Jemand hat einen zu hohen Cholesterinspiegel. Das hat jeder von uns schon viele Male in unterschiedlichen Zusammenhängen gehört. Es ist eine Volkskrankheit, von der die meisten nur eine vage Vorstellung haben. Dabei macht das Leiden vor Hochsensiblen natürlich nicht Halt. Wir gehen der Sache auf den Grund und zeigen Betroffenen, wie sie ihren Cholesterinspiegel senken können.

Wofür braucht der Körper Cholesterin?

Cholesterin ist ein in den Zellen vorkommender Naturstoff. Grundsätzlich benötigt jeder Mensch diese Sterole, denn Cholesterine führen wichtige Funktionen im Organismus aus. Sie werden für den Zellaufbau benötigt, stabilisieren die Zellmembran, ermöglichen verschiedene Stoffwechselvorgänge und synthetisieren Geschlechtshormone wie Östradiol, Testosteron und Progesteron. Auch werden aus Cholesterinen das Stresshormon Cortisol, Vitamin D sowie die Gallensäure gebildet, die wiederum für die Fettverdauung benötigt wird.

Erbliche und erworbene Einflüsse

Doch wie bei vielem im Leben, kommt es auch beim Cholesterin auf das richtige Maß an, denn ein Übermaß ist selten gut. Was also sind die Ursachen für einen erhöhten Cholesterinspiegel bzw. eine Hypercholesterinämie, wie die Erkrankung im medizinischen Fachgebrauch heißt? Ärzte unterscheiden dabei zwischen einem primären (erblichen) und sekundären (erworbenen) Krankheitsbild. Natürlich sind auch bei dieser Krankheit die Grenzen fließend.

Typisch ist zum Beispiel bei Erkrankungen aufgrund der Genetik eine erhöhte Vulnerabilität, sodass sich falsche Verhaltensweisen dramatisch auswirken können. Allerdings sind speziell bei einem erhöhten Cholesterinspiegel die Möglichkeiten für eine Ernährungsumstellung begrenzt, denn die Ernährung beeinflusst nur zu ca. 25 % den eigenen Cholesterinwert. Der menschliche Körper ist nämlich dazu fähig, 90 % der Cholesterine selbst herzustellen.

Entstehungsgeschichte der Erkrankung

Betroffenen mit einer erblichen Vorgeschichte leiden an einer Fettstoffwechselstörung, denn ihnen fehlen wichtige Rezeptoren, um die Fettstoffe aus dem Blutkreislauf aufzunehmen und zu verarbeiten. In der Folge lagern sich zu viele Cholesterine im Blut an und der Cholesterinspiegel steigt. Als sekundärer Faktor spielt wiederum vor allem eine unausgewogene Ernährung eine Rolle, die sich aus zu vielen gesättigten Fettsäuren zusammensetzt, denen zu wenige ungesättigte Fettsäuren gegenüberstehen. Mediziner sprechen vom idealen Verhältnis, wenn eine gesättigte Fettsäure durch zwei ungesättigte Fettsäuren „neutralisiert“ wird.

Der Zusammenhang zum Cholesterinwert besteht darin, dass sich vor allem die „bösen“ LDL-Cholesterine aus gesättigten Fettsäuren ernähren, während ihre „guten“ Gegenspieler, die HDL-Cholesterine, ungesättigte Fettsäuren benötigen. Besonders wertvoll sind bei den ungesättigten Fettsäuren vor allem die Omega-3-Fettsäuren, die man besonders im Fisch, Speiseöl, Soja, Nüssen, Rosenkohl und Spinat findet. Eine Ernährungsumstellung lohnt sich also auf jeden Fall. Weitere negative Einflüsse auf die Cholesterinwerte haben Übergewicht, Bewegungsmangel, ein zu hoher Blutdruck, das Lebensalter, Alkohol und Rauchen.

Zu den häufigsten Erkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für die Fettstoffwechselstörung bedeuten, gehören eine Unterversorgung der Schilddrüse, ein Verschluss an der Gallenblase, Diabetes mellitus, Erkrankungen an der Niere und andere Stoffwechselstörungen. Bestimmte Medikamente gegen einen zu hohen Blutdruck wie Betablocker und Thiazide begünstigen ebenfalls einen zu hohen Cholesterinspiegel.

Die Risikofaktoren bei erhöhten Cholesterinwerten

Ist der Cholesterinspiegel erhöht, wird die Durchblutung zunehmend gestört. In der Folge ist das Risiko für eine Thrombose, Embolie und Schlaganfall deutlich erhöht. Alarmierend ist auch die gestiegene Gefahr für Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Dies betrifft vor allem den Herzinfarkt und die Koronare Herzkrankheit (KHK), denn die Ursache für den Herzinfarkt sind Durchblutungsstörungen und die Ursache für die KHK eine Verkalkung der Gefäße. Beides droht bei einem zu hohen Cholesterinspiegel. Die allgemeine Gefäßerkrankung, die durch die Fettstoffwechselstörung entstehen kann, ist die Arteriosklerose. Speziell an den Beinen macht sich die Gefäßverkalkung als PAVK bemerkbar.

Möglichkeiten zur Selbsthilfe

Dass der Gang zum Arzt angesichts des Gefahrenpotenzials eines zu hohen Cholesterinspiegels angesagt ist, sollte klar sein. Eine „Prokrastination“ kann sich hier verheerend auswirken. Darüber hinaus lohnt es sich, übrigens auch für (noch) nicht Betroffene, sinnvolle Anpassungen am eigenen Verhalten vorzunehmen. Dazu gehören Bewegung, Sport, eine Ernährung mit nur wenigen gesättigten und dafür umso mehr ungesättigten Fettsäuren sowie der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten. In den letzten Jahren wird als weitere Therapie eine gezielte Zufuhr von essentiellen Aminosäuren gegen erhöhte Cholesterinwerte ins Spiel gebracht. Hier sollen vor allem die Aminosäuren Arginin, Taurin und Carnitin einen Beitrag gegen die Erkrankung leisten.