Einsamkeit ist ein Thema, das jeden betreffen kann. Es gibt verschiedenste Arten von Einsamkeit und diverse Hintergründe. Nächst ist wichtig zu verstehen: Allein zu sein ist nicht gleich einsam. Viele Menschen sind sehr gerne allein und genießen die Zeiten mit sich selbst. Alleine sein ist also nicht gleichzusetzen mit einsam sein. Du kannst ohne Partner durchs Leben gehen und musst dich trotzdem nicht zwangsläufig einsam fühlen. Denn die Gefühle der Einsamkeit können auch auftreten, wenn du in einer Partnerschaft bist, Kinder hast, bei deinen Freunden beliebt bist, einer Arbeit nachgehst und du dich in Gesellschaft befindest. Wenn dennoch Einsamkeitsgefühle ist toxischen Einsamkeit entstanden Welche Gründe kann es haben, dass du dich einsam fühlst, obwohl nach außen hin alles zu stimmen scheint?

Die modernen Kommunikationsmittel machen es heutzutage möglich, jederzeit und überall mit anderen zu kommunizieren und in Kontakt zu treten. Wieso fühlen sich trotzdem so viele Menschen einsam oder haben sogar Angst vor der Einsamkeit? Deine Einstellung zu dir selbst und deinem Leben trägt maßgeblich dazu bei, ob du dich einsam fühlst oder nicht!

Menschen, die sich einsam fühlen:

  • denken, nicht genug liebenswert zu sein
  • fühlen sich isoliert und ausgeschlossen
  • denken, einen Partner für ihr Glücklichsein zu brauchen
  • leiden unter Angst, nicht so angenommen zu werden, wie sie sind
  • lehnen sich selber ab
  • wirken aufgrund ihrer Angst abgelehnt zu werden oft überheblich
  • sind innerlich sehr unsicher
  • sind auf den Zuspruch und das Lob anderer angewiesen

Veränderungen in den Lebensumständen können ebenso dazu führen, dass man für das Gefühl der Einsamkeit empfänglich wird. Dazu zählen beispielsweise:

  • das Verlassenwerden durch den Partner
  • das Ausziehen der Kinder aus dem gemeinsamen Haushalt
  • Jobverlust oder Pensionierung
  • eine chronische Erkrankung
  • Einschränkungen durch körperliche oder psychische Beschwerden und Erkrankungen

Es gibt zahlreiche Faktoren, welche die Einsamkeit begünstigen.

Menschen kreisen oft zu sehr um sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse. Sie nehmen ihr Gegenüber nur mehr bedingt wahr, und sind es nicht mehr gewohnt, auf andere Menschen zuzugehen.

Das Leben in einer Großstadt fördert die toxische Einsamkeit. Die Anonymität ist in einer Großstadt sehr hoch und der Kontakt zu den Angehörigen kann oft nicht mehr regelmäßig gepflegt werden. Dies führt oft dazu, dass soziale Kommunikation vernachlässigt wird, weil sich die Werte verschoben haben. In einer Gesellschaft, die an Erfolg und Leistung orientiert ist, bleiben menschliche Kontakte und somit der Mensch selbst und seine Bedürfnisse oft auf der Strecke. Das Computerzeitalter erschwert die persönliche Kommunikation, Beziehungen werden oft vernachlässigt. Viele Menschen glauben keine Zeit zu haben, um sich ehrenamtlich und/oder in einem Verein zu engagieren, in dem soziale Kontakte gefördert würden.

Ehe und Familie haben sich gewandelt. Wenn eine Ehe in die Brüche geht, hinterlässt dies nicht nur zwei einsame Menschen, sondern leider auch oft vereinsamte Kinder. Und wenn beide Eltern berufstätig sind, bleibt oft für die Kinder zu wenig Zeit. Auch die Schulung der sozialen Kommunikation der Kinder leidet darunter. Oft werden auch Geborgenheit und das Angenommen sein nicht ausreichend vermittelt.

Die verschiedenen Arten der Einsamkeit

Grundsätzlich unterscheidet man die kurze, vorübergehende Einsamkeit und die langanhaltende, chronische Einsamkeit. Der Übergang zur chronischen Einsamkeit findet oft unbemerkt und schleichend statt. Viele Menschen merken ihre Isolation erst dann, wenn die Einsamkeit ihr täglicher Begleiter geworden ist. Im folgenden Abschnitt werden die Unterschiede zwischen der augenblicklichen Einsamkeit und der chronischen Einsamkeit näher erläutert.

Die kurze, vorübergehende Einsamkeit

Die Gefühle der Einsamkeit sind von kurzer Dauer. Sie sind die Folgereaktion auf äußere Umstände, die nicht beeinflussbar sind. Dazu zählen beispielsweise der Auszug der Kinder, Jobverlust, Umzug, ein Krankenhaus- oder Rehaaufenthalt. Diese Einsamkeitsgefühle sind nicht schädlich, sie sind ganz normale Reaktionen auf die veränderte Lebenssituation. Indem sie den Betroffenen für eine gewisse Zeit von den sozialen Kontakten mit anderen isolieren, helfen sie, mit der veränderten Lebenslage besser umzugehen.

