Wir kennen viele Intelligenzformen. Die kognitiven, sprachlichen und visuellen, die im klassischen IQ-Test gemessen werden, ebenso wie soziale, emotionale, intrapersonelle, interpersonelle und einige mehr. All diese Intelligenzarten sind gut beschrieben und können aktiv gefördert werden. Mehrere verschiedene Begabungsformen bilden die Grundlage der erotischen Intelligenz.

Was heißt überhaupt Intelligenz?

Das Wort „Intelligenz“ wird im Alltag recht häufig verwendet. Manchmal in einem direkten Zusammenhang mit einer Person, manchmal in Verbindung mit einer Verhaltensweise. Wir bezeichnen Menschen als intelligent, die bestimmte Fähigkeiten im Bereich des Denkens und Problemlösens entwickelt haben, aber auch solche, die sich im Umgang mit anderen Menschen als besonders einfühlsam oder verständnisvoll erweisen. Ist Intelligenz aber mit einer guten schulischen Leistung gleichzusetzen? Und was ist mit überdurchschnittlicher Wahrnehmung? Die meisten Wissenschaftler haben sich auf einen Kompromiss verständigt: Es gibt keine einheitliche Definition, aber die gemeinsame Grundlage vieler Experten ist, dass Intelligenz eng mit einer schnellen Auffassungsgabe und einer raschen situativen Lösung von Problemen verknüpft ist. Intelligenz ist also nicht ein Ergebnis, das über einen Intelligenztest erzeugt wird, sondern eine Fähigkeit, die sich in einem konkreten praktischen Bezug zeigt.

Intelligent fühlen?

Vielleicht hast auch du dir schon einmal die Frage gestellt, ob die Prozesse, die zu einem intelligenten Handeln gehören – was auch immer man darunter verstehen mag –, durch bestimmte Denkweisen oder durch eine konkrete Art von Gefühlen ausgelöst worden sind. Ein Beispiel: Eine Frau bekommt in einem Supermarkt an der Kasse mit, wie sich die Kassiererin und ein Kunde über einen vermeintlich falschen Geldbetrag streiten. Die Kundin mischt sich ein und löst die Situation mithilfe konkreter Hinweise in Bezug auf die Berechnung der Summe, aber auch mit einigen beschwichtigenden Worten. Der Streit wird nicht nur beendet, sondern es kommt sogar zu versöhnlichen Worten zwischen den beiden vormals erzürnten Streithähnen. Hier wird deutlich: Es gibt eine kognitive und eine emotionale Seite der Intelligenz. Das Kognitive bezieht sich auf den realen Streitgegenstand in der aktuellen Situation. Das Emotionale auf die Fähigkeit, andere Menschen in ihrer seelischen Verfassung zu erkennen und das Richtige zu tun.

Den IQ als Intelligenzquotienten kennen wir alle. Der EQ – der Emotional-Quotient – ist vergleichsweise weniger bekannt.

Das liegt daran, dass intelligentes Handeln über lange Zeit hinweg ausschließlich mit kognitiven Prozessen, also mit dem Denken, assoziiert wurde. Zudem ist die emotionale Intelligenz, die Fähigkeit, auf emotionaler Ebene zu agieren, natürlich ungleich schwerer zu messen als die kognitive Variante: Wir können die Zeiten vergleichen, die einzelne Personen für die Lösung eines kniffligen Problems brauchen. Aber wie will man exakt messen, in welcher Weise jemand emotional richtig reagiert? Dennoch scheint die emotionale Intelligenz unumstritten und ist vermutlich sogar im Rahmen der Evolution angelegt. Denn emotionale Fähigkeiten erhöhen die Chance, den richtigen Partner zu finden, um sich fortzupflanzen, und sie verringern das Konfliktpotenzial zwischen Menschen und Menschengruppen.

Emotionale Intelligenz – woran erkennt man sie?

Ein emotional intelligenter Mensch hat – wollte man es salopp ausdrücken – das Talent, mit den eigenen Gefühlen und denen anderer Menschen richtig umzugehen. Das bedeutet zum Beispiel, dass jemand die schlechte Laune des Partners schon bemerkt, ohne dass dieser ein Problem ansprechen muss. Das bedeutet, dass jemand instinktiv ahnt, wann der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch ist, und wann es besser ist, den anderen erst einmal in Ruhe zu lassen. Und es bedeutet, auch die eigenen Gefühle genau zu kennen – etwa, ob man etwas von Herzen tut, bei welchen Situationen man sich nicht im Griff hat und ob man grundsätzlich in der Lage ist, seine Gefühle überhaupt nach außen zu zeigen.

Die eigene emotionale Intelligenz kannst du unter Umständen danach einschätzen, wie andere Menschen auf dich reagieren. Bist du ein beliebter Gesprächspartner bei Problemen? Beschreibt man dich als ausgeglichen und besonnen? Sind deine Beziehungen eher lange während und von Vertrauen geprägt? Dann könnte es sein, dass dein EQ besonders hoch ist.

