Das sogenannte Tagträumen ist zumeist mit negativen Aspekten behaftet und deutet übergreifend auf Faulheit und Desinteresse der behandelten Thematik hin. Besonders schwierig wird demnach das Tagträumen auf dem Arbeitsplatz – vielleicht drohen sogar mitunter Konsequenzen vom Vorgesetzten! Entgegen dem allgemeinen Konsens sorgt Tagträumen jedoch für zahlreiche positive Auswirkungen auf unser Gehirn und darauffolgend ebenfalls auf unser Arbeitsverhalten.

Dieser Artikel soll einige Aspekte des Tagträumens beleuchten und darüber informieren, dass dem Ganzen bei Weitem zu viel ablehnender Gegenwind entgegenbläst.

Weshalb wirst du überhaupt dazu verleitet, am Tag zu träumen?

Tagträumen kann grundsätzlich durch zwei wesentliche Faktoren ausgelöst werden, die extreme Gegensätze darstellen. Dies erscheint allerdings nur auf den ersten Blick widersprüchlich, ergibt jedoch bei genauerer Betrachtung Sinn.

  1. Überforderung:

Mit der Überforderung, welche in den meisten Fällen vor allem durch Stress ausgelöst wird, steigt das Bedürfnis nach einer Pause für das Gehirn. Speziell in Situationen, bei denen du dich bereits seit mehreren Stunden auf ein Thema konzentrierst und merkst, dass du vermutlich länger brauchen wirst, als in der Planungsphase angenommen wurde.

Da steigt dein Stresslevel förmlich von Minute zu Minute. In solchen Situationen neigt das eigene Gehirn dazu, von den ernsten Gedanken abzuschweifen und sich selbst eine Pause zu gönnen. Das Ganze wird oftmals durch den Faktor des Schlafmangels begünstigt – dein Gehirn braucht dringend eine Pause.

  1. Unterforderung:

Das Ganze kann jedoch genauso in der entgegengesetzten Richtung funktionieren. Sobald du mit einer Unterforderung konfrontiert wirst, neigt dein Gehirn ebenfalls dazu, mit den Gedanken abzuschweifen.

Allerdings geht es diesmal viel eher darum, dass sich das Gehirn alten Erinnerungen oder auch zukünftigen Entscheidungen widmet, denn beides hat wohl im Moment eine größere Tragreichweite haben als das, was du gerade tust. Dein Gehirn sucht sich anspruchsvollere Betätigungen.

Tagträumen kann also in sehr unterschiedlichen Situationen unseres Lebens auftreten.

Vorurteile gegenüber dem Tagträumen

Das Tagträumen während der Arbeit kann in deiner Umgebung so wirken, als seist du völlig desinteressiert. Das könnte dann zu negativen Auswirkungen führen. Schließlich wird ein gewissenhaftes und konzentriertes Auftreten erwartet. Das buchstäbliche Versinken in der eigenen Welt hat eher ein negativ behaftetes Image.

Der Tagträumer wird auch gerne als Realitätsflüchtling angesehen. Abgesehen davon könnten deine Vorgesetzten oder Arbeitskollegen vermuten, dass du über keine ausreichende Disziplin verfügst, um dich auf deine Aufgaben zu konzentrieren.

Die Vorteile des Tagträumens

Es existieren jedoch zahlreiche Vorteile, die anhand von Studien und Experimenten verifiziert worden sind.

  • Tagträumen verbessert dein Auffassungsvermögen sowie deine Kreativität

Der Hirnforscher Andres Fink fand mithilfe verschiedener Messungen heraus, dass sogenannte „Alphawellen“ maßgeblich für das menschliche Gehirn sind, um kreative Gedanken fassen zu können. Auch das Erinnerungs- und Lernverhalten wird durch Alphawellen gefördert. Mithilfe von Tagträumen bist du demnach in der Lage, kreativere Impulse zu erhalten, die dir beispielsweise dabei helfen können, Präsentationen für deine Arbeit vorzubereiten bzw. zu verbessern.

  • Probleme können mithilfe von Tagträumen früher erkannt werden

Mithilfe von Hirnscans konnte die Psychologin Kalina Christoff herausfinden, dass bei regelmäßigen Tagträumern das sogenannte „Default Network“, also ein ganzes Netzwerk an Gehirnarealen, besser funktioniert als bei Personen, die sich nicht auf das Tagträumen einlassen. Der Neurowissenschaftler Muireann Irish stellte außerdem heraus, dass das Tagträumen die Fähigkeit zu denken fördert.

Der Vorgang des Tagträumens, bei welchem ständig Verknüpfungen verschiedener Gedanken und neuronaler Netze hergestellt werden, sei sogar vergleichbar mit dem Prozess, bei dem sich unser Gehirn entwickelt, was für gewöhnlich in jüngeren Jahren der Fall gewesen war. Tagträumer können Probleme früher erkennen und kreative Lösungswege entdecken.

  • Analytische, empathische oder auch chaotische Denkweisen

Nach dem Kognitionsforscher Anthony Jack werden beim Tagträumen verschiedene Modi von Denkweisen durchlaufen, welche sich beispielsweise auf analytische, empathische oder sogar chaotische Grundlagen stützen.

Während dieser Vorgänge werden jedoch die jeweils restlichen Denkweisen bzw. Areale im Gehirn, die dafür zuständig sind, abgeschaltet und somit entlastet. Die Folge ist anschließend eine bessere Auffassungsgabe – du kannst dich wieder besser konzentrieren.

Meditation für das Gehirn

Besonders in einem stressigen und nervenaufreibenden Alltag bei der Arbeit läuft das Gehirn auf Hochtouren. Meditationsübungen helfen dabei, dem Körper und auch dem Gehirn eine Pause zu verschaffen, doch sind derartige Übungen nicht bei jedem Arbeitsplatz praktikabel. Das Tagträumen jedoch lässt sich durchaus an vielen Arbeitsplätzen aus für wenige Minuten ausüben.

Die Auswirkungen auf das Gehirn sind bei Meditation und Tagträumen sehr ähnlich. Bereits wenige Minuten können dafür sorgen, dass das Gehirn wieder aufnahmefähig und kreativ werden kann.