Jeder ist mal müde und ausgelaugt. Doch ständige Antriebslosigkeit kann auch ein Hinweis auf eine Depression sein. Eine Möglichkeit, aktiv dagegen anzugehen, ist Lichttherapie. Wir verraten dir, was du darüber wissen solltest.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wies der dänische Wissenschaftler Niels Ryberg Finsen nach, dass (Sonnen-)Licht unter anderem das Immunsystem stärkt und effektiv gegen Infektionskrankheiten hilft. Für seine Forschungsarbeit erhielt er 1903 sogar den Nobelpreis. Doch noch weitere 80 Jahre sollte es dauern, bis die therapeutische Wirkung von Licht auf die menschliche Seele durch Norman Rosenthal nachgewiesen werden konnte. Die Lichttherapie war geboren – und wurde im Jahr 2005 auch offiziell von der American Psychiatry Association als effektives Behandlungsverfahren gegen (saisonale) Depressionen anerkannt. Wie wirkt Lichttherapie bei Depressionen? Was gibt es bei der Anwendung von Lichttherapie zu beachten?

Wie Licht uns beeinflusst

Ob Leistungskraft, Wohlbefinden oder Stimmung: Das (Sonnen-)Licht, das uns umgibt, hat großen Einfluss auf unsere biologische Uhr, unsere Launen und Empfindungen. Ein Beispiel: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bei Lichtmangel verstärkt das Hormon Melatonin gebildet wird, welches für den Schlafbedarf verantwortlich ist.

Dieser körpereigene Mechanismus ist überaus sinnvoll: Er bewirkt, dass du müde wirst, wenn es draußen dunkel wird. Besonders im Herbst und Winter, wenn die Tage kürzer sind und es uns an Sonnenlicht fehlt, kann allerdings ein enormer Überschuss an Melatonin entstehen. Das kann von Stimmungsschwankungen über Antriebslosigkeit bis hin zu Depressionen führen.

Was ist eine Depression und woran erkenne ich sie?

Man geht davon aus, dass in Deutschland mindestens zehn Prozent aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt sind. Doch was versteht man eigentlich unter einer Depression?

Eine Depressionserkrankung beschreibt einen über lange Zeit anhaltenden Zustand gedrückter Stimmung. Betroffene fühlen sich müde und erschöpft und haben das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst. Depressionen haben Einfluss auf das Denken, Handeln und Empfinden eines Menschen – ja sogar auf die Beziehung zum sozialen Umfeld.

Es gibt unterschiedliche Faktoren, die zu einer Depression führen können. Dazu zählen organische Ursachen wie Hirnstoffwechselstörung, aber auch innere und äußere Belastungen können die Erkrankung auslösen:

  • ein unverarbeitetes Trauma
  • der Tod eines nahestehenden Angehörigen
  • nicht erfüllte Bedürfnisse im Kindesalter
  • Erschöpfung der inneren Ressourcen.

Diese Faktoren führen natürlich nicht zwangsläufig zu einer depressiven Erkrankung. Wer emotional stabil ist, muss sich keine Sorgen machen. Sind die inneren Kräfte allerdings aufgebraucht, reicht manchmal schon ein winziger Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Beispielsweise durch:

  • Beziehungsprobleme, Trennungen
  • Arbeitslosigkeit, Stress im Job
  • jahreszeitliche Veränderungen wie die dunkle Winterzeit
  • Krankheit, Unfall oder Geburt (Wochenbettdepression)

Natürlich sind die Symptome, die mit einer Depression einhergehen, sehr vielfältig und sie hängen immer von der individuellen Konstitution eines Menschen ab. Es gibt aber verschiedene Anzeichen, die einen Hinweis auf eine Depression geben:

  • innere Leere, Energieverlust, Antriebslosigkeit
  • Interessenverlust, Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Selbstzweifel, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle
  • Schlafstörungen, Kopf- und Magenschmerzen
  • Appetitlosigkeit, Libidoverlust
  • Angstzustände, Suizidgedanken
  • Schwindelgefühl, Konzentrationsschwierigkeiten

Je nach Schweregrad sind die Symptome, die mit einer Depressionserkrankung einhergehen, unterschiedlich stark ausgeprägt.

Was kann ich bei Depressionen tun?

Der erste Weg, gegen eine behandlungsbedürftige Depression anzukämpfen, ist, sie zu erkennen. Wenn natürliche Mittel wie ein gesunder Lebensstil, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft nicht helfen, deine Antriebslosigkeit zu überwinden, solltest du einen Arzt aufsuchen. Dieser kann dich dabei unterstützen, die Ursache für deine Symptome zu erkennen und gemeinsam mit dir einen Behandlungsplan ausarbeiten.

Inzwischen gibt es viele Wege aus der Depression. Moderne Medikamente können Symptome wie Erschöpfungs- oder Angstzustände sowie innere Leere und Niedergeschlagenheit lindern. Bei vielen Betroffenen hat sich außerdem eine Kombination aus Psychotherapie und Antidepressiva bewährt. Jedoch machen Studien klar, dass der Erfolg der Behandlungsmethode abhängig ist von der Schwere der Erkrankung.

