So oft in unserem Leben stoßen wir an Grenzen, erleiden Enttäuschungen, Rückschläge und Nachteile, hadern mit unseren eigenen Schwächen und Fehlern

Es scheint manchmal, als könnten wir diese Begrenzungen einfach nicht aufheben, und wir kämpfen verzweifelt dagegen an. Dieser Kampf raubt uns die letzte Energie – und führt letztlich zu nichts. Es ist die falsche Strategie.

„Dualität“ ist nur eine Illusion unseres Verstandes

Schwarz und weiß,  – gut und böse,  – Erfolg und Versagen, – stark und schwach – in unserem Denken versuchen wir ständig; alles in klar fassbare Kategorien einzuteilen. Inklusive uns selbst. Und halten uns dabei auch für sehr „realistisch“. In Wirklichkeit handelt es sich bei all diesen „einfachen“ Urteilen lediglich um kurzsichtige Begrenzungen, aber auf nicht  um eine realistische Weltsicht. Die Dinge sind in Wirklichkeit viel komplexer – nur können – oder wollen – wir diese Komplexität nicht immer wahrnehmen.

Stell dir einmal folgende Situation vor:

Du stehst im Supermarkt, in der Schlange vor der Kasse. Vorne klaubt ein schäbig gekleidetes, gebeugtes altes Weiblein blinzelnd und mühsam ihre letzten Groschen zusammen, um für ein Brot und ein bisschen Käse zu bezahlen, von hinten rammt dir jemand brutal den Einkaufswagen in die Kniekehle.

Ärgerst du dich nun über den Rüpel hinter dir – oder hast du Mitleid mit der alten Frau, das offensichtlich mühsam und gebeugt versucht, sich mit dem wenigen, was sie hat, durchzubringen? Du kannst in dieser Situation nicht beides gleichzeitig – du musst dich in dem Moment für eine einzelne Gefühlsreaktion entscheiden. Den Rest übersiehst du dann zwangsläufig.

Musst du?

Du kannst dich auch entscheiden, einfach wahrzunehmen, was passiert – und es einfach akzeptieren. Unsere Welt, die wirkliche Welt, besteht eben aus Armut und aus Egoismus, aus Rüpelhaftigkeit und aus Gebeugt-Hinnehmen zu gleichen Teilen.

Die Welt ist nicht gut, sie ist nicht böse – sie ist einfach. Die Dinge sind, wie sie sind. Oder etwa nicht?

Akzeptanz ist der Schlüssel

Wirkliche Akzeptanz bedeutet Beobachten, Wahrnehmen – ohne zu urteilen. Dinge so sein zu lassen, wie sie eben sind. Und das gilt auch für dich selbst. Du bist, was du bist. Mit all deinen Schwächen und all deinen Stärken bist du ganz einfach einzigartig. Das genügt schon. Das ist richtig und real genug.

Die echte Wirklichkeit liegt immer jenseits aller Urteile – deiner eigenen und denen der anderen.

Lieben, was ist

Glücklicherweise ist dieser Hype mit dem „Positiven Denken“ endlich vorüber – man kann nicht alles „positiv“ wahrnehmen, immer positive Gedanken haben – es gibt schließlich auch weniger tolle Dinge, ungefähr rund die Hälfte. Sich selbst zu zwingen, alles mit Gewalt positiv zu sehen macht einen am Ende nur zu einem unleidlichen und vollkommen durchgeknallten Clown. Oder?

In Wahrheit geht es darum, zu lieben, was ist: Die Welt und ihre Menschen, so wie sie sind, mit ihren beeindruckenden und abstoßenden, den angenehmen und weniger angenehmen Seiten, und dich selbst – mit dem, was du für Stärken hältst, und mit dem, was du für Schwächen hältst.

Das erst ist Realismus: Zu sehen, was tatsächlich ist und es einfach gelten zu lassen und anzunehmen. Ohne auf die eigenen begrenzten, kurzsichtigen schwarz-weißen Urteile hereinzufallen.

Liebe urteilt nicht

Das ist ihr wesentliches Kennzeichen. Sie nimmt an, sie akzeptiert und lässt geschehen. Nichts kann dich daran hindern, der ganzen Welt und auch dir selbst mit Liebe zu begegnen – anstatt mit vernichtenden Urteilen. Verstehen, annehmen und versuchen zu helfen, wo du kannst. Einfach nur, um aus Liebe zur Welt und den Menschen etwas besser zu machen.

Genau darin liegt Heilung, Ganzwerden – und auch Selbstwerden. Aus dem Gefängnis der eigenen begrenzten, unrealistischen und kurzsichtigen Urteile auszubrechen, die nur teilen und trennen, anstatt zu versöhnen und zu heilen, und einfach unbegrenzt lieben, was ist. Anzunehmen. Egal, wie es ist. Und es damit ganz und heil werden lassen. Darin liegt auch eine ganz tiefe Weisheit – und eine enorme Kraft und Stärke.

Lass dich nicht entmutigen

Es ist manchmal schwierig – das weiß ich auch nur zu gut. Manchmal ist es sogar eine echte Herausforderung. Aber es ist der einzige, wirklich sinnvolle Weg. Der Weg der Heilung und der Versöhnung. Nur, wenn wir alles gleichermaßen annehmen, mit der gleichen liebevollen Akzeptanz, nur dann können wir etwas ganz machen. (Ver)Urteilen trennt und zerstört nur. Das gilt für alle Situationen in der Welt. Und für alles was Heilung braucht.

Sig