Dass oberflächliches Sexualverhalten kaum geeignet ist, die Sexualangst zu überwinden, zeigt sich am Beispiel der Pornografie, auf das ich hier noch einmal genauer eingehen möchte. Viele Menschen mit Sexualangst legen einen teilweise exzessiven Konsum von pornografischem Material an den Tag. Damit versuchen insbesondere Männer häufig, ihre sexuellen Hemmungen zu überwinden und eine vorherrschende Unzufriedenheit auszugleichen. Während Pornografie grundsätzlich durchaus luststeigernd wirken und auch das Sexualleben bereichern kann, sehen Experten den Konsum bei Sexualangst überwiegend kritisch.

Die Folgen exzessiven Pornografiekonsums

Sie warnen aber auch generell: Pornografie hat eine Vielzahl von Auswirkungen, die das Leben der Konsumenten in verschiedenen Bereichen negativ beeinflussen können. Somit ist Pornografie kein harmloses Freizeitvergnügen. Übermäßiger Konsum kann sich bei Männern negativ sowohl auf die Lebensfreude, das eigene Selbstbild und Körpergefühl als auch auf die Erfülltheit in Liebesbeziehungen und die sexuelle Leistungsfähigkeit auswirken. Frauen hingegen sehen sich einer zunehmenden sexuellen Rohheit ausgesetzt, da durch viele pornografische Inhalte ein völlig unrealistisches Frauenbild propagiert wird.

Pornografie schon auf den Schulhöfen

Wirklich dumm ist, dass bereits auf den Schulhöfen über die Smartphones pornografische Videos das Bild der Kinder und Jugendlichen von Sexualität und Erotik prägen. Mit erotischer Intelligenz hat Pornografie null und nichts zu tun. Woher aber soll die nachwachsende Generation das wissen?

Die Kluft zwischen Realität und pornografischer Fantasie ist groß. Wenn Männer mit ihrem Liebesleben unzufrieden sind, können kurioserweise gerade Pornofilme die Ursache dafür sein. Dies liegt nicht zuletzt an den Rollenvorstellungen, die durch viele solcher Filme vermittelt werden. Häufige Konsumenten von pornografischen Inhalten übernehmen diese Vorstellungen leicht in ihr eigenes Liebesleben. Die Konsequenz ist ein falsches Verständnis davon, was Frauen erregend finden. Viele Männer deuten den in den Videosequenzen gezeigten Umgang mit den meist unterlegenen Frauen als normale sexuelle Praktik und meinen, genau dies sei es, was Frauen wollen. Dies führt natürlich zu Missverständnissen im Bett und (unausgesprochenen) Beziehungsproblemen.

Jugendliche sind heutzutage mit viel mehr Pornografie konfrontiert als die Generation ihrer Eltern in ihrer Jugend. Das häufig von der Pornografie propagierte Bild von der leicht zum Orgasmus zu bringenden Frau und ihrem mit unbändiger Manneskraft ausgestatteten Partner wird zu einem Leitbild, an dem sich so auch junge Menschen orientieren. Dies führt zu Beziehungsproblemen, weil die realen Partner meist weder nymphomane Pornostars sind noch Frauen, die in einer verachtenden Weise behandelt werden möchten.

Der Wunsch nach dem perfekten Körper

Umgekehrt werden auch die Erwartungen, die der Partner „insgeheim“ hegt oder hegen könnte, falsch eingeschätzt. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf den eigenen Körper: Die vielen Tricks und sogar OPs, die in der Branche angewendet werden, um „perfekte“ weibliche oder männliche Körper zu zeigen, werden dem Zuschauer natürlich verschwiegen. Bei jungen Menschen kann dies bei der Betrachtung des eigenen Körpers im Spiegel zu einem verringerten Selbstbewusstsein führen – und somit direkt zu weniger Freude an der Sexualität, auch wenn es vielleicht keiner dem anderen gestehen will.

