Es gibt keine nicht traumatisierten Menschen!!! Was meine ich damit genau? Jeder Mensch hat aller Wahrscheinlichkeit nach bereits ein Trauma erlebt, aber nicht jeder Mensch ist dadurch auch automatisch traumatisiert. Die Art der Verarbeitung eines schweren Erlebnisses in der persönlichen Geschichte macht den Unterschied.

Erst einmal: Was ist überhaupt ein Trauma?

Der Begriff „Trauma(ta=Mehrzahl)“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Verletzung“. In bildhafte Sprache übersetzt, kann man den Begriff des Traumas aber durchaus auch als Wort „seelische Verletzung“ verstehen. Unter einem psychischen Trauma versteht man eine seelische Verletzung oder eine starke psychische Erschütterung, die durch ein extrem belastendes Ereignis hervorgerufen wird.

Die Idee, der Grund für ein Trauma müsse immer ein katastrophales Ereignis sein oder ein schwerer Unfall, Gewalt, Vergewaltigung, Naturkatastrophen und ähnlich furchtbare Ereignisse (sogenanntes Schocktrauma), ist nur teilweise richtig. Natürlich können solche einzelnen Ereignisse hochtraumatisch sein, ich habe aber auch festgestellt, dass es so etwas wie eine chronische, lang andauernde seelische Verletzungen geben kann, die ähnlich traumatisierend wirkt.

Um zu verdeutlichen, was ein Trauma sein kann, hier ein Beispiel aus einer ganzen Reihe möglicher Traumata:

Schocktrauma

Dabei kann es sich beispielsweise um einen gewalttätigen Über­griff, eine Vergewaltigung oder um eine Naturkatastrophe han­deln. Die klassischen Symptome eines Schocktraumas sind unter anderem die sogenannten »Flashbacks«, also die Erinnerungen und Bilder an das Trauma, die die Betroffenen unwillkürlich wieder erleben.

Zu Flashbacks kommt es auch noch viele Jahre später, manchmal erst nach Jahrzehnten. Ausgelöst werden die Flashbacks durch Schlüsselreize. Diese können eine bestimmte Umgebung, Geräusche, ja sogar ein bestimmter Geruch sein – was immer mit dem ursprünglichen traumatischen Erlebnis in Verbindung steht. Darüber hinaus besteht eine Übererregung des Nervensystems, entweder ist der traumatisierte Mensch ununterbrochen auf sehr hohem Erregungsniveau oder es be­ steht ein Wechsel zwischen extremer Übererregung und dem fast gänzlichen Fehlen von Erregung. Dann kann der Betroffene nicht normal entspannen, das Nervensystem fährt nicht herun­ter, sondern kollabiert fast.

Trügerisches Lächeln

Personen mit Schocktrauma sind nicht in der Lage, über das Er­eignis in einem normalen Rahmen zu erzählen, etwa begleitet von Weinen, Trauer oder Wut. Sie distanzieren sich beim Er­ zählen quasi von sich selbst, weil allein die Erzählung für sie so schlimm ist wie das Ereignis. Sie werden von Bildern und Ge­fühlen regelrecht überflutet, was sie in der Regel nicht oder nur schwer ertragen können. Sie brechen bei der Erzählung entweder vollkommen zusammen oder spalten sich von den Gefühlen ab.

Die Folgen von Traumatisierungen

Nach meiner Erfahrung können auch chronische, lang anhaltende seelische Verletzungen in der Kindheit dazu führen, dass eine zarte Seele ähnliche Symptome entwickelt, wie ein einmalig traumatisierter Mensch. Besonders bei sehr sensiblen Kindern hinterlassen Erfahrungen wie fehlende Mutterliebe, ständige Ablehnung. Alkoholismus, Gewalt, seelischer, körperlicher und sexueller Missbrauche tiefe Narben in ihrer Seele.

Oft erstrecken sich solche Erfahrungen über viele Jahre, in denen Kinder diese belastenden Situationen als tiefste Ohnmacht empfinden. Die Unmöglichkeit, schrecklichen Verhältnissen zu entfliehen, kann zu schmerzhaften seelischen Narben führen.

Eine Traumatisierung kann sich sehr schnell einstellen. Schwer belastende Ereignisse wie ein Unfall, Gewalt oder der unerwartete Tod einer nahestehenden Person kann unter Umständen ein Trauma auslösen. Nicht immer reagieren Menschen gleich, manche Menschen sind nach einem schlimmen Ereignis nur eine Weile „völlig durch den Wind“, erholen sich aber relativ schnell, andere hingegen entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung.

Traumatische Erlebnisse können zu tiefen seelischen Erschüt­terungen führen.

Diese haben eine Überforderung des ange­borenen biologischen Stresssystems zur Folge. Insofern haben Traumata nicht ausschließlich seelische Auswirkungen, son­dern in vielen Fällen auch körperliche. Das können beispiels­weise unkontrollierbare Schweißausbrüche, Erröten oder Blässe sein.

Wachstum trotz und mit negativen Erfahrungen ist möglich

Zwei Faktoren sind für posttraumatisches Wachstum wichtig: zum einen Hilfe und Beistand durch das Umfeld, zum anderen der Sinn, den man dem Geschehen beimisst.

Soziale Unterstützung

Das sind deine Familie, deine Freunde, dein Partner. Sehr wenig im Leben ist so unglaublich wichtig wie Beziehungen. Wenn die persönlichen Verbindungen positiv sind, geschieht es wesentlich seltener, dass ein Mensch ängstlich oder depressiv wird. Ebenso wurde nachgewiesen, dass ein Trauma unsere körperliche Ge­sundheit beeinträchtigen kann. Zum Beispiel entwickelten man­che Frauen, die ihren Partner verloren hatten, auch physische Symptome. Als sie sich jedoch an ihre Freunde wandten, um Unterstützung zu erhalten, nahmen diese Anzeichen signifikant ab.

Einen Sinn hinter den Ereignissen finden

Betroffene können leichter mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen, wenn sie einen tiefen Sinn darin finden. Beispielsweise das Gefühl, etwas über das Leben selbst gelernt zu haben.

Erfahre mehr über Traumata, ihre Folgen und darüber, wie du dein Selbstbewusstsein stärkst sowie Selbstsicherheit (wieder)finden kannst in meinem Buch „Urvertrauen: Wie du Heimat findest in dir selbst“: https://amzn.to/2zWViyC.