Feinsinnige, hochsensible Berufstätige sind im modernen Arbeitsleben häufig einer hohen Belastung ausgesetzt. Depressionen oder Burnout haben oft ihre Ursachen in der permanenten Überforderung am Arbeitsplatz. Wenn du davon betroffen bist, wünschst du dir sicher Ruhe und ein entspannteres Arbeiten.

Vielleicht kannst du dir gar nicht vorstellen, dass es nicht wenige Menschen, auch Hochsensible, gibt, die sich während ihrer Arbeit langweilen. Sie erleben, dass die Zeit nicht vergeht, dass sie träge werden und irgendwann keine Lust mehr haben, zur Arbeit zu gehen.

Die Unterforderung ist mittlerweile so häufig, dass sie mit Boreout eine wissenschaftliche Bezeichnung bekommen hat. Sie kann gesundheitliche Folgen haben und zu einer hohen mentalen Stress-Belastung führen. Bist du von einer Unterforderung betroffen, solltest du etwas verändern.

Auf Dauer wird sich die fehlende Belastung auf weitere Lebensbereiche auswirken. Die Folgen sind einer Überforderung oftmals ähnlich, und aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass du etwas änderst, bevor deine Gesundheit einen größeren Schaden nimmt.

Während sich die Symptome einer Überforderung sehr schnell auf die Ursachen zurückführen lassen, bleibt eine Unterforderung oftmals über eine längere Zeit unerkannt. Die Betroffenen verspüren eine sehr große Unzufriedenheit.

Diese kann sich auch auf das Privatleben auswirken. Es gibt Symptome, die jedoch so allgemein sind, dass sie nicht zweifelsfrei zugeordnet werden können. Dazu gehören eine ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit und das Gefühl, überhaupt nicht leistungsfähig zu sein.

Der tägliche Gang zur Arbeit wird immer mehr zu einer Belastung. Die Zeit möchte einfach nicht vergehen. Dies gilt nicht nur für Betroffene, die Vollzeit beschäftigt sind. Alle Symptome einer Unterforderung können sich auch dann zeigen, wenn du eine Teilzeitstelle hast. Bis die Erkenntnis verinnerlicht ist, dass es sich tatsächlich um eine Unterforderung handelt, dauert es oftmals Jahre.

Müdigkeit und Antriebslosigkeit können Symptom verschiedener Erkrankungen sein.

Wenn dies durch deinen Arzt ausgeschlossen wurde, kann die Arbeit für deinen Zustand verantwortlich sein. Dies gilt vor allem dann, wenn es dir in deiner Freizeit gut geht und du an freien Tagen, an den Wochenenden oder im Urlaub keinerlei Probleme hast. Sollte es dir an Tagen, an denen du nicht arbeiten musst, besonders gut gehen, ist dies ein Warnzeichen, dass mit deiner Berufstätigkeit etwas nicht stimmen könnte.

Wenn eine Überforderung ausgeschlossen ist, weil du die an dich gestellten Aufgaben ohne Mühe und in kürzerer Zeit erledigen kannst, liegt es nahe, dass du an einer Unterforderung leidest. Es gibt Zeichen, die darauf hinweisen, dass du in deinem Beruf etwas ändern solltest.

Nimm diese Zeichen ernst, denn eine wirkliche gesundheitliche Beeinträchtigung ist bei einer dauerhaften Unterforderung ein großes Risiko. Je schneller du etwas änderst, desto besser wirst du dich fühlen. Oftmals ist es nur ein kleiner Schritt, der dich innerhalb kurzer Zeit aus deiner Krise führen wird.

Unterforderung vs. Überforderung – der Unterschied

Es ist schwierig, eine Unterforderung als Ursache für gesundheitliche Probleme auszumachen, denn die Problematik hängt eng mit der Persönlichkeit zusammen. Bei einer Überforderung ist es sehr einfach, die Ursachen zu erkennen. Die Betroffenen stehen unter Stress. Sie schauen auf einen Berg an Arbeit, hetzen von einem Termin zum nächsten und schaffen ihr Pensum trotzdem nicht.

Für eine Pause ist keine Zeit und Überstunden sind nicht eine Ausnahme, sondern die Regel. Auch Menschen, die gern und viel arbeiten, merken irgendwann, dass es so nicht weitergehen kann. Irgendwann kommt jeder, der ständig mit Aufgaben überlastet ist, an seine Grenzen. Dies gestaltet sich bei der Unterforderung anders, denn es gibt Menschen, die damit sehr gut leben können.

Bei einer Unterforderung spielt die Persönlichkeit eine sehr viel größere Rolle, denn es gibt Menschen, denen Langeweile und eintönige stupide Aufgaben nicht viel ausmachen. Hochsensible Menschen, die meist sehr gewissenhaft und sinn- und werteorientiert arbeiten, können mit langweiligen Routineaufgaben völlig unterfordert sein. Daran ändert auch eine gute Bezahlung nichts. Es gibt jedoch Beschäftigte, die über Jahre oder gar Jahrzehnte im Berufsleben unterfordert sind und keine Probleme haben.

