• Selbstoptimierung

Selbstoptimierung dauert genau 66 Tage – Wieso?

Die Welt scheint aktuell einem Selbstoptimierungswahn verfallen zu sein. Jeder möchte schlanker, sportlicher, reicher oder in anderer Art „besser“ sein und so spricht im gewohnten Rhythmus von zwölf Monaten jeder über seine Neujahrsvorsätze. Leider hält deren Umsetzung in der Regel nur wenige Wochen, vielleicht auch einen oder zwei Monate an – und anschließend geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Doch wieso ist es eigentlich so schwierig, gute Vorsätze tatsächlich umzusetzen und in eine neue Routine zu verwandeln? Die Antwort ist simpel: Das menschliche Gehirn ist schuld! Wie also kannst Du das Dilemma mit den guten und schlechten Gewohnheiten auflösen?

Definition: Was genau bedeutet eigentlich „Selbstoptimierung“?

Die Selbstoptimierung ist eine Art Trend, welche als „Self-Optimization“ aus den USA nach Europa geschwappt ist. Genau genommen handelt es sich dabei um eine besondere Form des Lernens, bei welcher spezielle Rückkopplungsmechanismen im Gehirn sowie zentralen Nervensystem genutzt werden, um eine bestmögliche Funktion zu erzielen. Es geht also in erster Linie darum, spezielle Handlungsweisen durch die „Trial-and-Error-Methode“ zu verändern. Grundlage der Selbstoptimierung ist die Funktionsweise des Gehirns, bei welcher die Vorgehensweise bei einem ersten Handlungsversuch jene in allen folgenden beeinflusst.  Klingt kompliziert? Einfach ausgedrückt bedeutet das: Wenn Du zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören möchtest und es mit einem Nikotinpflaster versucht hast, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es funktioniert oder eben nicht. In letzterem Fall wirst Du im nächsten Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, eine andere Strategie wählen – Hypnose, den Umstieg auf E-Zigaretten, reine Willenskraft, o. ä.

Mittlerweile wird die Selbstoptimierung aber nicht mehr nur bezeichnend für diese Eigenschaft des Nervensystems verwendet, sondern beschreibt auch einen Bereich der Persönlichkeitsentwicklung. Immer mehr Menschen streben nämlich danach, sprichwörtlich das Beste aus sich herauszuholen – zum Beispiel hinsichtlich ihrer beruflichen Leistung, ihres äußeren Erscheinungsbildes oder der Überwindung von Ängsten sowie negativen Glaubenssätzen. Leider schießen viele Menschen dabei über das Ziel hinaus und steigern ihre Leistung beispielsweise durch Drogen oder streben ein ungesundes Schönheitsideal an, magern sich ab oder legen sich unters Messer. Selbstoptimierung kann daher auch schnell ins Negative umschlagen und ist als Trend in der Gesellschaft aktuell eher kritisch zu betrachten. Dient die Selbstoptimierung hingegen tatsächlich der Persönlichkeitsentwicklung und damit dem Ziel eines erfüllteren, glücklicheren sowie gesünderen Lebens, ist sie eine anstrebenswerte Fähigkeit, die das Berufs- und Privatleben eines Menschen nachhaltig beeinflussen kann.

„Gesunde“ Selbstoptimierung richtet den Fokus nach innen

Bei dieser „gesunden“ Form der Selbstoptimierung geht es also darum, sein eigenes Verhalten, seine Emotionen, Handlungsmuster, Glaubenssätze, Ängste, Traumata & Co zu analysieren und zukünftig aufzulösen beziehungsweise zum Positiven zu verändern. Wenn Du zum Beispiel merkst, dass Du häufig und gerne der Prokrastination verfällst, kann Selbstoptimierung die Lösung darstellen. Ebenso bei Vorhaben wie dem bereits erwähnten Aufhören mit dem Rauchen oder wenn Du vielleicht endlich Deine Präsentationsangst hinter Dir lassen möchtest. Kein Mensch ist schließlich perfekt und so gibt es in jeder Persönlichkeit individuelle Punkte zu bearbeiten. Im Fokus der Selbstoptimierung sollte also nicht das Außen stehen à la „Die Nachbarn sollen sehen, was für ein tolles Auto ich mir leisten kann“, sondern das Innere im Sinne einer gesunden, ausgeglichenen und reifen Persönlichkeit für ein glückliches Leben. Leider ist das leichter gesagt als getan, denn kaum etwas ist so schwierig wie die Selbstoptimierung. Ansonsten wären ja all die Neujahrsvorsätze mit Erfolg gekrönt und würden sich nicht, wie in den meisten Fällen, Jahr für Jahr wiederholen sowie anschließend kläglich scheitern. Aber warum ist das so?

Warum gestaltet sich Selbstoptimierung so schwierig?

