„Jemanden zu lieben, der Depressionen hat, ist wie London. Es ist die tollste Stadt der Welt, aber es regnet jeden Tag!“ Dieses Zitat wird in zahlreichen Onlinemedien Sophie Manleitner zugeschrieben und enthält sehr viel Wahrheit. Was hat unsere Wohlstandsgesellschaft damit zu tun?

Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtig und scheinen immer mehr von uns zu betreffen. So ist die Zahl der Krankentage je 100 Versicherte durch psychische Erkrankungen im Jahr 2016 mit rund 246 auf einen neuen Höchststand gestiegen. Doch worin bestehen die Ursachen für psychische Erkrankungen und hat die heutige Gesellschaft tatsächlich etwas damit zu tun?

Welche psychischen Erkrankungen sind in unserer Wohlstandsgesellschaft besonders häufig?

Zu den psychischen Krankheiten, die aktuell besonders häufig diagnostiziert werden, gehören vor allem:

  • Depressionen
  • Bipolare Störungen
  • Burn-out-Syndrom
  • Angststörungen
  • Körperliche Symptome ohne körperliche Ursache (somatoforme Störungen)

Depressionen stehen dabei ganz klar an erster Stelle, wobei hier zwischen akuten aber vorübergehenden und chronischen oder wiederkehrenden Depressionen unterschieden wird.

Was sind Depressionen genau?

Depressionen äußern sich in einer Mischung aus negativen Gefühlen wie Erschöpfung, Traurigkeit und Mutlosigkeit. Während jeden von uns solche Gefühle auch im normalen Alltag hin und wieder befallen, sind sie bei Depressionen besonders stark ausgeprägt und zudem länger anhaltend. Vor allem die Dauer unterscheidet eine normale melancholische Verstimmung von einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung. Wenn du davon betroffen bist, kannst du dich meist nicht mehr selbst aus dieser Gefühlsfalle befreien. Je nach Form der Depression treten dabei unterschiedliche Symptome auf:

  • Selbstzweifel: Bei einer Depression hast du mit mangelnder Entschlusskraft und einem Gefühl der eigenen Minderwertigkeit zu kämpfen. Auch übertriebene Schuldgefühle spielen hier eine wichtige Rolle.
  • Kraftlosigkeit: Allgemeine Ermüdungserscheinungen mischen sich mit einer gestörten Empfindung. Alltägliche Tätigkeiten nimmst du als viel zu anstrengend wahr und selbst kleinste Entscheidungen geraten zur Qual.
  • Leere: Du fühlst nicht selten eine gewisse innere Leere, die dabei von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit begleitet wird. Auch normalerweise angenehme Dinge bringen dir keine positiven Impulse mehr.
  • Angstzustände: Nicht selten treten Angstzustände auf. Dies können extreme Zukunftsängste sein, die so stark werden, dass du sogar über deinen eigenen Tod nachdenkst. Dies ist allerdings nur bei sehr schweren Depressionen der Fall.

Zu diesen Symptomen gesellen sich häufig auch noch körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Alpträume, Schmerzen ohne körperliche Ursache sowie ein Libidoverlust.

Was versteht man unter einer bipolaren Störung?

Eine bipolare Störung kannst du unter anderem an starken Stimmungsschwankungen erkennen. Zu depressiven Phasen mit den oben genannten Symptomen durchlebst du dabei auch immer wieder manische Phasen des Hochgefühls oder der Gereiztheit. Die Symptome dieser Zeit sehen folgendermaßen aus:

  • Besondere Gesprächigkeit
  • Gesteigerte Aktivität
  • Unruhe
  • Steigerung der Libido
  • Rasende Gedanken
  • Überhöhte Selbsteinschätzung
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Eine bipolare Störung kann in beiden Phasen zu einer erheblichen Einschränkung in deinem Alltag führen. Auch wenn in manischen Phasen die eigene Leistungsfähigkeit erhöht sein mag, können sich damit noch weitere psychische Probleme verbinden. So stellt sich mitunter sogar Verfolgungswahn ein.

Was ist ein Burn-out-Syndrom?

Da es sich bei einem Burn-out-Syndrom noch um ein vergleichsweise junges Problem handelt, existiert keine exakte Definition. Experten gehen allgemein von einem Zustand sehr deutlicher, körperlicher und seelischer Erschöpfung aus. Die Krankheit ist eng mit der Berufswelt verbunden, denn es geht meistens um dauerhafte Überforderung im Beruf oder auch um Kränkungen und harte Rückschläge trotz hohem Leistungspensum. Die Symptome sind häufig ähnlich wie bei einer Depression und äußern sich folgendermaßen:

  • Erschöpfung: Ein Zustand der chronischen Müdigkeit und Erschöpfung kennzeichnet das Burn-out-Syndrom sehr deutlich. Erholungsphasen bringen dir nicht mehr die gewünschte Regenration und es fällt dir immer schwerer, zur Ruhe zu kommen.
  • Zurückziehen: Du ziehst dich dann immer mehr zurück und triffst Freunde deutlich seltener oder gibst selbst liebgewonnene Hobbys auf. Zuletzt wird oft auch der Lebenspartner vernachlässigt.
  • Leistungsdefizit: Deine eigene Leistungsfähigkeit lässt erheblich nach und es kommt zu Fehlern bei der Konzentration. Da die guten Ergebnisse ausbleiben, wird häufig mit noch härterem Arbeiten reagiert, was einen Teufelskreis in Gang setzt.
  • Zweifel am Sinn des Lebens: Mit fortschreitendem Verlauf schleicht sich mehr und mehr eine gewisse Gleichgültigkeit ein. Bei fast keiner Tätigkeit kann mehr Freude oder Spaß empfunden werden. Hoffnungslosigkeit macht sich breit.