Sie mögen es, wenn der Arbeitstag ruhig verläuft, wenn sie nicht viel zu tun haben und wenn der Anspruch an die eigene Arbeit gering ist. Es gibt auch hochsensible Menschen, die sich ganz bewusst für einen Job entscheiden, der eintönig ist, reizarm zu bewältigen ist und bei dem sie wenig Energie verbrauchen. So haben sie die Möglichkeit, ihre Energie in andere Dinge zu stecken, etwa in ein intensives Hobby oder in sportliche Betätigung in der Freizeit. Das Verständnis der Umwelt für Menschen, die unterfordert sind und gern etwas ändern möchten, ist oftmals gering, und viele trauen sich nicht, etwas gegen die Langeweile zu unternehmen.

Kennst du diese Anzeichen?

Unterforderung ist ein schleichender Prozess, der mit zunehmender Routine immer gravierender wird. Es beginnt damit, dass du nicht mehr mit Freude und Enthusiasmus zur Arbeit gehst. Du weißt gar nicht so genau, warum das so ist, denn eigentlich fühlst du dich an deinem Arbeitsplatz wohl und bist bei den Kollegen beliebt.

Die Aufgaben gehen dir leicht von der Hand und du wirst von deinem Chef immer wieder für deine gute Arbeit gelobt. Trotzdem geht es dir nicht gut. Du schaust immer wieder zur Uhr, und deine Aufgaben geben dir keine Erfüllung, sondern sie nerven dich. Ein besonderes Problem können Aufgaben sein, die sich tagtäglich wiederholen. Fehlende Abwechslung kann sehr schnell zu einer Unterforderung führen.

Dies gilt vor allem dann, wenn du, wie viele Hochsensible, besonders hohe Ansprüche an dich selbst hast oder wenn du immer wieder neue Herausforderungen suchst, die du in deinem Beruf jedoch nicht bekommst. Stupide Arbeit, die sich täglich wiederholt und den Geist nicht anregt, kann die Gesundheit ebenso beeinträchtigen wie ständiger Stress.

Du fühlst dich irgendwann müde, dir fehlt die Lust, du kommst morgens gar nicht aus dem Bett. Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit oder Magenprobleme können die Folge sein, ohne dass der Arzt irgendetwas findet. Wenn du dich in diesen Problemen wiederfindest, liegt eine Unterforderung im Job nahe. Du solltest handeln, dann wird es dir schnell wieder besser gehen.

Zunächst solltest du ehrlich zu dir selbst sein.

Ist wirklich der Job das Problem, oder hast du einfach nur zu hohe Ansprüche an dich selbst? Es darf in deinem Leben Tage geben, an denen du nicht so viel zu tun hast. Lass es zu und freue dich, dass du nach dem Arbeitstag noch Energie für andere Dinge hast. Wenn du zu den Menschen gehörst, die nie zur Ruhe kommen, immer etwas tun müssen und glauben, nur wenig zu leisten, wird ein Jobwechsel nichts bringen.

Du wirst immer wieder aufs Neue mit dir unzufrieden sein.

Vielleicht setzt du dich selbst einem Leistungsdruck aus, der gar nicht notwendig ist und die Ursachen irgendwo anders in deinem Leben hat? Suche die Antworten auf diese Frage, offen und ehrlich. Du wirst sehen, dass sich dann vieles ändert.

Wenn du deine Arbeit eindeutig als Grund für deine Probleme ausgemacht hast, ist der Weg zum Chef eine Möglichkeit, etwas zu ändern. Lass dir einen Termin für ein ruhiges Gespräch unter vier Augen und geben und schildere ihm, dass du dich in deinem Arbeitsgebiet nicht mehr wohlfühlst und gern neue Aufgaben übernehmen würdest. In vielen Unternehmen ist es möglich, den Arbeitsbereich zu wechseln und so wieder mehr Abwechslung in den beruflichen Alltag zu bringen.

Eventuell kannst du einen Lehrgang oder eine Weiterbildung absolvieren, um andere Aufgaben zu bekommen und deinen beruflichen Horizont zu erweitern. Ein Wechsel der Abteilung oder ein Tausch der Arbeitsaufgaben mit einem Kollegen, der auch gern einmal etwas Neues ausprobieren möchte, sind weitere Optionen. Wenn ein solches Gespräch kein Ergebnis bringt, mit dem du zufrieden bist, und wenn du glaubst, nicht länger in deinem Umfeld arbeiten zu können, ist ein Jobwechsel die letzte Möglichkeit, um der Unterforderung zu entkommen.

Ein neuer Job ist eine Veränderung, die sich sehr positiv auswirken kann, wenn du von einer Unterforderung in deinem derzeitigen Arbeitsbereich betroffen bist. Wenn es möglich ist, solltest du dir Zeit lassen und dich über verschiedene Bereiche informieren, in denen du aufgrund deiner Qualifikation und deiner Berufserfahrung arbeiten kannst. Versende mehrere Bewerbungen und informiere dich über das Unternehmen und die Arbeitsbedingungen.

Im Vorstellungsgespräch solltest du ansprechen, dass du neue Herausforderungen suchst. Ein Probearbeitstag gibt dir die Gewissheit, dass du eine richtige Entscheidung treffen wirst. Ist der Jobwechsel vollzogen und verspürst du Zufriedenheit an deinem neuen Arbeitsplatz, werden die Symptome der Unterforderung sehr schnell verschwinden.

Sonnige Grüße von
Anne