Die Übergangsphase der Einsamkeit

Der Übergang zur chronischen Einsamkeit geschieht oft schleichend, ohne dass der Betroffene es bemerkt. Langsam aber sicher wird die Einsamkeit zum dauernden Begleiter. Die Fähigkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und sich zu unterhalten, nimmt immer mehr ab.

Die chronische Einsamkeit

Wenn die Einsamkeitsgefühle über Monate oder sogar Jahre andauern, spricht man von der chronischen, anhaltenden Einsamkeit. Der Betroffene lebt quasi in ständiger Isolation. Die Fähigkeit, mit anderen Kontakt aufzunehmen ist oft vollständig verkümmert. Andere Menschen können oft mit den Betroffenen nichts mehr anfangen. Dies löst wiederum im Betroffenen selbst das Gefühl der Ablehnung, des Unverstandenseins und den Vertrauensverlust in die eigenen Fähigkeiten aus. Weiterer Rückzug und totale Abkapselung sind die Folge. Weiters treten oft erhöhte Gereiztheit und Ablehnung gegenüber anderen Menschen auf. Der Betroffene baut aus Selbstschutz eine Mauer um sich auf. Die Depression kann eine weitere Folgeerscheinung sein. Der Betroffene schließt die Tür seines Herzens, um sich vor Verletzungen aus dem Umfeld zu schützen. Dabei würde er sich nichts sehnlicher wünschen, als einen Menschen, der behutsam und verständnisvoll auf ihn zugeht, seine Herzenstüre öffnet und die Mauer durchbricht.

Mögliche Hilfestellungen gegen die chronische Einsamkeit

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass es im Leben eines jeden Menschen immer wieder Situationen geben wird, in denen der Betroffene Einsamkeitsgefühle erlebt. Die Einsamkeit kann nicht vollständig aus dem Leben verbannt werden. Zudem kommt alles, was konsequent bekämpft werden will, meistens noch viel stärker. Annahme und Integration der Gefühle, ein Dasein dürfen, um etwas Anderes, Dahinterliegendes aufzeigen zu dürfen, ist oft die bessere Variante, als die absolute Abwehrhaltung.

Einsamkeitsgefühle zeigen eine Veränderung im Leben an. Sie wollen „gehört“ werden, da sie ein Alarmzeichen für etwas Tieferes sind. Sie können eine Aufforderung sein, auf andere Menschen zuzugehen, oder auch sich selbst und seine Bedürfnisse deutlicher wahrnehmen. Dennoch gibt es verschiedenste Möglichkeiten, die man anwenden kann, damit aus einer vorübergehenden Einsamkeit keine chronische Krankheit wird.

Im folgenden Abschnitt werden mögliche Lösungsansätze und Umgangsformen mit sich selbst und mit dem Gefühl der Einsamkeit aufgezeigt.

  1. Sei liebevoll mit dir selbst

Du bist wertvoll und liebenswürdig. Tue dir selbst etwas Gutes. Gönne dir etwas, das dir gut tut. Das kann ein wohltuendes Bad sein, ein schöner Spaziergang, ein leckeres Essen oder auch eine schöne Musik. Vielleicht magst du dir auch eine gute Tasse Tee machen, und es dir mit einem Lieblingsbuch und einer warmen Decke gemütlich machen.

  1. Gib deinem Leben einen Sinn

Suche dir eine ehrenamtliche Aufgabe. Dabei hilfst du dir selbst, indem du mit anderen Menschen in Kontakt kommst, und auch den anderen. Du findest eine sinnvolle Tätigkeit und Aufgabe, die dich erfüllt, und bei der du das Gefühl hast, gebraucht zu werden. Indem du anderen hilfst und Freude machst, beschenkst du auch dich selbst mit Freude. Du kannst dich auch ehrenamtlich in einer Kirche engagieren. Um dieses Grundbedürfnis an Zuwendung und Sinngebung zu erfüllen, kannst du beispielsweise auch in ein Tierheim gehen, und anbieten, regelmäßig einen Hund zum Spazieren auszuführen.

  1. Sei geduldig mit dir selbst und setze dir kleine, realistische Ziele

Überfordere dich nicht selbst. Stecke dir kleine Ziele und schenke dir selber die Zeit, die du brauchst, um sie umzusetzen. Sei geduldig mit dir selbst, alles hat seine Zeit. Manche Dinge sind spontan umzusetzen, andere Dinge brauchen länger.

  1. Stelle keine zu hohen Ansprüche an dein Umfeld

Ein einziger Mensch wird nicht alle deine Bedürfnisse erfüllen können. Mit einem Menschen kannst du vielleicht ein Hobby teilen, mit einem anderen Gespräche führen.