Wie bei Depressionen kann ein Burn-out-Syndrom auch zu körperlichen Symptomen führen. Dazu gehören Schlafstörungen sowie Magen-Darm-Beschwerden oder auch Kopfschmerzen.

Worin liegen die Ursachen für derartige psychische Erkrankungen?

Fest steht, dass bei einer psychischen Erkrankung häufig viele verschiedene Ursachen zusammenspielen. Dabei werden verschiedene Arten von Faktoren unterschieden:

  1. Biologische Faktoren

Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht komplett erforscht wurden, lässt sich festhalten, dass biologische Faktoren wie die Vererbung durchaus eine Rolle bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen spielen. Ferner können zudem auch Stoffwechselproblematiken im Gehirn für Depressionen verantwortlich sein:

  • Wichtige Neurotransmitter wie Serotonin oder Noradrenalin liegen in zu geringer Konzentration vor.
  • Die Empfindlichkeit von Rezeptoren für Neurotransmitter ist krankhaft verändert.
  1. Ereignisinduzierte Faktoren

Bestimmte Ereignisse wie der Verlust deines Partners (Tod oder Trennung) oder schwere Traumata können ebenfalls Risikofaktoren für eine Depression darstellen. Kannst du solche Traumata nicht richtig aufarbeiten, entstehen mitunter krankhafte Zustände daraus.

  1. Umweltfaktoren im Zusammenspiel mit psychologischen Ursachen

Wenn deine eigene Lebenssituation stetigen negativen Stress mit sich bringt und du darüber hinaus den Alltag als äußerst belastend wahrnimmst, können daraus depressive Störungen entstehen. Diesbezüglich sind vor allem folgende Aspekte zu nennen:

  • Dauerhafte Überforderung am Arbeitsplatz
  • Stetige Konflikte in einer Partnerschaft
  • Stetige Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben

Wenn du keine Möglichkeit findest, angemessen auf solche Risikofaktoren zu reagieren, kannst du dich schnell in der Depressionsfalle wiederfinden.

Ist das Risiko einer psychischen Erkrankung heute höher?

Die Forschung kann heute noch nicht mit Sicherheit sagen, ob es in der heutigen Zeit tatsächlich ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen gibt.

Verschiedene Forscher sind sich beispielsweise einig, dass Stadtbewohner ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen aufweisen als Menschen, die in ländlicheren Gegenden leben. Doch dort wird auch erwähnt, dass die Zusammenhänge in weiteren Studien untersucht werden müssten. Eine weitere Studie im Bereich Burn-out-Forschung des Max-Planck-Instituts ergab zudem, dass es keine signifikante Zunahme von psychischen Erkrankungen in der Arbeitswelt gebe. Vielmehr würden solche Krankheiten heute eher akzeptiert und identifiziert und erscheinen damit auch vermehrt in den Statistiken.

Es existieren allerdings einige unzweifelhafte Faktoren, die durch die heutige Lebensweise das Risiko psychischer Erkrankungen erhöhen könnten:

  • Hohe berufliche Mobilität: Häufiger Verlust sozialer Bindungen am bisherigen Lebensort
  • Verlust der familiären Strukturen (auch als Folge höherer Mobilität)
  • Höhere Anzahl an Scheidungen (für die Betroffenen und deren Kinder ein Risikofaktor)
  • Frühere Pubertät (größere Differenz zwischen körperlicher und seelischer Reife)

Dafür haben andere Risikofaktoren wie das hohe Armutsrisiko oder das Verlustrisiko von Angehörigen durch Kriege jedoch abgenommen. Auch erlebte Kriegstraumata sind hierzulande keine aktuellen Probleme. Somit lässt sich unter dem Strich nur sicher sagen, dass psychische Erkrankungen heute besser diagnostiziert und erkannt werden können. Es gibt zwar neue Risikofaktoren, jedoch ist nicht klar, ob diese tatsächlich das Gesamtrisiko für Depressionen und Co. anheben oder nur an die Stelle alter Ursachen treten.

Fazit

Psychische Erkrankungen werden heute breit diskutiert und immer deutlicher als echtes Problem in unserer Gesellschaft wahrgenommen. Gerade Depressionen, bipolare Störungen und auch ein Burn-out-Syndrom haben in den letzten Jahren durch bessere Informationsmöglichkeiten einen enormen Bekanntheitszuwachs erfahren. Es ist jedoch nach wie vor fraglich, ob die Zahl der psychischen Erkrankungen tatsächlich zugenommen hat. Eine Erhöhung der Krankentage in diesem Bereich stellt noch keinen Beweis dar, denn die höhere Akzeptanz solcher Leiden sorgt auch dafür, dass Betroffene viel häufiger bereit sind über ihre Probleme zu sprechen. Dies sorgt wiederum dafür, dass sich Betroffene trauen wegen Depressionen überhaupt einen Arzt aufzusuchen. Es sind weitere Nachforschungen nötig, um genau festzustellen, ob die heutige Art zu leben tatsächlich den psychischen Krankheiten Vorschub leistet oder nicht.

Dir Hilfe bei Angehörigen oder einem Arzt zu suchen gehört zu den ersten Maßnahmen, wenn dir Probleme über den Kopf wachsen oder das psychische Unwohlsein über einen längeren Zeitraum andauert. Wichtig ist zu erkennen, dass du mit deinem Leid nicht alleine bist.