Angst vor Zurückweisung: Ein Thema, das für hochsensible Menschen besonders relevant ist. Da ist der sensible Mann, der schon seit langem in seine Nachbarin verliebt ist, sich aber nicht traut, die Frau anzusprechen. Da ist die feinfühlige Frau, die lieber 50 bis 60 Überstunden im Monat leistet, statt ihren Chef zu bitten, sie zu entlasten.

Da sind viele hochsensible Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückhalten, weil ihnen der Mut fehlt, sie offen anzusprechen. Sie reagieren eher, als dass sie ihr Leben aktiv gestalten. Sie leben in der unterschwelligen Angst, auf Ablehnung zu stoßen. Abgelehnt zu werden, bedeutet für Hochsensible oftmals ein Angriff auf ihr Selbstwertgefühl, das sich in weiten Teilen aus der Anerkennung anderer Menschen nährt. Bleibt diese Anerkennung aus, fällt das Selbstwertgefühl in sich zusammen.

Viele haben aber auch Angst vor Zurückweisung, weil sie befürchten, alleingelassen zu werden.

Einer Gemeinschaft anzugehören, bedeutet Sicherheit. Alleinsein bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, auf sich alleine gestellt zu sein. Für hochsensible Menschen, die unter Angst vor Zurückweisung leiden, ist dies eine bedrohliche Vorstellung, denn alleine trauen sie sich viel zu wenig zu.

Wie kommt es, dass die Angst vor Ablehnung so groß ist?

Die Ursachen der Angst vor Zurückweisung sind vielfältig. Eine Rolle spielt, dass die Angst vor Ablehnung fest im ältesten Teil unseres Gehirns – dem Stammhirn – seit Jahrtausenden verankert ist. Diese „Erinnerungen“ gehen zurück in die Zeit, als Männer noch Jäger und Sammler waren und Frauen das Überleben der „Sippe“ in den Höhlen sicherten. Von der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden, bedeutete den sicheren Tod, denn alleine hatte keiner unter den damaligen Lebensbedingungen eine Überlebenschance.

Wenn wir als Kinder auf die Welt kommen, sind unsere Eltern in der Regel unsere ersten Ansprechpartner, gefolgt von Erziehern, Lehrern, Ausbildern etc. Alle diese Menschen prägen unsere Einstellungen, Lebens- und Wertevorstellungen sowie unsere tiefsten Überzeugungen über die Welt und uns selbst.

Reagieren Eltern beispielsweise auf nicht erfüllte Erwartungen mit Liebesentzug, wird sich wahrscheinlich die Überzeugung: „Ich werde nur geliebt, wenn ich das tue, was meine Eltern wollen“ im hochsensiblen Kind festsetzen. Diese Überzeugung wird sein künftiges Verhalten steuern. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es sich anpassen oder aber auch erst recht zum Rebell werden, so wie ich in meinen jungen Jahren.

Bedenkt man, dass sich die Gehirnstruktur eines Kindes von der Geburt an bis zum sechsten Lebensjahr ausbildet, kann man sich leicht vorstellen, dass die Erfahrungen, die wir mit Papa und Mama machen, besonders prägend sind.

Sie verankern sich als allgemeingültige Wahrheiten in uns.

In der Psychologie und im Coaching sprechen wir dann von Glaubenssätzen. Diese Glaubenssätze wirken in unserem Erwachsenenleben weiter meist ohne das es uns bewusst ist. Dass sie wirksam sind, erkennen wir daran, dass wir uns häufig in Lebenssituationen wiederfinden, die sehr stark den Erfahrungen unserer Kindheit ähneln.

Wie du diesen Teufelskreis verlassen kannst

Mache dir bewusst: Du lebst heute in keiner Situation mehr, in der das Ausgestoßen-Sein von der Gemeinschaft den Tod bedeutet. Es wird im Berufsleben und im Privatleben immer Menschen geben, die dich ablehnen, aber das hat vielleicht gar nichts mit dir zu tun, sondern mit ihnen selbst. Womöglich entdecken sie einen Zug an dir, den sie selbst haben, aber nicht mögen.

Vielleicht schätzen sie dich, weil du ihre Erwartungen erfüllst. Sobald du jedoch nicht mehr bereit bist, ihre Wünsche zu erfüllen, lassen sie dich fallen. Mache dir bewusst, dass nur du deinen aufgrund deiner Ablehnungserfahrungen gesunkenen Selbstwert bestimmen kannst, ansonsten machst du dich von den Bewertungen anderer abhängig.

Die Annahme, dass du „immer“ abgelehnt wirst, ist nur ein Produkt deiner eigenen Gedanken: „Wenn ich dies und das tue / nicht tue, lehnt mich der andere ab“ ist reines Kopfkino, weil du gedanklich auf Erfahrungen zurückgreifst, die du in deinem Leben früher gemacht hast. Jetzt gehst du davon aus, dass sie sich zwangsläufig wiederholen müssen.

Überprüfe, ob das in der Realität wirklich so ist.

Und wenn: Du wirst nicht daran zerbrechen, denn heute bist du erwachsen und kannst dich wehren. Finde heraus, welche negativen Glaubenssätze dich prägen. Ersetze sie durch positive, nährende und nützliche Glaubenssätze, dann kannst du deinen Karriereweg erheblich ebnen.

Das Wichtigste bei der Angst vor Ablehnung ist, zu lernen, sich selbst zu akzeptieren – sich trotz seiner Defizite anzunehmen und sich auf eine gesunde Weise zu lieben. Was für den Körper ein gesundes Immunsystem ist, das einen Menschen vor Krankheiten schützt, ist eine gesunde Selbstakzeptanz auf der seelischen / psychischen Ebene. Es macht immun gegen „Attacken“.

Woran du merkst, dass du dich selbst liebst?

Daran, dass du Schmetterlinge im Bauch hast, wenn du dich gedanklich oder tatsächlich umarmst. Dass du liebevoll denkst: „Ja so bin ich, und das ist gut so. Es ist gut und wichtig, dass es mich gibt.“

Am Anfang werden dir solche Gedanken womöglich völlig abwegig erscheinen, schließlich bist du es seit Jahrzehnten ja gewohnt, schlecht, strafend und kritisierend über dich nachzudenken, so wie viele Hochsensible. Aber es gibt eine gute Botschaft für dich: Selbstakzeptanz kann man trainieren – jeden Tag und mit einem minimalen Zeitaufwand.

Herzlichst
Anne