  1. Nimm Kontakt mit anderen Menschen auf und übe dich im Smalltalk

Warte nicht, bis dich jemand anspricht. Werde du selbst aktiv. Es kann dir nichts passieren. Geht dein Gegenüber nicht auf dein Gespräch ein, dann liegt es nicht an dir.

Unterhalte dich über Alltägliches. Es müssen keine tiefgründigen Gespräche sein. Übe dich in einfachen Konversationen. So bleibst du in Kontakt. Interessiere dich für den anderen, erzähle aber auch von dir.

  1. Tausche dich mit Menschen aus, die Einsamkeit kennen

Ein Forum bietet die Möglichkeit, sich mit Menschen zu unterhalten, denen es ähnlich geht. Du kannst dir Rat einholen, und Verständnis finden bei Gleichgesinnten.

  1. Rufe jemanden an gegen die Einsamkeit

Vielleicht kannst du eine Freundin oder einen Freund anrufen. Wenn du niemanden hast, mit dem du sprechen kann, wähle die Nummer der Telefonseelsorge 0800 111 0 111 der 0800 111 0 222.

  1. Nimm Blickkontakt auf und schenke ein Lächeln

Es kommt auf einen Versuch an. Probiere es, und du wirst überrascht sein, wie viele Menschen zurück lächeln.

  1. Werde achtsam und öffne deine Sinne fürs das Schöne

Mache einmal bewusst einen Spaziergang in der Natur. Nimm alles bewusst mit deinen Sinnen wahr. Was kannst du sehen und spüren? Welche Geräusche sind wahrnehmbar? Wie fühlst du dich? Kannst du etwas Bestimmtes riechen? Gibt es ein bestimmtes Farbenspiel zu beobachten? Vielleicht hält sich gerade ein Tier in deiner Nähe auf, das du wahrnehmen kannst.

  1. Nimm dich selber an, wie du bist und lerne, dich selbst zu lieben

Es ist gut, so wie du bist. Du bist in Ordnung und du bist liebenswert. Du bist einzigartig und in deiner Weise etwas Besonderes. Du hast eine besondere Würde. Das Leben ist dir geschenkt. Du brauchst es nur anzunehmen. Tu dir selber Gutes und lerne, dich so anzunehmen, wie du bist, auch mit deinen Fehlern und Schwächen. Trotzdem bist du wertvoll. Niemand ist perfekt, aber jeder ist einzigartig. Auch du. Liebe dich selbst und bring dir selber Wertschätzung entgegen. Warte nicht, dass diese Wertschätzung von außen kommt. Wenn es geschieht, ist es doppelt schön, doch schenke du sie dir selbst. Mache dein Glück nicht von anderen abhängig. Nimm dir Zeit für dich selbst, und überlege dir einmal bewusst, wie viele positive Eigenschaften du hast. Lerne dich selber ganz neu kennen. Vielleicht entdeckst du auch ganz neue Seiten an dir. Akzeptiere dich so wie du bist.

  1. Werde aktiv und lerne, deine Ängste zu überwinden

Warte nicht darauf, dass die Zweisamkeit oder die Gemeinschaft zu dir kommt. Um die Einsamkeit zu überwinden musst du lernen, deine Sicherheitszone zu verlassen und deine Befürchtungen und Ängste zu überwinden.

  1. Schreibe Tagebuch gegen die Einsamkeit

Ein Tagebuch ist wie ein guter Freund, der dir zuhört und dem du anvertrauen kannst, was dich gerade bewegt. Schreiben wirkt zudem sehr befreiend für die Seele. Es ist auch hilfreich, wenn du dir die Dinge notierst, die dir schon positiv gelungen sind.

  1. Lies ein gutes Buch

Bücher sind die besten Freunde. Ein Buch ist immer da, es wartet nur darauf, von dir geöffnet und gelesen zu werden. Ein Buch eröffnet dir eine völlig neue Welt und nimmt dich mit in eine neue Gegenwart. Bücher können auch gute Ratgeber sein. Vielleicht findest du ja eine Passage, ein Wort oder einen Satz, der genau zu dir passt.

  1. Schaffe dir ein positives und wertschätzendes Menschenbild

Jeder Mensch hat positive und negative Eigenschaften. Wenn es dir gelingt, vorwiegend das Positive in deinem Gegenüber zu sehen, wird es dir auch leichter fallen, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen in Kontakt zu kommen.

  1. Denke über ein Haustier nach

Wenn es deine Lebensumstände erlauben kannst du auch über ein Haustier nachdenken. Welches Tier würde zu dir passen? Wenn du das Tier gut versorgen kannst, ist auch das eine gute Möglichkeit gegen die Einsamkeit. Sehr viele Tiere warten im Tierheim auf ein liebevolles Zuhause. Du hilfst dem Tier, und auch dir. Wenn ihr gemeinsam Zeit verbringt, könnt ihr auch liebevolle Kuschelstunden einlegen. Das tut nicht nur dem Tier gut, sondern auch dir.

Achte auch auf deine Wahrnehmungsfilter. Kennst du sie?

Herzlichst
Anne