Hilft eine hohe emotionale Intelligenz in der Partnerschaft? Natürlich!

Die Fähigkeit, mit den eigenen Emotionen und denen des Partners gut umgehen zu können, ist für eine Beziehung und deren Stabilität wirklich entscheidend. Nehmen wir das klassische Streitmotiv: die leidige Eifersucht. Ein Mensch mit niedriger emotionaler Intelligenz tappt im Falle der Eifersucht leicht von einem Fettnäpfchen in das nächste – er macht dem Partner unbegründet Eifersuchtsszenen, verfolgt möglicherweise dessen vermeintliche Liebsten oder bildet sogar diverse psychosomatische Beschwerden aus. Wenn du stabil, geerdet und emotional intelligent bist, kannst du solche und auch weniger extreme Reaktionen von dir als überzogen einschätzen und dich zurücknehmen. Und wenn du das Opfer von Eifersuchtsattacken deines Partners werden solltest, reagierst du mit einem hohen EQ vielleicht gelassener und schürst die Glut nicht noch unnötig durch Grundsatzdiskussionen, die den Eifersüchtigen noch misstrauischer werden lassen. Emotional Intelligente hören zu, schätzen gefühlsbetonte Situationen und Stimmungen besser ein, handeln situativ richtig und können die eigenen Gefühle auch mitteilen. Alles das hilft beim Aufbau und beim Gestalten einer harmonischen Partnerschaft.

Hilft emotionale Intelligenz im Beruf? Aber sicher!

Gut zu wissen ist: Emotionale Intelligenz hilft selbstverständlich auch dabei, brisante Situationen am Arbeitsplatz zu entschärfen. Troubleshooting ist sogar eine gern gesehene Schlüsselqualifikation bei Mitarbeitern.

Du kannst diese Fähigkeit gezielt trainieren und damit verbessern

Zwar ist die emotionale wie auch die kognitive Intelligenz zu einem bestimmten Prozentsatz ererbt, aber zu einem Teil auch über die Sozialisation ausgebildet worden. Versuch, dir im einfachsten Schritt stets über deine Gefühle im Klaren zu sein und dich anderen auch angemessen mitzuteilen. Versetz dich in andere hinein, indem du ihre Situation kennenlernst, zuhörst, sie ausreden lässt und ohne Vorurteile ins Gespräch gehst. Beobachte nicht nur den anderen Menschen mit seinen Reaktionen, sondern hinterfrage auch dich selbst. Vielleicht hast du eine Reaktion deines Gegenübers, die dir nicht gefällt, durch das eigene Verhalten provoziert?

Reflexion: Was sind deine Gaben?

Hochsensible und hochsensitive Menschen haben wirklich viele Gaben und Fähigkeiten. Zugleich aber quälen sie auch viele Selbstzweifel. Ich liste dir daher einige der Gaben auf um dir zu helfen, sie dir stärker bewusst zu machen. Frage dich liebevoll und wertschätzend, welche dieser Eigenschaften auch dein Leben prägen. Mach diese Aufgabe schriftlich und in aller Ruhe. Je mehr Muse und Aufmerksamkeit du dieser Selbstreflexion schenkst, umso schöner werden die Ergebnisse sein. Also, welche dieser Eigenschaften leben in dir?

  • Feinfühligkeit, Feinsinnigkeit
  • Ausgeprägte Empathie
  • Starkes Einfühlungsvermögen
  • Feine Intuition und Vorahnungen
  • Tiefes Erleben und Wahrnehmen
  • Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen
  • Gerechtigkeitssinn und Idealismus
  • Selbstreflexion und Selbstkritik
  • Gewissenhaftigkeit
  • Stabile Werteorientierung
  • Zuverlässigkeit
  • Hoher Idealismus
  • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Gabe, Fehler schnell zu erkennen und künftig zu vermeiden
  • Kreatives Denken und Handeln
  • Erkennen komplexer Zusammenhänge
  • Gute Detailwahrnehmung
  • Zugang zu und Sinn für Natur und Kunst
  • Gründlichkeit
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Neugierde und Lernfähigkeit
  • Ausgeprägte Fantasie
  • Starke Kommunikationsfähigkeit
  • Humor und Zuversicht
  • Tiefes Empfinden von Freude
  • Herzlichkeit
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Denken und Sprechen in Bildern
  • Motivationsfähigkeit
  • Empfänglichkeit für Mystik und Symbolik
  • Zugang zu Spiritualität
  • Hohe Sinnhaftigkeit des Lebens

Eine gelöste Hochsensibilität ermöglicht ein freies und spielerisches Umgehen mit all dem, was der Alltag dir bietet. Bei welchen der Stärken kannst du heftig nicken? Schreib es dir ausführlich auf. Schenk dir diese Zeit und Aufmerksamkeit.

Willst du das Thema vertiefen, lies mehr dazu in meinem Buch Erotische Intelligenz.

Weitere Literaturempfehlungen findest du in unseren Buchempfehlungen.

Sig