Erst einmal Erfahrungen sammeln …

Idealerweise sollten Jugendliche wie in alten Zeiten erst einmal selbst erste Erfahrungen sammeln, bevor sie mit pornografischen Inhalten konfrontiert werden. Da eine Zeitreise in die Epoche vor dem Internet aber leider nicht möglich ist, bleibt als Alternative nur die Aufklärung junger Menschen über den Unterschied zwischen der ersten scheuen Annäherung an den ersten Freund oder die erste Freundin und der rohen Fantasiewelt, die in vielen Pornofilmen dargestellt wird. Aufeinander eingehen, zuhören, fühlen, den anderen Menschen aus nächster Nähe erfahren – all dies sind ganz normale menschliche Verhaltensweisen, die in der Pornografie nicht vorkommen. Diese reduziert den Menschen auf eine meist recht simple Sexualität, während erotische Intelligenz Liebe, Sinnlichkeit und Genuss in den Vordergrund stellt, die es ermöglichen, sich selbst und den anderen Menschen in seiner Gesamtheit zu erfahren. Ebenso, wie die meisten Menschen auch als komplexe Wesen gesehen werden möchten und nicht als ihre Muskeln, Brüste oder Geschlechtsorgane.

Wirkliche Auswege

Das wichtigste Mittel, um sexuelle Hemmungen oder gar eine ausgeprägte Sexualangst zu überwinden, ist eine offene Kommunikation in der Partnerschaft. Nur, wenn beide einander ihre Bedürfnisse anvertrauen, kann eine vertrauensvolle und erfüllte Beziehung wachsen. Oft ist es schlichtweg der Mangel an Kommunikation, der Frust, Ängste und Unzufriedenheit überhaupt erst entstehen lässt. Voraussetzung für ein intimes Gespräch ist allerdings ein tiefes gegenseitiges Vertrauen. Nur so können sich beide Partner völlig auf das Gespräch einlassen und sich über ihre sexuelle Beziehung austauschen. Eine solche vertraute Kommunikation kann nicht nur sexuelle Hemmungen abbauen, sondern durchaus auch luststeigernd wirken.

Sexuelles Selbstvertrauen ist wichtig

Auch das Erkunden und Entdecken des eigenen Körpers stärkt das sexuelle Selbstvertrauen. Durch Massagen oder Selbstbefriedigung lernt auch ein sexuell Ängstlicher seinen Körper besser kennen, erkundet die körpereigenen Reaktionen und Gefühle. Wer sich mit seinen eigenen Wünschen und Fantasien beschäftigt, lernt, diese besser zu akzeptieren und später auch einem Partner gegenüber zu äußern.

Neben einer offenen Kommunikation gehört zu einer funktionierenden Beziehung vor allem viel Vertrauen, Respekt und Offenheit für das Andersartige. Beide Partner müssen lernen, sich intensiv miteinander und mit der gemeinsamen Erotik auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, sich die Partnerschaft nicht unnötig zu erschweren. Viele Paare verzweifeln beispielsweise daran, dass beide ein unterschiedlich starkes Bedürfnis nach Sex haben. Dabei ist dies in Wirklichkeit gar kein Problem, sondern ganz natürlich – schließlich kommt es ausgesprochen selten vor, dass zwei Menschen zur selben Zeit genau dasselbe wollen. Auch hier ist also wieder Offenheit im Umgang mit den gegenseitigen Bedürfnissen gefragt.01

Wie du dich sinnlich öffnen kannst

Wenn es dir noch schwerfällt, dich deinem Partner nackt zu zeigen, dann nimm dir zunächst Zeit für dich selbst. Erkunde deinen Körper allein vor dem Spiegel und versuche, deine ganz individuelle Schönheit zu entdecken. Du kannst es bei euren intimen Begegnungen auch mit schöner Wäsche oder gedimmter Beleuchtung versuchen, dich Schritt für Schritt an das Nacktsein zu gewöhnen.

Nicht zuletzt sollte auch der Humor in der Sexualität nicht zu kurz kommen. Lache gemeinsam mit deinem Partner über kleine Dinge, auch über Pannen und Missgeschicke. So nehmt ihr euch die Angst und unterstützt euch gegenseitig dabei, sexuelle Hemmungen auf spielerische Weise zu überwinden.

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Sig