Während das Gehirn Dein Schlüssel zum Erfolg ist, wenn es um das Thema Selbstoptimierung geht, ist es leider auch Dein größter Feind. Denn dass es so schwierig ist, sich selbst sowie seine Gewohnheiten zu ändern, liegt vor allem in der Funktionsweise des Gehirns begründet – genauer gesagt in drei:

  1. Spontane Entscheidungen finden im limbischen System statt und dieses ist nicht nur ungeduldig, sondern es zieht auch das gegenwärtige Glück dem zukünftigen vor. Das bedeutet: Wenn Du gestresst in die Mittagspause gehst und es Dich nach einer Zigarette gelüstet, wird sich Dein limbisches System mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Glimmstängel und gegen Deinen Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören, entscheiden. Eine Belohnung im Hier und Jetzt wiegt für das Gehirn demnach mehr als eine (noch größere) Belohnung in der Zukunft. Dies macht das Einhalten von langfristigen Zielen so schwierig, wenn sie in der Gegenwart einen Verzicht oder ein „Opfer“ bedeuten – sich ins Fitnessstudio zu schwingen, anstatt den Abend mit Süßigkeiten auf dem Sofa ausklingen zu lassen zum Beispiel.
  2. Was Du hingegen brauchst, um aus einem Vorsatz eine neue Routine zu machen, ist Willensstärke. Leider ist diese denkbar ungünstig im Gehirn positioniert, sodass sie im präfrontalen Kortex mit anderen Gehirnfunktionen konkurrieren muss. Da das Gehirn immer zum Ziel hat, möglichst effizient zu arbeiten und Energie einzusparen, wird die Willensstärke kurzerhand „ausgeschaltet“, wenn zu viele andere Bereiche aktiv sind – beispielsweise bei Stress auf der Arbeit.
  3. Mit dem Grundgedanken, möglichst viel Energie einzusparen, greift das Gehirn logischerweise gerne auf Routinen zurück. Das verbraucht die geringsten Kapazitäten, geht schnell, effizient sowie energiesparend. Gleichzeitig sträubt es sich, diese Routinen zu verändern oder neue Gewohnheiten zu verankern, denn das würde dementsprechend viel Energie verbrauchen. Das menschliche Gehirn kämpft also geradezu gegen die Veränderung Deiner bisherigen Gewohnheiten an und genau das macht die Sache mit den guten Vorsätzen so schwierig.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Laut Forschern dauert dieser Kampf nämlich nur durchschnittlich 66 Tage an. Wenn Du also 66 Tage durchhältst, hast Du gewonnen und Dein guter Vorsatz hat sich als neue Gewohnheit etabliert. Ab diesem Zeitpunkt ist dessen Umsetzung ein Kinderspiel.

66 Tage braucht ein Mensch für die durchschnittliche Routine

Um bei dem Raucherbeispiel zu bleiben: Wenn Du also mit dem Rauchen aufhören möchtest, musst Du nur „irgendwie“ 66 Tage durchhalten. Diesen Zeitraum benötigt das Gehirn nämlich, um alte Synapsen aufzulösen und neue Verknüpfungen zu bilden. Das bedeutet: Nach 66 Tagen hat Dein Gehirn die alten Gewohnheiten vergessen und eine neue Routine entwickelt – beispielsweise ohne das Rauchen. Dennoch handelt es sich nur um einen Durchschnittswert. Abhängig von der Art der Gewohnheit sowie der individuellen Person dauerte dieser Prozess bei den Probanden zwischen 18 und 254 Tagen. Während es also recht simpel ist, sich anzugewöhnen, jeden Tag mindestens zwei Liter Wasser zu trinken, könnte die Sache mit dem Rauchen etwas länger dauern.

Als Fazit bleibt aber dennoch festzuhalten: Egal, wie lange es dauert – die Umsetzung Deiner guten Vorsätze ist allemal möglich und eines Tages sind sie zur neuen Routine geworden. Plötzlich fallen Dir die Veränderungen leicht und Du kannst Dich kaum noch daran erinnern, wie Dein Leben vor der Selbstoptimierung war. „Augen zu und durch“, lautet also das Motto. Dennoch kann es nicht schaden, auf dem Weg der 18, 66 oder auch 254 Tage einige Strategien in petto zu haben, welche Dir beim Durchhalten helfen.  Welche dieser Strategien bei Dir funktioniert, musst Du – wie eingangs erwähnt – mit der „Trial-and-Error-Methode“ ausprobieren. Dann stehen Deine Chancen gut, dass Deine Neujahrsvorsätze endlich in Erfüllung gehen, anstatt sich Jahr für Jahr zu wiederholen und stets für dieselbe Enttäuschung zu sorgen. Du weißt nun also: Auch wenn es unmöglich erscheint, Du musst nur durchhalten und eines Tages programmiert sich Dein Gehirn um. Hast Du einmal die Erfahrung gemacht, dass Selbstoptimierung wirklich möglich ist, wirst Du zukünftig gewiss nicht mehr darauf verzichten wollen. Aber Du weißt ja: Bitte stets in einem „gesunden“ Maß.

Viel Erfolg!

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Haben wir nicht alle immer wieder einen intensiven Dialog mit unserem lieb gewonnenen inneren Schweinehund? Ich müsste... ich sollte... Gesünder essen, Sport treiben und noch vieles mehr.

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