Neulich fand ich eine Liste im Internet, die Symptome bzw. Anzeichen des spirituellen Erwachen aufzählt. Meiner Meinung nach beschreiben die meisten Punkte die ganz normale Entwicklung eines Menschen vom unreifen Jugendlichen zum halbwegs bewussten Erwachsenen.

Das habe ich auch der Autorin wissen lassen und versuche nun, nach 20 Jahren Arbeit mit „der Landkarte des Erwachens“, wieder ein paar Missverständnisse aufzuklären. Nicht alles, was im Internet zu finden ist, entspricht der Realität.

Als Ausgangspunkt sei dir klar:

Jeder ist erwacht, nur der Grad der Realisierung ist unterschiedlich!

Von Erleuchtung sprechen wir bei 100 % Realisierung, auf dem Weg dorthin werden wir reifer und bewusster und es ist jedem selbst überlassen, bei wieviel Prozent er sich schon als erwacht sieht oder nicht.

Es gibt die Zeit vor dem Erwachen und die nach dem Erwachen.

Beide Zeiten haben ihre Symptome und unterliegen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Hier schreibe ich nur von den Anzeichen, die auftauchen können, wenn wir uns der spirituellen Erleuchtung nähern.

Das Leben davor, ist grundsätzlich das, was jeder Mensch lebt, denn alle befinden sich schließlich bis zum Erwachen in diesem Abschnitt.

Doch hier ist es ein großer Unterschied, ob du spontan und unvorbereitet erwachst oder jahrelang danach gestrebt hast.

Für spontanes spirituelles Erwachen kann es natürlich keine Symptome geben, es geschieht ohne Ankündigung. Das ist ein sehr interessantes anders Thema, besonders die Reaktion darauf und der Umgang damit, nachdem es geschehen ist. Dazu ein andermal.

Nun zu den Anzeichen, die sich zeigen können, wenn wir uns der Schwelle des spirituellen Erwachens nähern.

Verlust bisheriger Werte

Irgendwie werden viele Dinge weniger wichtig. Dadurch erleben wir uns als lockerer und sind entspannter. Wir müssen dafür nichts direkt tun, es ist Ergebnis unser bisherigen Bemühungen wie Meditation, Selbsterfahrung oder Therapie, wir haben dazugelernt und lassen nun Altes los. Unsere tief sitzenden Konditionierungen beginnen aufzuweichen.

Ahnungsvolle Vorfreude

Weil Altes seine Macht über uns verliert öffnet sich ein neuer Raum. Dieser ist noch nicht zugängig, wir merken aber, dass vor uns etwas Neues, viel Größeres liegt. Es kann sein, dass wir uns grundlos freuen und Lust haben, Dinge anders zu machen oder neues auszuprobieren.

Zweifel

Es ist ja ganz nett, wenn alles leichter wird, doch wir beginnen zu zweifeln und uns Sorgen zu machen, wo das noch hinführen wird. Die Anfangseuphorie schwindet und vierles entgleitet uns aus den Händen. Wir sehen Situationen, Menschen, Dinge mit anderen Augen und passen daher nicht mehr ganz so in das Bild einiger Menschen. Wir spüren, wenn wir weiter loslassen, verlieren wir vielleicht bestimmte Menschen, unseren Job, … die Kontrolle. Jetzt zeigt sich, wieviel Urvertrauen da ist.

Angst

Waren wir bereit bisher zu gehen, begegnet uns jetzt richtige Angst, denn die Schwelle der spirituellen Erleuchtung ist nahe. Wir spüren den Sog unserer tiefsten Sehnsucht und wissen irgendwie, dass alles anders sein wird, wenn wir jetzt nicht umkehren. Wir wägen ab, was wir bereit sind zu verlieren: unseren Job, unser soziales Umfeld, die Freunde, …

Wir fragen uns, ob wir bereit sind den Preis zu bezahlen. Auf der einen Seite ahnen wir tiefsten Frieden, nach Hause kommen in unsere wahre Natur, Einswerdung mit dem Göttlichen, dem Absoluten. Auf der anderen Seite haben wir Angst um den Verlust unserer geliebten Katze, unseres Partners, der Zugehörigkeit,…

Panik

Wir spüren, erst wenn wir bereit sind alles aufzugeben, können wir die Schwelle überschreiten. 99 % genügen nicht, dass ist uns jetzt klar. Panik macht sich breit, denn jetzt kommt es wirklich darauf an. Du realisierst, dass die letzte Entscheidung ansteht:

„Bin ich bereit meinen Körper und meinen Verstand zu verlieren, alles zu verlieren. Auch dieses Ich, dass mich bis hierhergebracht hat, dem Menschen adieu zu sagen, der ich bisher war. Im vollen Bewusstsein der Möglichkeit, dass nichts mehr der bisherigen Welt wie ich sie kenne verfügbar ist?“

Ja, du bist beriet, bist Gast auf deinem eigenen Begräbnis und lässt vollkommen los ….

Nichts 

Und dann geschieht … nichts.

Panik und Angst sind verschwunden, Zweifel und Vorfreude sind weg. Es ist nur still. Auf eine Art und Weiße wie du es noch nie erlebt hast. Du müsstest dich wundern oder freuen. Du müsstest überrascht sein oder erleichtert. Doch DU bist nicht mehr hier. Deine Konditionierungen sind aufgelöst.

Alles

Dennoch hebst du den Arm. Dennoch bewegt sich der Körper, werden Gedanken gedacht, Gefühle gefühlt und Worte gesprochen. Und langsam dämmert es, dass das Einzige was verlorengegangen ist, die Identifikation ist. Die Identifikation mit dem Ich. Denken findet immer noch statt, doch das was du jetzt bist, erlebt es nicht mehr als DEIN Denken, DEINE Gefühle, DEINE, Worte, DEINEN Körper.

Alles ist wie früher, doch nichts ist mehr wie es einmal war.

Und losgelöst von jeglicher Anhaftung fließt dieses FREIE DU mit dem Strom des Geschehens.

Kontrolle kehrt zurück, doch nicht mehr zu dir, Angst weicht, aber nicht mehr von dir.

Als FREIES ICH hast du klare Sicht auf alles und gehst den Weg, der beim Gehen erst entsteht.

Da ist kein Plan mehr dem du folgst, keine Erwartung, die es zu erfüllen gäbe, keine Sehnsucht mehr die zieht, kein Druck mehr der beschwert. Leicht wie eine Feder und stabil wie ein Berg und voller Dankbarkeit bist du jetzt im vollen Umfang das, was du immer schon warst – Gott, Liebe, Brahman, höchstes Bewusstsein, verkörpert als Mensch.

Und solange du mit diesem Körper lebst, trägst den Mantel des Ichs, die Maske der Person und bist Teil von Līlā,
dem göttlichen Spiel.

Namasté
Ananda

Ananda

 

 

 

 

 

Lies hier wie ich selbst das Erwachsen erlebt habe