Das bedeutet: Bei schweren Depressionen überwiegen die Vorteile, bei leichteren depressiven Störungen ist der Nutzen der Präparate umstritten. Deshalb empfehlen viele Therapeuten eine alternative Behandlung der Depressionen, beispielsweise in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie oder einer Gesprächspsychotherapie.

Wie kann mir Lichttherapie bei Depressionen helfen?

Eine weitere, hochwirksame Methode zur Behandlung von Depressionen und anderen seelischen oder körperlichen Beschwerden ist die Lichttherapie. Wie der Name schon verrät, wird bei dieser besonderen Behandlungsform Licht von bestimmter Helligkeit und Wellenlänge zu Therapiezwecken eingesetzt. Meistens in Form von speziellen Lichttherapielampen, die dem Sonnenlicht nachempfunden sind. B

ei der Anwendung von Lichttherapie wird ebendieses Licht über das Auge aufgenommen und über den Sehnerv auf direktem Weg ans Gehirn weitergeleitet, wo dann der wichtige Botenstoff Serotonin ausgeschüttet wird. Dieser regt Kreislauf und Appetit an, sorgt für einen besseren Schlaf, erhöhte Konzentration sowie allgemeines Wohlbefinden.

Lichttherapie: einfache Anwendung, hohe Wirkkraft

Doch nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei Schlafstörungen durch Jet-lag oder Schichtarbeit wird Lichttherapie erfolgreich angewendet. Ebenso können bestimmte Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Schuppenflechten mittels Lichttherapie verbessert werden: Das in den Therapielampen enthaltene UV-haltige Licht hemmt das Wachstum von Hautpilzen und packt so die Ursache direkt an der Wurzel.

Das Besondere an Lichttherapie ist ihre einfache Handhabung. Zur Anwendung kommen spezielle Lampen mit einer Helligkeit zwischen 3.000 und 10.000 Lux, die dem natürlichen Sonnenlicht nachempfunden sind und ganz einfach von zu Hause aus betrieben werden können. Das bedeutet: Du kannst sie jederzeit selbst anwenden, wann immer du einen Frische-Kick brauchst – unabhängig von Witterung und Jahreszeit.

Hier kannst du in einem Beratungsgespräch noch mehr zu den unterschiedlichen Anwendungsbereichen einer Lichttherapie erfahren.

Erfahrungen mit Lichttherapie: Gibt es Risiken?

Kommt Lichttherapie zur Anwendung, sind unerwünschte Nebenwirkungen eher selten. Gelegentlich treten Beschwerden wie leichte Kopfschmerzen, Augenbrennen/-jucken, trockene Schleimhäute oder gerötete Haut auf. Bei leichten und mittelschweren Depressionen wird in vielen Fällen Johanneskraut als pflanzliches Antidepressivum eingesetzt. Dieses kann zu Licht-Überempfindlichkeit führen – und demzufolge zu gereizten/geröteten Augen oder juckenden Hautrötungen während der Anwendung. Erfahrungen zeigen: Häufig treten die Symptome an den ersten Anwendungstagen verstärkt auf und lassen mit der Zeit nach.

Tipps: Um Augenschäden vorzubeugen, solltest du eine Lichttherapielampe mit einem speziellen UV-Filter wählen. Tränen oder jucken die Augen weiterhin, sorgen Luftbefeuchter oder spezielle Augentropfen für Linderung. Manchmal hilft es auch, den Abstand zur Lichtquelle zu vergrößern. Bei bestimmten Augenerkrankungen ist Vorsicht geboten. Vor Beginn der Lichttherapie ist eine ärztliche Untersuchung daher dringend zu empfehlen.

Was muss ich bei einer Lichttherapie beachten?

Für ein optimales Ergebnis gönnst du dir am besten gleich morgens nach dem Aufstehen eine Lichtdusche – dann begleiten dich die positiven Effekte durch den ganzen Tag.

Dazu nimmst du eine bequeme Sitzposition ein und positionierst die Lichttherapielampe direkt vor dir. Gut ist ein Abstand von einem halben bis ganzen Meter. Anschließend schaust du in die Lampe, um die wohltuende Lichtenergie aufzunehmen. Aber keine Sorge, du musst nicht die ganze Zeit direkt in die Lichtquelle sehen – wichtig ist nur, dass das Licht auf die Netzhaut fällt.

Damit das Licht seine Wirkkraft optimal entfalten kann, solltest du die Prozedur konsequent und regelmäßig durchführen. Je nach Lichtstärke ist eine Dauer von mindestens 30 Minuten bis maximal zwei Stunden empfehlenswert. Der positive Effekt der Lichttherapie setzt bei täglicher Anwendung bereits nach wenigen Tagen ein.

Beachte bitte auch: Durch den Lichtreiz wird der körpereigene Stoffwechsel angeregt. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, während der Lichtdusche zur Unterstützung mindestens einen halben Liter stilles Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorle zu trinken.