist dazu ein Umdenken, das die Ergebnisse der Kreativitätsforschung anerkennt und einbezieht.

Am Ende des Tages führt das nicht nur zu guten Betriebsergebnissen, die Mitarbeiter sind weitaus ausgeglichener als unter Dauerstress. Damit sinken Krankheitszeiten, die durch das vermeintliche Tagträumen, das zur Entspannung gehört, gar nicht „vergeudet“ werden können.

Letztendlich kommt es darauf an, die Entspannung auch im Kleinen zu finden, sich ablenken zu lassen und den guten Gedanken wie einen guten Wein reifen zu lassen.

Herzlichst
Anne