Wer sehr sensibel ist, bekommt viel von der Umwelt mit. Das Risiko, Wichtiges zu übersehen oder zu verpassen, ist deutlich reduziert. Auch Einzelheiten, die später wichtig werden können, nehmen Hochsensible wahr und speichern sie im Gedächtnis. Manchen gelingt es sogar, mehrere Gespräche, die parallel in einem Raum geführt werden, zu verfolgen.

Sie erzielen dann einen Wissensvorsprung gegenüber denen, die in ihrer Sinneswahrnehmung stärker begrenzt sind. Manchmal spricht sich dies rum und Mitarbeiter wenden sich an hochsensible Kollegen, wenn ihnen eine wichtige Information nicht mehr in Erinnerung ist.

Es gibt aber auch Herausforderungen, denen Hochsensible im Job begegnen müssen.

Am Arbeitsplatz ist die Zeit für die Bearbeitung von Aufträgen oft knapp. Von Mitarbeitern wird verlangt, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Hochsensible Menschen neigen dazu, alles sehr genau zu bearbeiten, und benötigen daher oft mehr Zeit. Dadurch geraten sie leicht in die Situation, erklären zu müssen, warum etwas nicht fristgerecht fertiggestellt werden konnte. Andere Hochsensible machen daher auch Überstunden. Dies führt auf die Dauer zu Stressbelastung, Unausgeglichenheit und Konzentrationsschwächen.

Hochsensible Menschen sind schneller im Dys-Stress.

Sie schätzen Situationen schneller als bedrohlich ein und erleben diese sorgenvoller als andere Menschen. Auch physiologisch wirkt sich diese Stressanfälligkeit aus, etwa durch einen erhöhten Puls, einen beschleunigten Atem oder zusätzliche Schweiß-Aktivität. Außerdem fühlen Hochsensible sich häufiger überfordert. Da sie Emotionen für einen längeren Zeitraum erleben, haben Konflikte eine höhere Wirkungsdauer.

Hochsensible Menschen denken nach einer Auseinandersetzung mit Kollegen oder einem unerfreulichen Gespräch mit dem Chef länger über die Ursachen des Konflikts nach oder empfinden die negativen Emotionen stärker. Dann gelingt es nicht so leicht, nach vorne zu schauen und die nächste Aufgabe anzupacken. Manchmal fällt es auch schwer, die betreffenden Kollegen am nächsten Tag unvoreingenommen anzusprechen.

Die Auswirkungen von Hochsensibilität im Beruf hängen von vielen Faktoren ab.

Hierzu gehört die räumliche Situation. In Großraumbüros sind Mitarbeiter besonders vielen Reizen ausgesetzt. Kollegen kann man hier nicht aus dem Weg gehen. Auch die hierarchische Struktur des Unternehmens ist von Bedeutung. Werden hochsensible Mitarbeiter regelmäßig durch ihren Chef beobachtet oder müssen sich Leistungsmessungen unterziehen, dann haben sie viele selbstbezogene Informationen zu verarbeiten. Auch die Dichte an Kontakten mit Kollegen und Kunden ist ein wichtiger Faktor. Ständiges Kommen und Gehen von Kunden und regelmäßiges Telefonklingeln verstärken die Reizintensität. Dann kommt es leicht zu Reizüberflutungen, die in einem Zustand der inneren Erschöpfung münden.

Wenn es in einem Job auf besondere Gründlichkeit ankommt, können Hochsensible ihre Potenziale gut ausschöpfen.

  • Auch kontrollierende Aufgaben sind mit den Fähigkeiten von hochsensiblen Menschen besonders gut kompatibel, da diese über bessere Voraussetzungen verfügen, Unstimmigkeiten schnell und zuverlässig zu entdecken.
  • Auch im direkten Kontakt mit Kunden oder Klienten sind Hochsensible in vieler Hinsicht den anderen Mitarbeitern überlegen, da sie sich besser in andere Menschen hineindenken können.
  • Im Vertrieb gelingt es ihnen besser, die Bedürfnisse ihres Gesprächspartners zu verstehen, ungestellte Fragen zu erkennen und auf Bedenken zielgerichtet einzugehen.
  • In sozialen und medizinischen Berufen ist diese Empathie besonders wertvoll. Beispielsweise wünschen sich die meisten Patienten einen Arzt oder Therapeuten mit viel Einfühlungsvermögen.
  • Auch in kreativen Jobs können sich Hochsensible profilieren. Wer Informationen schneller verarbeitet und besser verbindet, wird auch viele gute Ideen generieren.

Aber ACHTUNG

Hochsensible Menschen können in einen Teufelskreis geraten: Wenn sie von Kollegen oder von ihrem Chef auf ihre Sensibilität direkt oder indirekt angesprochen werden, nehmen sie sich dies besonders zu Herzen. Sie steigern sich in die Sorge hinein, dass die Emotionen, die sie selbst erleben, für andere sichtbar sind und zu einer Angriffsfläche werden.

Die Verunsicherung oder Enttäuschung über das kritische Feedback kann dazu führen, dass sie sich am Arbeitsplatz so weit wie möglich abkapseln. Auf diese Weise vermeiden sie es, mit weiteren negativen Kommentaren konfrontiert zu werden, die sie erneut für längere Zeit belasten würden. Indem sie sich aber isolieren, bestätigen sie den Eindruck ihrer Mitmenschen. Dies kann dazu führen, dass der Chef sie für nicht ausreichend belastbar hält.

Daher ist es wichtig, mit diesem besonderen Persönlichkeitsmerkmal bewusst umzugehen und die eigene Arbeits- und Kommunikationsweise bestmöglich darauf abzustimmen. Quälende Gedankenketten über deine berufliche Situation solltest du gezielt durchbrechen, indem du dir die Vorteile deiner hohen Sensibilität verdeutlichst. Du bekommst in unserem Blog zahlreiche wichtige Tipps und Handlungsoptionen aufgezeigt.

Herzlichst
Anne