Wer erfolgreich sein will braucht Macht. Und Mitgefühl.

Macht ohne Mitgefühl wird leicht diktatorisch, Mitgefühl ohne Macht führt zu wenig nachhaltigen Ergebnissen. Menschen aber, die über Macht verfügen, also gestalten, entscheiden, lenken und führen können und dazu noch über Empathie und Einfühlungsvermögen verfügen, werden Unternehmen zu Orten machen, an denen man gern arbeitet, kreativ und innovativ sein kann und gleichzeitig auch erfolgreich!

Autorität und Macht durchdringen viele Bereiche unseres Lebens

In der Familie, Schule und Politik oder auch auf dem Fußballplatz herrscht meist eine gewisse Rangordnung. Doch was ist eigentlich die Basis von Autorität? Fest steht, dass es schwierig ist, diese Eigenschaft zu erlangen – und herausfordernd, sie zu behalten. Während grundlegend nach wie vor ein entschlossenes Auftreten und eine respektable äußere Erscheinung wichtig sind, kommt heutzutage auch der Empathie eine bedeutsame Rolle zu. Nur mit sozialer Intelligenz und psychologischem Geschick bleibt ein Führender an der Macht.

Macht und Mitgefühl – widersprüchlich und doch eine Einheit

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht bezeichnet Macht die Fähigkeit einer Person oder Gruppe, auf das Denken und Verhalten anderer Menschen einzuwirken. Extreme Machtverhältnisse befugen die Autoritätsperson, einseitig definierte Ziele über die Köpfe involvierter Personen hinweg zu erreichen. In der gemäßigten Form übt eine Person innerhalb einer Interessensgruppe die stärkere Ausgangs- beziehungsweise Verhandlungsposition aus.

Dies wird allseits akzeptiert, da die Autoritätsperson beispielsweise belohnend, bevorzugend oder durch überlegenes Wissen Einfluss nehmen kann. Zwar finden sich auch in der aktuellen Zeit noch extreme Machtverhältnisse, politisch etwa in einigen Teilen Asiens, wo die Staatsform der absoluten Monarchie praktiziert wird. Weitestgehend dominiert jedoch inzwischen die gemäßigte Form; sie bedingt das Entstehen von Sozialstrukturen.

Empathie leben

Empathie beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft eines Menschen, Gefühle, Gedanken und Motive anderer Personen zu erkennen, zu verstehen und innerlich wie äußerlich zu reagieren – beispielsweise durch Mitleid, Schmerz- und Trauerempfinden oder das Aufkommen eines Hilfsimpulses. Zahlreiche Psychologen nahmen sich dem Phänomen an und definierten es an unterschiedlichen Schwerpunkten setzend: Paul Ekman differenziert zwischen kognitiver und emotionaler Empathie.

Kognitive Empathie lässt uns die Gefühle einer Person erkennen – bei emotionaler Empathie hingegen fühlen wir, was der Andere empfindet. Mitleid bringt uns nach Ekman schließlich dazu, helfen zu wollen. Von einer aufrichtig authentischen Empathie unterscheidet Arthur Ciaramicoli die funktionale Empathie, die manipulative, bzw. ausbeuterische Ziele verfolgt. Viele Experten kommen zu der Erkenntnis, dass Empathie in beinahe allen Lebensbereichen entscheidend für den Erfolg ist.

Führungskräfte mit ausgeprägten empathischen Fähigkeiten lernen schneller, pflegen bessere persönliche Beziehungen, sind in der Lage, sich selbst und andere Menschen stärker zu motivieren und genießen nicht zuletzt deshalb ein größeres Vertrauen. Wir sehen also, dass sich Macht und Mitgefühl keineswegs so widersprüchlich gegenüberstehen, wie es zunächst den Anschein hat. Betrachten wir nun die seit jeher geltenden Grundfaktoren für autoritäres Wirken.

Äußerliche Erscheinung und energisches Auftreten

Wer einen autoritären Status erreichen und bewahren will, muss mehrere Anforderungen erfüllen. So begeistern etwa physische Größe, ein Kraft ausstrahlender Körperbau und energisches Auftreten den Homo sapiens in der Moderne noch genauso sehr wie einst in der Steinzeit. Zahlreiche Experimente zeigen, dass der Mensch bei Begegnungen mit anderen Personen bereits in den ersten Sekundenbruchteilen auf genau diese äußeren Autoritätsmerkmale achtet.

Zudem gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass große Menschen im Beruf erfolgreicher sind und Wahlen tendenziell von dynamischen Kandidaten gewonnen werden. Weitere interessante Statistiken: Männern verhilft höheres Alter zu mehr Autorität, während Frauen von kürzeren Haaren profitieren. Generell vorteilhaft sind eine gepflegte Sprache und kräftige Stimme. Um selbstsicher zu wirken und in Folge dessen Autorität auszustrahlen, empfiehlt sich Politikern wie anderen Führungspersonen, eine entschlossene Körperhaltung an den Tag zu legen und stets klare Worte zu formulieren. Diese äußeren Merkmale sind bedeutsam, um Macht zu erlangen.

Einmal „oben“ angekommen, genügen die reine Physis betreffende Eigenschaften allerdings bei Weitem nicht mehr – der „Leitwolf“ bedarf sozialer Intelligenz und Mitgefühl.

Empathie zur Festigung der Macht

Im Laufe der Evolution erkannten die Menschen, dass es beileibe nicht immer der Kraftprotz sein sollte, der die Verantwortung übernimmt. Je diffiziler das Problem beziehungsweise die Herausforderung – als Beispiele seien etwa Krankheit, Hunger oder Klimawandel genannt – desto mehr Wert wurde und wird auf die geistigen Fähigkeiten der zu wählenden Führungsperson gelegt. Zu eben diesen geistigen Merkmalen gehört auch die Empathie. Einfühlungsvermögen ist notwendig, um Verbündete auf die eigene Seite zu ziehen. Laut dem Psychiater Dr. Andreas Meyer-Lindenberg lässt sich mithilfe von Mitgefühl und Wärme der Autoritätsstatus festigen. Zudem seien geballtes Fachwissen und die Fähigkeit, Krisen nervenstark und ruhig zu bewältigen, wesentliche Eigenschaften für die Erhaltung der Macht.

Autorität und Macht erlangt, wer die Kraft der klaren Ansage mit der Wärme empathischer Einbindung vereint

Es gilt, stets die richtige Mischung zu finden – aus Kompetenz und Zugewandtheit, aus energischem Auftreten und mitfühlendem Einbinden der anderen Personen. Nur so lässt sich das spezielle Charisma erzeugen, welches am Ende Autorität genannt wird. Die meisten Menschen wünschen sich in einer zunehmend chaotischeren Welt überzeugende Führungsfiguren, welche ihnen einen vernünftigen Weg weisen, sie an die Hand und zugleich ernst nehmen.

Grundsätzlich scheint Autorität in der modernen Gesellschaft immer nur vorübergehend beziehungsweise auf Abruf möglich zu sein.

So rutscht etwa der Vorstandsvorsitzende hierarchisch in eine andere Position, wenn er im Sportklub das Trikot überstreift oder zu Hause die Arbeitstasche ablegt. Die Vergegenwärtigung dieser Tatsache hilft uns, jede Autorität als normalen Menschen zu betrachten. Umgekehrt ist die Autoritätsperson – unabhängig von der Art des Bereichs, in der sie Macht ausübt – verpflichtet, Menschlichkeit durch Empathie unter Beweis zu stellen, um ihre Position zu bekräftigen.

Lies mehr dazu in unserem Buch: Anne Heintze und Ananda Hummer: Die Gabe der Empathen: Wie Sie Ihr Mitgefühl steuern und sich und andere stärken.